Postoperative Wundinfektion

Wundinfektion ist meist eine bakterielle Infektion einer Wunde mit den klassischen Zeichen einer lokalen Entzündung; bei phlegmonöser Ausbreitung eventuell Allgemeininfektion (Sepsis) mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Wundinfektionen kommen häufig als Infektionen nach Verletzungen (posttraumatische Wundinfektionen) oder postoperativ im Hospital (postoperative Wundinfektionen) vor. Bei Infektionen wird zwischen endogenen (ca. 90 %) und exogenen (ca. 10 %) Infektionsquellen unterschieden. Exogene Infektionsquellen spielen insbesondere bei „sauberen” Eingriffen und hier bei der Implantation von Fremdkörpern eine wichtige Rolle. Die Lokation sowie die Indikation der Operation erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Wundinfektion. Neben der Virulenz der jeweiligen Erreger beeinflusst auch eine Vielzahl von patienteneigenen Risikofaktoren das Auftreten einer postoperativen Wundinfektion. Hier auch eine gute Nachricht: Waren in Österreich im Jahr 2000 noch 17,6 % der S. aureus-Isolate aus Blutkulturen Methicillin-resistent (=MRSA), so waren es im Jahr 2010 nur mehr 7,5 %.

Zu den endogenen Risikofaktoren zählen:

  • hohes Lebensalter
  • schlechter Ernährungszustand
  • Diabetes mellitus
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Immunsuppression
  • Adipositas
  • konsumierende Erkrankungen

Als exogene patientenassoziierte Risikofaktoren wurden u. a. identifiziert:

  • Alkoholismus
  • Nikotinabusus
  • Kortikosteroid-Einnahme
  • Länge des präoperativen stationären Aufenthaltes

Das „klassische“ klinische Erkennen eines postoperativen Wundinfektes basiert auf Fieber, einem Ödem, Erythem oder einer purulenten Sekretion aus der Operationswunde. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn diese Symptome und Zeichen können auch fehlen. Wenn sie vorhanden sind, kann nicht mit Sicherheit von einer bakteriellen Wundinfektion ausgegangen werden. Darüber hinaus müssen sich tiefe Wundinfektionen nicht unbedingt im Bereich der operativen Inzision manifestieren. In diesen Fällen ist eine mikrobiologische Diagnostik unbedingt erforderlich. Hier schließt sich der Kreis allerdings, denn Keim-Besiedelung (Kolonisation) ist ja nicht gleichbedeutend mit Infektion. Im Labor ist die Unterscheidung zwischen Mikroorganismen, die die Operationswunde kolonisieren und denjenigen, die den Infekt auslösen, oft nicht möglich.

1 Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, Berlin

 

Nachgefragt bei…

… Dr. Sonja Koller, MBA, Vizepräsidentin der Austrian Wound Association, Abteilung für Wundbehandlung am NÖ-Landesklinikum Melk

Welche praxisorientierten Aspekte der postoperativen Wundinfektion sind für Sie besonders wichtig?
Wenn Patienten über Schmerzen klagen, dann muss man sofort reagieren. Die Stimme der Patienten wird in diesem Zusammenhang häufig überhört. Das ist schade, denn meist geben sie recht gut Auskunft darüber, was sich möglicherweise geändert hat. Die Händehygiene muss vom Beginn der OP bis zur Verbandauflage lückenlos eingehalten werden – und natürlich in der post-OP-Phase sowie der Überstellung ins Krankenzimmer.“

Dennoch mutet es seltsam an, wenn zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Erkenntnisse des Ignaz Semmelweis gleichsam neu verinnerlicht werden müssen.
Möglicherweise entstand durch die moderne Technik mit OP-Schleusen und Regulierungen via Standard Operating Procedures ein Gefühl übermäßiger Sicherheit. Definitiv wähnen wir uns ganz offensichtlich zu sicher in Sachen Hygiene. Vor 30 Jahren waren diese Themen wesentlich präsenter.

Wie kann Abhilfe geschaffen werden?
Indem die Vorgaben zur Hygiene lückenlos eingehalten werden, wie etwa das Wischen im Abstand von 2 m um den Patienten oder korrekte Händehygiene vor und nach Patientenkontakt. Es gibt eine Vielzahl von effizienten Maßnahmen, die gesetzt werden kann. Sehr empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene.

Was passiert, wenn es häufig zu Infektionen kommt?
Dann nimmt das Hygieneteam die Spur auf, um die Kontaminationsquelle zu identifizieren. Das kann im ungünstigsten Fall auch nur eine einzige Person im Team sein – ungünstig, weil dann schwer kommunizierbar. Es geht ja nicht darum, eine fehlerfokussierte Hexenjagd anzuzetteln, sondern gemeinsam konstruktiv aus Fehlern zu lernen. Wesentlich sind auch sogenannte Hygienevisiten, bei denen der Hygienebeauftragte der Abteilung bei der Arztvisite mitgeht und die Vorgänge wie Verbandwechsel oder den Umgang mit Patienten auf Verbesserungsmöglichkeiten hin beobachtet.

Wer ist der größte Feind dieser Hygienemaßnahmen?
Möglicherweise ist es die Routine, die letztlich oft zu Betriebsblindheit führt. Wesentlich ist die nachhaltige und dauerhafte Sensibilisierung aller beteiligten Berufsgruppen zur Hygieneproblematik. Da ist es manchmal durchaus erforderlich, traditionelles Denken aufzubrechen und bewusst zu machen, dass dieses Thema nicht eine einzelne Berufsgruppe, sondern alle am Genesungsprozess Beteiligten angeht.

MP 04|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-09-06