Standardisierte Patientenübergabe

Das Rote Kreuz Vorarlberg übergibt im Rettungsdienst über 35.000 Patienten jährlich an das Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Diese Übergabe erfordert eine präzise und rasche Weitergabe von Informationen über die Patienten. Um hier mögliche Fehler zu vermeiden, hat das Rote Kreuz gemeinsam mit den Vorarlberger Landeskrankenhäusern die Übergabe von Patienten neu geregelt – in Form der „standardisierten Patientenübergabe“. Dadurch gibt es bei kritischen Übergaben, etwa bei Zeitdruck oder erhöhtem Patientenaufkommen, keine Kommunikationsprobleme mehr.

Kommunikation entscheidet

Zeitdruck, erhöhtes Patientenaufkommen oder Stress im Nachtdienst sind Faktoren, die beim Aufeinandertreffen von Rettungssanitätern und Pflegepersonal zu Kommunikationsproblemen führen können. „Am Einsatzort bekommen unsere Mitarbeiter viele Informationen zum Patienten, zu seinem Umfeld und seiner sozialen Lage. Wenn unsere Mitarbeiter dafür sensibilisiert sind, welche Informationen für die weitere Behandlung, Pflege und spätere Entlassung – neben den medizinisch relevanten Informationen – wichtig sind, dann können sie einerseits bereits gezielt nachfragen und andererseits bei der Übergabe dem Krankenhauspersonal diese Informationen gezielt weiterleiten“, erklärt Dir. Roland Gozzi, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Vorarlberg, die Idee hinter dem Projekt der „standardisierten Patientenübergabe“.
Die richtigen Informationen sind bei jeder Entscheidung ausschlaggebend, so besonders auch, wenn es um die Behandlung von Patienten geht. Deshalb bedeutet eine Standardisierung der Kommunikation zwischen den Sanitätern und den Mitarbeitern der Pflege in doppelter Hinsicht eine enorme Verbesserung: Von den Informationen profitieren einerseits Arzt und Pflege im Krankenhaus für ihre Entscheidung, was zu tun ist – und in weiterer Folge dann auch der Patient selbst, weil im Vorfeld alles Notwendige geklärt worden ist.

Neues Übergabegespräch: „SMS-Briefing“

Andreas Enne, MA, Leiter des Rotkreuz-Bildungscenters und Projektleiter, trat an die Krankenhäuser des Landes mit der Idee heran, die Patientenübergabe zu standardisieren. Das Projektteam, bestehend aus Mitarbeitern des Roten Kreuzes und Pflegern der Landeskrankenhäuser, erarbeitete aus den Umfrageergebnissen das sogenannte „SMS-Briefing“, bei dem die Standard-Informationen mündlich ausgetauscht werden: Wie war die Situation vor Ort – bezüglich Unfallhergang, Erstbefund und Symptomen? Welche Maßnahmen wurden gesetzt und hat sich während des Transports etwas verändert? Ein wichtiger Punkt im SMS-Briefing ist außerdem die Sozialanamnese: Gibt es eine Bezugsperson? Wer ist informiert? Wer kommt ins Krankenhaus oder ist bereits jemand dort? Zusätzlich zur mündlichen Patientenübergabe gibt es weiterhin ein schriftliches Einsatzprotokoll des Roten Kreuzes, das an die Ambulanzen im Krankenhaus übergeben wird. Unterstützt wird dieses neue Übergabegespräch durch hilfreiche Info-Karten mit entsprechenden Fragen. „Ziel ist es, dass jene Pflegekräfte, welche die Patienten übernehmen, die notwendigen Informationen erfahren – und nur das Wesentliche und Wichtigste weitergegeben wird“, erklärt Elke Kovatsch, MSc, Bereichsleiterin Pflege LKH Rankweil und Projektpartnerin der ersten Stunde seitens der LKH.
„In der Ambulanz für Erstversorgung am LKH Bregenz läuft die standardisierte Patientenübergabe bereits seit Anfang letzten Jahres als Testphase. Der neue Übergabeprozess wurde im Herbst in allen Landeskrankenhäusern sowie im Krankenhaus Dornbirn ausgerollt“, gibt Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführung der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Einblick. In den Krankenhäusern erfolgt die Fortbildung zum neuen Übergabegespräch in Form von Teammeetings, beim Roten Kreuz wird ebenfalls intern geschult.

 

 

MP 01|2018

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2018-02-21