Taktgeber der digitalen Gesundheitsreform

Alexander Degelsegger soll fachlich-versorgerische und technische Perspektiven „zusammendenken“.; © Jana Madzigon

Als Leiter der neu geschaffenen Sektion X im Gesundheitsministerium wird Ale­xander Degelsegger künftig die Steuerung des Gesundheitssystems maßgeblich mitprägen – insbesondere dort, wo Digitalisierung, Daten und Reformpolitik zusammenlaufen. Dass diese Sektion überhaupt eingerichtet wurde, ist bereits eine Aussage für sich. Sie steht für eine klare politische Schwerpunktsetzung: Die Zukunft des Gesundheitssystems soll stärker datenbasiert, vernetzt und strategisch gesteuert werden. In diesem Gefüge übernimmt Degelsegger eine Schlüsselrolle – nicht als klassischer Verwalter, sondern als jemand, der Systeme denkt und weiterentwickelt. Die neue Sektion X ist kein „Routineposten“, sondern strategisch wichtig: Erstmals werden Digitalisierung und Systemsteuerung in einer eigenen Sektion gebündelt.

Digitalisierung als Werkzeug

Sein Zugang ist dabei klar: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist ein Werkzeug, um Versorgung besser, effizienter und gerechter zu machen.“ Dieser Satz beschreibt, was sich durch seine bisherige Laufbahn zieht. Geboren aus der Verbindung von Wissenschaft, Politikberatung und internationaler Vernetzung, ist Degelseggers Karriere alles andere als geradlinig im klassischen Sinn. Er studierte Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung in Wien und Granada und promovierte am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Wien unter den Augen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sub auspiciis zur Frage wissenschaftlicher Kollaborationsformen im Bereich der synthetischen Biologie. Ein Thema, das bereits seine Beschäftigung mit komplexen Systemen und deren Steuerung erkennen lässt.

Sozial- und Gesundheitsministerin Korinna Schumann holt Alexander Degelsegger als Leiter der neuen Sektion X – Gesundheitssystem und Digitalisierung.; © BMASGPK

Parallel arbeitete er in der außeruniversitären Forschung und Politikberatung, unter anderem am Zentrum für Soziale Innovation. Dort leitete er den Bereich „Forschungspolitik und Entwicklung“ – eine Funktion, in der er sich intensiv mit der Frage auseinandersetzte, wie Wissen in politische Entscheidungen übersetzt werden kann. Seit 2019 bringt Degelsegger diese Perspektive in die Gesundheit Österreich GmbH ein. Zunächst verantwortete er den Bereich „Digitale Gesundheit und Innovation“, ab Jänner 2025 leitete er die Abteilung „Digitalisierung und Dateninfrastrukturen“. In dieser Rolle bereitete er unter anderem als Mitglied im Steering Board der europäischen Community of Practice die Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums EHDS vor und arbeitete an Governance-Strukturen für die Nutzung von Gesundheitsdaten mit. Parallel dazu ist er in zahlreichen nationalen und internationalen Netzwerken aktiv, lehrt und publiziert zu Fragen der Rolle von Daten im Bereich Public Health. Dabei ist für auch die Internationalisierung zentral: „Wir müssen weg von Insellösungen hin zu einem System, das vernetzt denkt – national und europäisch“, so Degelsegger.

Gesundheitsdaten als Steuerungselement

Was ihn dabei auszeichnet, ist ein Verständnis von Gesundheitsdaten, das über technische Aspekte hinausgeht. „Gesundheitsdaten sind eine zentrale Grundlage für bessere Entscheidungen – in der Versorgung ebenso wie in der Politik“, betont er. Daten sind für ihn kein Nebenprodukt, sondern ein aktives Steuerungsinstrument. „Gesundheitsdaten sind kein Nebenprodukt der Versorgung – sie sind eine zentrale Ressource für ihre Weiterentwicklung.“ Mit seinem Wechsel ins Ministerium verschiebt sich nun seine Arbeit. Was zuvor konzeptionell vorbereitet und wissenschaftlich begleitet wurde, soll nun in großem Maßstab umgesetzt werden. Die neue Sektion, die er leitet, bündelt genau jene Themen, die in den kommenden Jahren über den Erfolg der Gesundheitsreform entscheiden dürften: die strategische Weiterentwicklung des Systems, die digitale Transformation und die Einbettung in europäische Initiativen. So klar die strategische Ausrichtung ist, so groß sind auch die Herausforderungen. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt als komplex, oft mühsam und nicht selten als zusätzliche Belastung im Berufsalltag. Degelsegger ist sich dieser Spannungsfelder bewusst: „Digitalisierung wird nur dann akzeptiert werden, wenn sie den Arbeitsalltag tatsächlich verbessert, nicht verkompliziert.“

Praktische Umsetzung einer ­systemischen Reform

Damit steht er vor einer der zentralen He­rausforderungen der kommenden Jahre: den Spagat zwischen systemischer Reform und praktischer Umsetzbarkeit zu bewältigen. Denn so groß die Erwartungen an datenbasierte Steuerung und digitale Lösungen sind, so entscheidend ist ihre Akzeptanz in der täglichen Versorgung. Alexander Degelsegger bringt dafür eine Kombination mit, die in dieser Form selten ist: wissenschaftliche Tiefe, Erfahrung in der Politikberatung und ein ausgeprägtes Verständnis für internationale Entwicklungen. Die Richtung, in die sich das österreichische Gesundheitssystem entwickelt, gibt er so vor: „Ein lernendes Gesundheitssystem nutzt seine Daten, um besser zu werden – kontinuierlich und im Inte­resse der Patientinnen und Patienten.“ Ein modernes Gesundheitssystem erkenne man nicht nur an seiner Versorgung, sondern daran, wie gut es aus seinen eigenen Daten lernt, ist Degelsegger überzeugt.