KI als Innovationsmotor

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) spielt seit rund drei Jahren eine wesentliche Rolle bei Sanofi, berichtet Markus Isenmann, seit 1. Jänner 2026 neuer Geschäftsführer für Österreich und die Schweiz: „Sanofi definiert sich seither klar als wissenschaftsgetriebenes, KI-gestütztes Biopharma-Unternehmen. KI kommt daher nicht nur im täglichen Berufsalltag unserer Mitarbeitenden zum Einsatz – beispielsweise haben wir eine firmeninterne Variante von ‚ChatGPT‘ –, sondern KI-Tools werden auch in der Forschung und Produktion gezielt eingesetzt.“ Generell beruht die Unternehmensphilosophie auf vier wesentlichen Aspekten: Beschleunigung von Innovation, profitables Wachstum, KI und digitale Transformation sowie Nachhaltigkeit/gesellschaftliche Verantwortung. So achtet das Unternehmen beispielsweise auch bei seinem eigenen Handeln auf Umweltfreundlichkeit – hierzulande z.B. mit einem weitgehend papierlosen Office. Dass Frauen in Führungspositionen unterstützt werden, ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Firmenphilosophie; einen „Gender-Pay-Gap“ gibt es bei Sanofi Österreich nicht mehr.

First or Best

Sanofi sieht es als seine Mission, die Wunder der Wissenschaft zu erforschen, damit die Menschen ihre Träume leben können. Dabei fokussiert sich das Unternehmen in seiner Forschung auf drei Therapiegebiete: Immunologie, Impfstoffe sowie seltene Erkrankungen. Hier will das Unternehmen durch innovative Therapien wesentliche Verbesserungen in der Patientenversorgung erzielen. Der Einsatz von KI soll die Innovationsleistungen der Forschung zusätzlich ankurbeln und zudem schnellere und detailliertere Prozesse ermöglichen, um das Ziel zu erreichen, mit seinen Therapien entweder die Ersten oder die Besten zu sein. „Das heißt, wir ­konzentrieren uns entweder auf Therapiegebiete, in denen es noch keine innovative therapeutische Lösung gibt, z.B. auch Indikationen, in denen vor 10, 15 Jahren die letzte Neuerung auf den Markt gekommen ist. Oder wir entwickeln neuartige Wirkungsansätze für eindeutig bessere Lösungen als das, was es aktuell gibt“, erklärt Isenmann.

Das Potenzial von KI ausschöpfen

Gerade im Hinblick auf personalisierte Medizin sieht Isenmann viel Potenzial in KI-unterstützter Forschung, denn „die KI verarbeitet riesige Datenmengen, mehr als ein Mensch je könnte. Künftig lässt sich beispielsweise vorhersagen, wie ein Medikament individuell bei jemandem wirkt, bevor die Behandlung beginnt – eine neue Ära der personalisierten Medizin!“
Auch in der Produktion setzt Sanofi gezielt KI ein. Hierzu gibt es in Lyon in Frankreich ein eigenes Innovationszentrum. „Durch virtuelle Simulationen können die Produktionsprozesse vereinfacht, verschnellert und qualitativ verbessert werden“, fasst Isenmann das Potenzial von KI-Tools zusammen. „Auch die Echtzeitüberwachung durch Sensoren bei einer Produktionsstätte übertrifft das, was ein Mensch leisten könnte, bei Weitem. Kurz: Durch den Einsatz von KI können wir in kürzerer Zeit mehr produzieren und erhalten eine widerstandsfähigere Lieferkette – alles Faktoren, die am Ende den Patientinnen und Patienten zugutekommen“, betont er.

