Einleitung

Schauplatz der heurigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) ist das neu geschaffene Kultur- und Kongresszentrum in Eisenstadt.
In unserem Heftschwerpunkt zur diesjährigen Tagung haben uns einige der Vortragenden freundlicherweise wieder Zusammenfassungen ihrer Referate im Sinne eines repräsentativen Querschnitts aus dem umfassenden Themenspektrum zur Verfügung gestellt. Einleitend ein Kurzinterview mit dem Präsidenten der OEGGG, Univ.-Prof. Dr. Uwe Lang.

Herr Professor Lang, welche Themen prägen aktuell die Frauenheilkunde?

Univ.-Prof. Dr. Uwe Lang: Es gibt derzeit einige interessante und wichtige Entwicklungen in unserem Fachgebiet: im Bereich der Geburtshilfe etwa die nicht-invasive Pränataldiagnostik, die gerade in den letzten zwei Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt und für das Fach langfristige Änderungen bringen wird. In der Gynäkologie ist es das Zervixkarzinom-Screening, bei dem mit der Einbeziehung des HPV-Nachweises einiges merkbar in Fluss kommt – in den USA ist jüngst durch die FDA der erste HPV-Test für den Primärscreening-Einsatz zugelassen worden. Auf klinischer Ebene ist das Mammografiescreening-Programm in Diskussion. Nicht zuletzt auch auf Betreiben unserer Fachgesellschaft sind nun essenzielle Verbesserungen in der Art der Durchführung zugesagt worden. Wie diese wirken, wird sich zeigen. Es ist zu hoffen, dass sich mit der damit deutlich erniedrigten Zugangsschwelle auch die Akzeptanz in der Zielgruppe bald steigern lassen wird.
Auch in der Fortpflanzungsmedizin ist vieles im Fluss: sowohl fachinhaltlich als auch im gesetzgeberischen Bereich, in dem sich einiges bewegen sollte und wohl auch wird – etwa wer adoptieren darf oder wer zur IVF zugelassen wird. Eine gesetzliche Neuregelung der Präimplantationsdiagnostik ist in mancher Hinsicht sinnvoll – man kann den Frauen nicht auf Dauer zumuten, bei bekannten familiären Risiken eine Schwangerschaft auf Probe auszutragen und sich dann als Konsequenz der später erfolgenden Pränataldiagnostik ggf. einem Abbruch zu unterziehen. Das alles sind medizinethisch keine einfachen Dinge, aber ich habe den Eindruck, dass sich hier auch im gesellschaftlichen Konsens etwas ändert.

Ein prominenter Punkt im Tagungs­programm ist das neue österreichische ­Geburtenregister.

Es wird eine Hauptsitzung dazu geben. Ich halte das von Seiten der klinischen Geburtshilfe selbst initiierte österreichische Geburtenregister für eine sehr effiziente Maßnahme, um Vergleichsdaten zu erhalten, aus denen Empfehlungen und Handlungsanweisen abgeleitet werden können. Interessantes Beispiel ist etwa, dass mit dem dokumentierbaren Rückgang der Episiotomierate ein schöner Nachweis erbracht wurde, dass wissenschaftlich fundierte Fortbildungsmaßnahmen Früchte tragen. Auch die für Österreich korrekte Rate an Frühgeburtlichkeit hat sich im Prinzip aus diesem Geburtenregister ergeben: Wir liegen aufgrund dieser Daten in der Realität genau da, wo auch vergleichbare Länder wie Deutschland oder die Schweiz liegen, und sind nicht der unrühmliche Spitzenreiter in Europa, als der wir zuvor mit einer deutlich zu hohen Rate zitiert wurden.

Welche Aufgabenstellungen sehen Sie als Präsident für die Fachgesellschaft als prioritär an?

Die Fachgesellschaft muss die genannten Entwicklungen natürlich im Auge behalten und muss sie auch zum Teil vermittelnd, zum Teil gestaltend, im Interesse unserer Patientinnen begleiten. Als wichtiger Fokus unserer zukünftigen Anstrengungen ist die Ausbildungsordnung hervorzuheben. Es gibt Entwürfe zur neu zu gestaltenden Facharztausbildung und zum Thema der ärztlichen Arbeitszeit. Wie bereits in der Vergangenheit wird sich unsere Fachgesellschaft auch zukünftig mit verschiedenen Aspekten in die Diskussion einbringen.

Vielen Dank für das Gespräch!