„Die Digitalisierung eröffnet uns die Möglichkeit, Chancengleichheit für alle Geschlechter im Gesundheitswesen zu erreichen. Diese Gelegenheit sollten wir gerade jetzt nutzen, wenn derzeit zum Beispiel die Frage diskutiert wird, wie künstliche Intelligenz künftig in Österreichs Gesundheitswesen eingesetzt wird“, betont Präsidentin Dr.in Irene Fialka, Mitgründerin von Women in Health IT und langjährige Geschäftsführerin von INiTS und dem Health Hub Vienna. „Wenn wir diesbezüglich jetzt nicht aktiv sind, wird die KI mit verzerrten Datensätzen voller Gender-Bias trainiert und Ungleichheit einzementiert statt aufgebrochen!“ Im gemeinnützigen Verein Women in Health IT – kurz w-HIT – sind daher alle willkommen, die im Bereich Health IT daran mitwirken wollen, den Gender Health Gap zu schließen – Frauen wie Männer (w/m/d).
Die Ziele des Vereins sind klar: „Wir wollen sicherstellen, dass Frauen auf allen Ebenen der Entwicklung von Gesundheitsinnovationen mitwirken und gleichbehandelt werden“, so Fialka. Dafür braucht es die Integration und das Mitspracherecht von Frauen bei allen wichtigen Entscheidungsprozessen in der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Österreich und auch international, ist sie überzeugt. „Um dies zu erreichen, versuchen wir beispielsweise Expertinnen zu den verschiedenen Themen sichtbar zu machen. Noch viel zu oft sitzen nur Männer bei Veranstaltungen am Podium, gerade im Digital-Health-Bereich. Hier unterstützen wir zum Beispiel auch gerne bei der Vermittlung von Speakerinnen“, so Fialka weiter. Zudem organisiert der Verein auch selbst Events und informiert beispielsweise über den Status aktueller E-Health-Projekte wie den European Health Data Space.
Auch Bewusstseinsarbeit ist noch immer ein Thema: „Dass Frauen bei einem Herzinfarkt andere Symptome haben, ist zwar schon länger bekannt, aber noch immer wird ein Herzinfarkt bei Frauen oft später, ja, sogar zu spät erkannt: Frauen kommen mit einem Herzinfarkt, bei dem zu Beginn jede Minute zählt, im Schnitt erst zwei Stunden später als Männer in die Notaufnahme. Und es gibt noch weitere Erkrankungen mit genderspezifischen Unterschieden. Von einigen wissen wir es vermutlich noch gar nicht“, erklärt sie und weist auf die gravierenden Auswirkungen der derzeitigen Situation hin: „Wir verlieren Frauen an Krankheiten, da diese zu spät diagnostiziert werden und die Betroffenen dadurch schlechtere Chancen haben. Das bedeutet manchmal Krankenstände und/oder eine Verringerung der Lebensqualität, manchmal sogar den Tod.“
Ihrer Ansicht nach hat dies nicht nur gravierende gesellschaftliche Konsequenzen, sondern stellt auch ein wirtschaftliches Problem dar, da diese Frauen beispielsweise im Erwerbsleben fehlen. Daher betont sie: „Solange genderspezifische Unterschiede und die Bedürfnisse von Frauen nicht bei jeder Therapieentwicklung mitgedacht werden, behandeln wir die Hälfte der Bevölkerung nicht gut genug!“ Die Konsequenz daraus ist für Fialka klar: „Wir brauchen die Einbindung von Frauen bei allen Entwicklungen von Innovationen, und zwar auf allen Entscheidungsebenen. Zudem sollte uns allen klar sein, dass Gendergerechtigkeit kein Frauenthema ist! Auch die Männer sind gefragt – und herzlich eingeladen, mitzuwirken. Es geht um eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung für uns alle!“