Mit neuer Informationstechnologie gegen Depressionen

Weltweit zeichnet sich ein Versorgungs- und Behandlungsdefizit für psychische Alterserkrankungen ab, wobei Depression nach Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter zählt. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission explizit die Entwicklung und Implementierung von integrierten Versorgungsmodellen mit Interventionsdiensten für psychische Erkrankungen im höheren Lebensalter gefordert.
Depression im Alter wird oft nicht oder erst sehr spät erkannt und entsteht meist als psychische Reaktion auf Begleiterscheinungen des Alters. Die Johanniter starteten daher gemeinsam mit der Salzburg Research Forschungsgesellschaft und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien ein Forschungsprojekt zur Vorbeugung von Depression im Alter. Das einjährige Forschungsprojekt unter dem Namen „Impetus“ untersucht das Potenzial von Informationstechnologie zur Vorbeugung von Depressionen und Unterstützung des Versorgungsprozesses. Eine gemeinsame Online-Versorgungsplattform soll sowohl die Betroffenen als auch alle pflegenden, betreuenden und behandelnden Personen mit einbeziehen. Anzeichen für eine Depression im Alter sollen damit frühzeitig erkannt und ältere Menschen mit depressiven Episoden durch personalisierte, altersgerechte Interventionen unterstützt werden.

Unterstützung von Langzeittherapien

„Wir werden im Forschungsprojekt Impetus die Nutzbarkeit des Internets für den Bereich Altersdepression prüfen und die Unterstützung von IKT-Diensten in verschiedenen Phasen des Versorgungsprozesses darstellen“, so Projektleiterin DI Manuela Plößnig, MSc von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. So können der gesundheitliche Zustand und damit die Lebens­qualität und das Wohlbefinden von Menschen mit Depressionen im Alter durch Technologieunterstützung verbessert werden.
„Es gibt derzeit Systeme und Pilotversuche in Europa, die Möglichkeiten aufzeigen, wie computergestützte Interaktionen zwischen Klient und Therapeut dargestellt werden können“, ergänzt Mag. Georg Aumayr, Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums der Johanniter, und beschreibt praktische Beispiele: „Das kann zum Beispiel ein Stimmungstagebuch sein, das online verwaltet wird, oder auch tele-psychologische Anwendungen mit einer Konferenzschaltung zu einem Therapeuten. Das wird vor allem bei Patienten in Langzeittherapien eingesetzt, um das Vertrauensverhältnis nicht zu verlieren und die Therapie – trotz beispielsweise Mobilitätseinschränkungen – weiterhin aufrechtzuerhalten.“

Potenzial noch nicht ausgeschöpft

„E-Mental Health“ ist ein recht junges Praxis- und Forschungsfeld, das die Nutzbarmachung moderner Medien in Prävention, Behandlung, aber auch Rehabilitation und Selbsthilfe zum Gegenstand hat. „Obwohl viele Forschungsfragen offen sind, wissen wir, dass moderne Medien wie vor allem das Internet bei einer Reihe von psychischen Störungen die Behandlung effektiv unterstützen können“, so die psychologische Psychotherapeutin Prof. Dr. Christiane Eichenberg von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. „Allerdings ist das Potenzial für betroffene ältere Menschen weder ausgeschöpft noch hinreichend untersucht.“ Gestartet wurde Anfang November 2015 mit einer umfassenden Literaturrecherche sowie begleitenden ethischen Überlegungen. Besonderes Augenmerk liegt auf computergestützten Verhaltenstherapie-Ansätzen für ältere Menschen, auf ergänzenden Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich „E-Mental Health“ und auf Selbstmanagement-Strategien unter besonderer Berücksichtigung potenzieller Geschlechterunterschiede.
Impetus wird durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Programm benefit gefördert. Projektpartner sind die Johanniter Österreich, die Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH sowie die Sigmund Freud Privatuniversität.

MP 01|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-02-26