GYN-AKTIV KOMPAKT 2019 Nachlese

Neue S3-Leitlinie zur menopausalen ­Hormonersatztherapie

Die neue S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Therapie“ beinhaltet Handlungsanweisungen und Empfehlungen für die Hormonersatztherapie (HRT) zur Behandlung klimakterischer Beschwerden, die von etwa 50 % der perimenopausalen und 30–80 % der postmenopausalen Frauen angegeben werden.

Eine HRT mit Östrogenen (ET) oder Östrogenen und Gestagenen (EPT) wird als symptomatische Therapie zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden mit klinisch relevanter Beeinträchtigung der Lebensqualität eingesetzt. Alternativ können auch Isoflavone, Cimicifuga-Präparate, Serotonin- Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Clonidin, Gabapentin oder kognitive Verhaltenstherapie angewendet werden. In der Präsentation wurden die Effektivität sowie die Sicherheit, Nebenwirkungen und systemischen Wirkungen dieser unterschiedlichen Therapieformen entsprechend den Vorgaben der S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Therapie“ dargestellt.

Take-Home-Messages:

  • Frauen mit vasomotorischen Beschwerden soll eine HRT angeboten werden, nachdem sie über die kurzfristigen und langfristigen Nutzen und Risiken informiert wurden.
  • Kognitive Verhaltenstherapie, Isoflavone und Cimicifuga-Präparate können bei vasomotorischen Symptomen angewendet werden.
  • Eine vaginale ET kann eine Harninkontinenz bei postmenopausalen Frauen verbessern.
  • Eine systemische HRT kann eine vorhandene Harninkontinenz verschlechtern. Eine vaginale ET kann bei überaktiver Blase angeboten werden.
  • Bei rezidivierenden Zystitiden postmenopausaler Frauen sollte vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprävention eine vaginale ET durchgeführt werden.
  • Frauen sollen darüber informiert werden, dass das Thromboembolierisiko unter oraler ET und EPT erhöht ist und höher ist als bei transdermaler Applikation.
  • Frauen sollen darüber informiert werden, dass eine EPT das kardiovaskuläre Risiko nicht oder nur geringfügig erhöht bzw. eine ET das kardiovaskuläre Risiko nicht erhöht oder verringert.
  • Eine HRT führt zu einer signifikanten Erniedrigung für das Risiko für Osteoporose-assoziierter Frakturen.
  • Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz sollen über die Wichtigkeit einer hormonellen Behandlung mit einer HRT oder kombinierten oralen Kontrazeptiva zumindest bis zum natürlichen Menopausenalter aufgeklärt werden.

 

Literatur beim Verfasser

AutorIn: Prof. Dr. med. Clemens Tempfer, MBA

Klinikdirektor der ­ Universitäts-Frauen­klinik der Ruhr-­Universität Bochum, Marien Hospital Herne, Deutschland


GA 06|2019

Herausgeber: em. o. Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Wien
Publikationsdatum: 2019-12-04