Seit Dezember 2025 ist Mag. Markus Wenninger Geschäftsführer von CSL in Österreich. „2025 wurden im globalen Rahmen CSL Behring und CSL VIFOR zu CSL zusammengeführt, wodurch das Plasma- und Pharma-Portfolio in einer global agierenden Einheit vereint wurden. Daher gibt es in Österreich statt CSL Behring und CSL VIFOR nun CSL als Dach für den Vertrieb der CSL-Arzneimittel“, erklärt er.
CSL ist ein australischer Konzern, der auf 3 Säulen aufgestellt ist:
1. CSL: Herstellung und Vertrieb von Plasmaprodukten sowie gentechnologisch hergestellten Arzneimitteln für die Behandlung von seltenen Erkrankungen und im Bereich Critical Care, weiters Arzneimittel für die Bereiche Eisenmangel sowie nephrologische und kardiovaskuläre Erkrankungen;
2. CSL Seqirus: Herstellung und Vertrieb von Influenza- Impfstoffen;
3. CSL Plasma: Betreiber von Plasma-Sammelstationen liefern jenen Rohstoff, der in der Folge zu den CSL-Plasma-Produkten verarbeitet wird.
„Unser Ziel ist es, komplementäre wissenschaftliche, technologische und therapeutische Kompetenzen zu bündeln. Durch diese breite medizinische Reichweite können wir Innovationen effizienter vorantreiben, um Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen“, erläutert Wenninger. Dabei will CSL besonders im Plasma-Bereich, im Gentherapie-Bereich sowie in der Versorgung von Rare Diseases innovative Therapien hervorbringen. „Wir arbeiten stetig daran, neue Methoden zu entwickeln und neue Wege der Patientenversorgung zu finden. Eine wichtige Grundlage unserer Strategie ist die Frage: ‚Wie machen wir das Beste aus dem Rohstoff Plasma?‘“, beschreibt Wenninger den Antrieb des Unternehmens.
Als größten Erfolg des Unternehmens sieht Wenninger die konstante Weiterentwicklung von plasmabezogenen Innovationen: „Einen besonderen Meilenstein haben wir beispielsweise in der Hämophilie mit unserer neuartigen Gentherapie erreicht. Diese Behandlung der Hämophilie B, die im April 2025 in Österreich zum ersten Mal eingesetzt wurde, ist für Betroffene lebensverändernd!“ Die erste Gentherapie kommt zur Behandlung von schwerer und mittelschwerer Hämophilie B (angeborener Faktor-IX-Mangel) bei Erwachsenen ohne Faktor-IX-Inhibitoren zum Einsatz. Mit nur einer Infusion wird ein funktionelles Gen verabreicht, das sozusagen den Bauplan für den Gerinnungsfaktor IX, ein für die Blutgerinnung wichtiges Protein, liefert.
Zudem kann CSL auch im Bereich Rare Diseases auf einige große therapeutische Erfolge mit neuen Produkten zurückblicken, z.B. im Bereich Lungenerkrankungen, Hämophilie und nephrologische Erkrankungen. Als weiteren Meilenstein nennt Wenninger die Eisentherapie. „Erst rund ein Drittel aller Patientinnen und Patienten, die eigentlich eine Eisentherapie brauchen würden, wird tatsächlich behandelt. Dieser großen Unterbehandlung versuchen wir durch unsere Therapien, aber auch durch Bewusstseinsbildung entgegenzuwirken, und haben bereits sehr viel erreicht.“
Auch in Zukunft will sich CSL unter anderem für die Verbesserung der Immunglobulin-Therapien einsetzen, um so Menschen mit primärem oder sekundärem Immundefizit durch Erweiterungen des Produktportfolios sowie Indikationserweiterungen eine schnellere Diagnostik und verbesserte Therapieoptionen zur Verfügung stellen zu können. „Zudem wollen wir uns weiter auf die Nephrologie und die Kardiologie sowie die seltenen Erkrankungen fokussieren. Die Aufklärung im Bereich Eisenmangel wird ebenfalls weitergeführt werden“, so Wenninger.
