Stoma: Datenlage mangelhaft

Paraplegie ist Kongressschwerpunktthema – warum?

Wir haben in Österreich hervorragende Reha-Zentren, die erstklassige Arbeit leisten, und wir haben eine sehr bemühte Akutversorgung, aber keine Informationswege oder Netzwerke, mit denen diese Bereiche verbunden sind. Das ist unsere wichtigste Intention – voneinander zu lernen und uns untereinander auszutauschen.

Welche Patienten fallen in die ­Paraplegieversorgung?

Das ist eine extrem weit gestreute Klientel. Sie reicht von posttraumatischen Patienten über postoperative Versorgung nach Eingriffen im kleinen Becken wie etwa der Prostatachirurgie oder der großen Rektum Chirurgie bis hin zu MS-Patienten sowie vielen nach Strahlentherapie oder Schlaganfall.

Wie viele Menschen in ­Österreich sind betroffen?

Wir versuchen derzeit, uns langsam ein Bild zu machen, das abzuschätzen. Die Unfallbetroffenen werden leicht zu erheben sein, aber dann wird es extrem schwierig. Zahlen haben wir nur seitens der Stuhlinkontinenz, die hier aber genau genommen nicht dazu gehört – das sind fünf bis acht Prozent der Bevölkerung, bei geriatrischen Patienten 30 %. Die Zahlen für Harninkontinenz sind noch höher.

Was sind die Kernpunkte der Versorgung?

Vor allem die genaue und laufende Evaluierung, denn die Situation kann sich immer wieder ändern. Besteht das Problem in der Unmöglichkeit des Stuhlganges oder im unkontrollierten Stuhlabgang? Hier stehen zunächst unterschiedliche Darmentleerungstechniken im Vordergrund – wie die digital unterstützte Spontanentleerung oder rektale Ent­leerungshilfen, dann die Sphinkterdehnung, wenn die Läsion oberhalb des Sakralmarkes liegt, die Irrigation – alle 24 bis 48 Stunden –, schließlich das Stoma.

Wie sieht hier die Kostensituation aus?

Eine sehr interessante Frage, die ich im Detail leider nicht beantworten kann, aber grundsätzlich immerhin, denn es ist errechenbar, dass etwa das Stoma die mit Abstand teuerste Versorgungsvariante ist. Diese Betroffenen benötigen lebenslang Versorgung mit Hilfsmitteln, Stomaschwestern etc.

Kommen alle Betroffenen auch in eine Reha-Klinik?

Nein, zunächst steht ja die Akutversorgung im Vordergrund. Bei Darmproblemen wird versucht, den Stuhlgang zu stabilisieren, sei es durch Laxantien oder rektale Entleerungshilfen. Im Blasenbereich muss rasch deren Entleerung gewährleistet werden, da sich sonst ein Teufelskreis von Überdehnung, Rückstau, Reflux und Infektion bis hin zu rekurrenten Pyelonephritiden eröffnet. Das alles ist verbunden mit dem Problem, dass oft erst nach Monaten beurteilbar ist, welche Schäden oder Defizite im Detail tatsächlich vorliegen.

Also durchaus neue Töne in der Inkontinenzgesellschaft?

Ja, wir versuchen, das Thema Inkontinenz im Rahmen des Generationswechsels, der sich in unserer Fachgesellschaft nun vollzieht, breiter aufzustellen, um mehr Informationsfluss und damit mehr Wissen zu erreichen. Das betrifft die Kollegenschaft ebenso wie die Betroffenen. Nicht zuletzt sollen auch junge Kollegen eine Bühne vorfinden, auf der sie ihr Fachwissen entsprechend präsentieren können. Voneinander zu lernen ist immer wichtig – es erspart im einen oder anderen Fall, das Rad neu erfinden zu müssen. Das soll die Fortbildungs-Bemühungen der REHA-Zentren ergänzen und auch jene einiger engagierter Industrieunternehmen in diesem Versorgungsbereich.

 

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23. JAHRESTAGUNG DER MKÖ

Kontinenz dank neuromuskulärer Harmonie

18. Oktober 2013 10.00 – 18.30 Uhr,
19. Oktober 2013 9.00 – 13.00 Uhr

Ländliches Fortbildungsinstitut (LFI), Oberösterreich, 4021 Linz

Info & Kontakt:
Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich – MKÖ
Tel: +43-1-402 09 28, E-Mail

Interview mit: Prim. Dr. Christoph Kopf

Leiter der Abteilung für Chirurgie am LKH Schärding


MP 04|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-09-06