48th EASD Annual Meeting, Berlin 2012: Mehr Optionen für die individualisierte Therapie

KOMMENTAR: Diabetes, antidiabetische Therapie und Krebs: Das Thema bleibt hoch aktuell

Die Frage, inwieweit Diabetes und antidiabetische Therapien das Krebsrisiko beeinflussen, war natürlich auch in diesem Jahr bei der Tagung der EASD in Berlin von hohem Interesse.

In einer eigenen Hauptsitzung („Diabetes and cancer symposium: making sense of the data“) wurde vor allem versucht, die komplexen Probleme epidemiologischer Studien grundsätzlich aufzuarbeiten. Viele mögliche Fallstricke, wie etwa die Tatsache, dass neu diagnostizierte Diabetiker genauer untersucht werden und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Karzinom gefunden wird, ansteigt, können nur unzureichend berücksichtigt werden.

Nachdem die Publikation der ORIGIN-Studie (ORIGIN Trial Investigators, New Engl J Med 2012) heuer im Frühsommer mit einer großen Patientenzahl in einer randomisierten, kontrollierten Studie ein beruhigendes Signal für die frühe Insulintherapie im Allgemeinen und Insulin glargin im Speziellen lieferte, wurde in Berlin eine weitere Untersuchung vorgestellt, die ein neutrales Licht auf Insuline und auch wiederum auf Glargin wirft: In der International Study of Insulin and Cancer (ISCA) hat ein internationales Konsortium (Frankreich, Kanada und Großbritannien) den Zusammenhang zwischen Insulintherapie und Brustkrebs untersucht. In dieser Studie wurde für Typ-2-Diabetikerinnen zwar generell festgestellt, dass mit zunehmender Diabetesdauer das Brustkrebsrisiko steigt, allerdings konnte weder für die Insulintherapie im Allgemeinen noch für einzelne Insuline ein erhöhtes Risiko beobachtet werden.

Neue klinische Daten für Pioglitazon (Vallarino et al., Abstr. 704-P) deuten neuerlich auf eine insgesamt reduzierte Tumorinzidenz unter dieser Therapie hin. Eine Reihe experimenteller Studien lieferte weitere Informationen über die zellulären Mechanismen der Metformin-Wirkung auf die Genese von Tumoren.

Insgesamt bleibt dieses Thema nach wie vor hochaktuell und mit weiteren interessanten Studien darf in den nächsten Jahren gerechnet werden.

Kommentar von: Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher

1. Medizinische Abteilung, Hanusch-Krankenhaus, Wien


DF 05|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Österreichische Diabetes Gesellschaft
Publikationsdatum: 2012-11-13