Wundinfektionen frühzeitig erkennen

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Österreich steigt und damit auch die Problematik von Wundinfektionen. Bislang gibt es vor allem für die häusliche Pflege kein System, mit dem eine Infektion schnell und einfach frühzeitig erkannt werden kann. Genau hier setzt das Start-up-Unternehmen Qualizyme an.
Der Startschuss für das Unternehmen fiel bereits im Jahr 2006 bei einer Forschungsarbeit an der TU Graz, bei der die Mikrobiologin Dr. Eva Sigl und die Chemikerin Dr. Andrea Heinzle das Potenzial einer Methode zur frühzeitigen Infektionserkennung deutlich machten. 2012 gründeten sie das Start-up InFact, jedoch fehlte es an Laborkapazitäten. Seit Mai 2014 arbeiten die beiden Forscherinnen nun unter dem neuen Namen Qualizyme am ZWT (Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin) Graz.

Schnelltest ohne Labor

Sigl und Heinzle entwickelten eine Methode zur Infektionsdetektion, die die Hauskrankenpflege revolutionieren könnte. „Bisher gibt es kein Produkt am Markt, mit dem man eine Wundinfektion schnell und einfach frühzeitig erkennen kann“, erläutert Sigl. Die einzige Methode zur Erkennung sind momentan mikrobiologische Analysen, die aber zwei bis drei Tage dauern und für die ein Labor erforderlich ist.

Die Gründerinnen entwickelten einen Schnelltest, der im Zuge eines Verbandswechsels schnell und einfach auch von einem Laien angewendet werden kann. Mit einem Tupfer wird eine Probe abgenommen, die in ein Testsystem kommt. Das Testsystem analysiert vier verschiedene Enzyme des Immunsystems, die vermehrt produziert werden, wenn sich eine Infektion ankündigt. „Wenn diese Enzyme in einer bestimmten Konzentration vorhanden sind, verfärbt sich der Teststreifen. Das Ergebnis ist damit so schnell verfügbar und so klar wie bei einem Schwangerschaftstest“, erklärt Sigl.
„Wenn sich chronische Wunden infizieren, verzögert das den Heilungsprozess und kann bis zum Tod durch Sepsis führen. Auch die Kosten für die Behandlung sind beträchtlich“, weiß Heinzle. „Wenn Infektionen rechtzeitig diagnostiziert werden, können damit hohe Folgekosten und auch Schmerzen für den Patienten verhindert werden.“
Die geplanten Kosten für das Qualizyme-Testsystem liegen bei 20 bis 30 Euro pro Testung. Momentan arbeitet man gerade an der Kostenkalkulation für das Einsparungspotenzial im Vergleich zu mikrobiologischen Analysen, um eine teilweise Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu ermöglichen.

 

Über das ZWTD

as Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) wird vom Wirtschaftsressort des Landes Steiermark und der Medizinischen Universität Graz errichtet, wird aus Förderungsmitteln des Landes Steiermark und der Europäischen Union (EFRE Mittel) kofinanziert und ist der erste Schritt zum neuen MED CAMPUS Graz. Dieser ist als „neuer Stadtteil für die Gesundheit“ konzipiert und in unmittelbarer Nähe zum LKH Graz angesiedelt. Das ZWT Graz bietet Platz für rund 250 hochqualifizierte Arbeitsplätze. Auf rund 10.000 Quadratmeter Fläche haben Unternehmen die Möglichkeit, Labor- und Forschungseinrichtungen zu mieten beziehungsweise steht Arbeitsplatz für Forschungseinrichtungen, Spin-offs und Unternehmen im Life-Science-Bereich zur Verfügung. Ein geringer Teil der Flächen ist noch verfügbar.

www.zwt-graz.at

MP 01|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-02-26