Das Finanzierungsmodell des österreichischen Gesundheitswesens mit zwei „Finanzierungstöpfen“ – einer für den Krankenhaus- und einer für den niedergelassenen Bereich – sieht Wenninger kritisch: „Wie passt da die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit den Kapazitäten und der Finanzierung zusammen? Wie ist der Zugang von Patientinnen und Patienten zu innovativen Therapien, auch hinsichtlich der Schnelligkeit des Zugangs?“
Seiner Erfahrung nach wird es Unternehmen in Österreich durch das herrschende Erstattungssystem teilweise sehr schwer gemacht, bestimmte Medikamente überhaupt noch zu vertreiben, da die Preise stark gedrückt werden: „Das führt dazu, dass Konzerne teilweise schon jetzt überlegen müssen, ob ein Arzneimittel in Österreich auf den Markt gebracht werden kann.“ Hier wünscht sich Wenninger mehr Einsicht der verantwortlichen Proponenten im Gesundheitssystem hinsichtlich der Tatsache, dass Innovation nun mal auch etwas kostet. „Ich bin davon überzeugt, dass der medizinische und gesellschaftliche Mehrwert von Innovationen stärker und systematischer berücksichtigt werden muss, damit Therapien modernisiert werden können, und auch Basis-Arzneimittel weiterhin verlässlich zur Verfügung stehen müssen. Wichtig ist auch eine Stärkung des Produktionsstandorts Österreich“, betont er.
Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen ist Wenninger überzeugt, dass ein Vorantreiben der Digitalisierung von großer Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang plädiert er für eine „datenteilfreundlichere“ Gesetzesstruktur, denn: „Wir brauchen beispielsweise eine verbesserte Generierung von Real-World-Daten für die Pharmaindustrie, um die Therapien verbessern zu können. Je mehr Daten generiert und geteilt werden, desto besser kann Innovation voranschreiten – und desto besser können Patientinnen und Patienten behandelt werden“, unterstreicht er und wünscht sich diesbezüglich „mehr Planbarkeit, mehr Transparenz für alle beteiligten Stakeholder, eine klare Entscheidungsstruktur in der Gesundheitspolitik und mehr Dynamik in der Umsetzung, abseits von gesundheitsföderalistischen Barrieren“.
Wenninger sieht aktuell sowie in den kommenden Jahren mehrere „Parallelherausforderungen“, die gleichzeitig auf die Gesundheitssysteme und die Pharmafirmen zukommen. Dazu gehören für ihn unter anderem der Kostendruck, die regulatorische Komplexität sowie die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten: „Die Gesundheitspolitik in den USA beispielsweise beeinflusst die Arzneimittelpreise in Europa, und wie es diesbezüglich weitergeht, ist nicht abschätzbar.“
Auch der technologische Wandel ist für Wenninger eine Herausforderung, die viele Fragen aufwirft: „Wie integriere ich künstliche Intelligenz in die Gesundheitssysteme – lokal, aber auch global – sowie in die Erforschung, Herstellung und Zulassung von Arzneimitteln? Welche Prozesse kann ich dadurch beschleunigen?“ Wenninger sieht die Konzerne in diesem Zusammenhang in der Pflicht, noch mehr in Wissenschaft, Digitalisierung und auch in Partnerschaften zu investieren: „Wir bei CSL sind dazu gerne bereit. Aber dafür brauchen wir und die anderen Unternehmen Planbarkeit durch ein zuverlässiges und konstantes Gesundheitssystem.“ Dazu gehört für ihn auch, dass Pharmaunternehmen als Partner angesehen werden und ein offenerer Dialog zwischen allen beteiligten Stakeholdern geführt wird: „Die Pharmaindustrie ist ein wichtiger Partner im Gesundheitswesen und kann sehr viel beitragen, nicht nur durch Entwicklung und Produktion von innovativen und altbewährten Medikamenten, sondern auch im Sinne von struktureller und diagnostischer Unterstützung.“