Forschungserfolge der letzten Jahre

Dass die Strategie „First or Best“ bei Sanofi aufgeht, zeigen einige Meilensteine der letzten Jahre. „Wir haben z.B. mit Dupixent 2024 eine Zulassungserweiterung für COPD in der EU erhalten – auch wenn diese leider nach zwei Jahren noch immer nicht im Erstattungskodex in Österreich enthalten ist“, so Isenmann. Im Dezember 2025 erhielt Wayrilz die Zulassung in den USA und in der EU zur Behandlung von persistierender oder chronischer Immunthrombozytopenie (ITP) bei Erwachsenen. Als erster BTK-Inhibitor für ITP bietet diese Therapie eine zielgerichtete Behandlung für Patient:innen, die auf vorherige Therapien nicht ausreichend angesprochen haben. Im Jänner 2026 erfolgte die Zulassung für Teizeild, das die Ausbreitung von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Erwachsenen im besten Fall verhindern kann. Eine weitere Zulassung gab es ebenfalls heuer für Rezurock, das zur Behandlung der chronischen Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zum Einsatz kommt, wenn vorherige Therapien versagt haben.

Mehrere potenzielle Blockbuster

Aktuell befinden sich bei Sanofi 80 Projekte weltweit in klinischer Entwicklung. 28 Wirkstoffe sind derzeit in Phase-III-Studien, 6 in der Zulassungsphase. „Mehrere Wirkstoffe sind nach jetzigem Ermessen potenzielle Blockbuster-Kandidaten. Auch wenn es vermutlich nicht alle bis zum Markteintritt schaffen werden, rücken wir unserem Ziel ein gutes Stück näher, bis 2030 die führende Immunologie-Company zu werden“, ist Isenmann überzeugt. Bereits jetzt hat Sanofi mit Dupixent das größte Immunologie-Produkt weltweit nach Umsatz und Patient:innen. „Die nächste Generation, Wirkstoffname Amlitelimab, wird in Europa vermutlich 2028 zugelassen werden. Die Substanz zeigt bei Neurodermitis vielversprechende Ergebnisse“, so Isenmann weiter. Mehr Informationen dazu im Kasten.

Verzögerter Zugang zu Innovationen

Beim Zugang zu Medikamenten in Österreich wünscht sich Isenmann ein Umdenken: „16% der innovativen Medikamente, die in Österreich eigentlich zugelassen sind, stehen den Patientinnen und Patienten hierzulande nicht zur Verfügung – weil sie nicht erstattet werden“, kritisiert er. Und auch bei den erstattungsfähigen Medikamenten ortet Isenmann kein innovationsfreundliches Verhalten: „Von den erstattungsfähigen Medikamenten sind nur 58% in der Regelversorgung – bei 42% braucht es eine chef- und kontrollärztliche Einzelfallbewilligung. Doch selbst dann sind nicht immer alle möglichen Indikationen abgedeckt.“

Innovationshemmnisse im österreichischen Gesundheitswesen

Die Pluspunkte des österreichischen Gesundheitswesens sind für Isenmann die elektronische Gesundheitsakte ELGA sowie das e-Rezept, exzellente medizinische Hochschulen und eine gute Forschungsin­frastruktur. „Dem Vorteil der guten Forschungsinfrastruktur, das muss ich allerdings dazusagen, steht leider auch hierzulande die herrschende Bürokratie im Weg. Denn keine Firma unterstützt Forschung in einem Land, in dem man die Zeit, die man beispielsweise durch den Einsatz von KI gewinnt, durch Bürokratie wieder verliert!“

Ein weiterer Nachteil besteht für Isenmann darin, dass Innovation in Österreich seiner Meinung nach zu wenig wertgeschätzt wird: „Die Preise für Innovationen sinken in Österreich seit 1996 kontinuierlich, wenn ich mir das inflationsbereinigt anschaue. Der geopolitische Druck auf die Medikamentenpreise nimmt aber zu – das wird zu Schwierigkeiten führen. Wenn es nicht zu einem Umdenken hinsichtlich der Preisgestaltung kommt, riskieren wir am Ende des Tages die Patientenversorgung in Österreich!“ Dies hätte dramatische Folgen, denn bereits jetzt ist laut Isenmann die „Time to Patient“, also die Zeit, bis ein zugelassenes Medikament für Patient:innen verfügbar ist, in Österreich zu lang.