Generika: Gefahr von Lieferengpässen Generika: Gefahr von Lieferengpässen

Der Fokus von Stada liegt klar auf dem Bereich Generika und Consumer Healthcare, zu Letzterem gehören OTC-Arzneimittel, aber auch Kosmetika wie Ladival® sowie Nahrungsergänzungsmittel wie DAOsin®. Gefragt nach der Firmenphilosophie, zitiert Spatz den Konzern-CEO Peter Goldschmidt: „Stada ist der Go-to-Partner für Consumer Healthcare und Generika.“ In Österreich gibt es zudem eine Besonderheit, da das sehr starke Spezialprodukt APO-go® (Apomorphin) von Stada zur Behandlung von On-off-Phasen bei Parkinson-Patienten einen erheblichen Anteil im verschreibungspflichtigen Geschäft einnimmt.

Let Stada shine again!

Spatz’ Motto für die kommenden Jahre lautet: „Stada muss wieder glänzen!“ Dafür hat er das Unternehmen in den ersten 100 Tagen seiner Geschäftsführung reorganisiert. Eine Folge der Umstrukturierung: Das Unternehmen ist jetzt klar in zwei Geschäftsbereiche gegliedert, nämlich Consumer Healthcare und Prescription Medicines, also verschreibungsfreie Medikamente und verschreibungspflichtige Medikamente. Damit soll auch die Bedeutung der Generika für das Unternehmen wieder vermehrt in den Vordergrund gerückt werden: „Es ist unser klares Ziel, im Generikageschäft stark zu wachsen. Wir werden hier in Zukunft wesentlich stärker auftreten“, führt Spatz aus, der fast sein ganzes berufliches Leben im Generikageschäft in Österreich zugebracht hat. Bei den Generikaprodukten von Stada wird es in den kommenden Jahren einige Produktneueinführungen geben. Dabei konzentriert sich das Unternehmen nach wie vor auf die Bereiche Osteoporose, HIV, Malariaprophylaxe und Glaukom.

Kleine Innovationen mit großer Wirkung für Patienten

Spatz unterstreicht, dass Stada sich immer bemüht hat und auch weiterhin bemühen wird, durch kleine Innovationen das Leben der Patienten zu erleichtern. „Stada war die erste Firma, die Alendronsäure gemeinsam mit Kalzium und Vitamin D3 abgepackt hat. Vor Kurzem haben wir ein Teriparatid-Biosimilar eingeführt, bei dem wir das Medikament gemeinsam mit den Kanülen in einer Kombinationspackung anbieten. Das bietet für die teilweise sehr betagten Patienten den großen Vorteil, dass sie die Spritzen nicht mehr extra besorgen müssen“, erläutert Spatz.

Generikamarkt: Lieferfähigkeit erhalten

Zwar könnte der Anteil an Generika in Österreich höher sein, betont Spatz, dies sei aber stark abhängig vom Erstattungssystem. „Hierzulande liegen wir derzeit bei 50% Generika im generikafähigen Markt, also dort, wo Patente abgelaufen sind. Dafür haben wir aber die Entscheidungsfreiheit des Verschreibers, sprich, des Arztes, und das soll meiner Meinung nach auch so bleiben“, so Spatz weiter.
Hinsichtlich der Zukunft des Generikamarktes ist Spatz der Ansicht, dass dieser auch künftig weiterwachsen wird. Die große Herausforderung sieht er darin, die Lieferfähigkeit zu erhalten: „Es kam ja bereits zu Lieferschwierigkeiten bei einigen Medikamenten, z.B. bei Valsartan-haltigen Produkten.“

Wirkstoffproduktion in Österreich darf nicht zu schwierig werden

Als Forschungs- und Entwicklungsstandort bewertet der Stada-Geschäftsführer Österreich als kompetitiv. Zudem werde die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeitskräften seiner Meinung nach zunehmend ein Thema werden.
Die große Herausforderung sieht Spatz in der Gefahr einer Überregulierung in der Europäischen Union: „Wir müssen wirklich achtgeben, dass wir durch Überregulierungen im Gesundheits- und speziell im Arzneimittelbereich nicht die Produktion aus der europäischen Region hinausdrängen.“ Auch bei der neuen Arzneimittelfälschungsrichtlinie wurden seiner Ansicht nach Kosten versus Nutzen nicht ausreichend abgewogen: „Man hat mit einem enormen Aufwand Bestimmungen eingeführt, die sehr viel kosten, sehr viel Komplexität verursachen und die jetzt einen nicht unwesentlichen Anteil an den Lieferproblemen in der Branche haben. Der Nutzen steht dazu in einem fragwürdigen Verhältnis, denn schon vor der neuen Richtlinie gab es sehr, sehr wenige gefälschte Packungen in der legalen Lieferkette.“
Spatz sieht die Gefahr, dass Unternehmen, wenn die Wirkstoffproduktion in Europa zu schwierig gestaltet wird, Europa verlassen und beispielsweise nach China ausweichen könnten – auch deswegen, weil sie vom Erstatter keinen ausreichenden Preis mehr für ihre Arzneimittel bekommen: „Wohin das führt, sehen wir bei Valsartan. Dieses wird nur mehr von einem einzigen Hersteller produziert, der in Asien sitzt. Wenn bei diesem ein Problem auftritt, bricht die gesamte globale Lieferkette zusammen. Daher sollte sich die Europäische Union überlegen, wie man das Umfeld für die Produktion innerhalb der EU verbessern kann.“

 

 

Versandhandel: Österreichische Lösung finden

Auch im Hinblick auf den Apothekenmarkt ist Spatz überzeugt, dass dieser weiterhin wachsen wird, nicht zuletzt aufgrund der vielen innovativen OTC-Produktneuerungen, die immer wieder auf den Markt gebracht werden.
„Die große Herausforderung in meinen Augen ist sicherlich der Bereich E-Commerce, sprich, der Versandhandel. Ich weiß aus meiner IQVIA-Zeit, dass auch der Apotheken-Versandhandel in Österreich wächst. Momentan sieht es so aus, als würden beide – also die öffentlichen Apotheken und die Online-Apotheken – nebeneinander existieren können, ohne sich zu kannibalisieren“, sagt Spatz. Er ist der Meinung, dass der Versandhandel in Österreich nicht nur ausländischen Unternehmen überlassen werden sollte, sondern eine österreichische Lösung angestrebt werden sollte.

Preisfreiheit für Arzneimittel unterhalb der Rezeptgebühr

Ein Aspekt, über den Spatz sich eine Diskussion in Österreich wünscht, sind die Preise von Arzneimitteln unterhalb der Rezeptgebühr. „Diese werden zu großen Teilen von den Patienten privat bezahlt. Daher ist es ein großes Anliegen von uns Generikafirmen, dass in solchen Fällen die Preisfreiheit eingeführt werden sollte. Denn derzeit haben die Hersteller keine Möglichkeit, den Preis zu erhöhen, obwohl die Krankenkassen die Kosten gar nicht übernehmen“, erklärt Spatz. Weitere Punkte, die ihm wichtig sind, wären eine gesetzliche Implementierung der Generika-Preisbandregelung für die Planungssicherheit der Unternehmen sowie eine Übernahme der Biosimilar-Erstattungsregelung in den Dauerzustand.

 

Zahlen-Rap

45 Mitarbeiter hat Stada in Österreich, gemeinsam mit SCIOTEC sind es 60; welt­weit sind bei Stada 10.400 Mitarbeiter beschäftigt.

Stada vermarktet zurzeit 609 Generika, 55 Klinikprodukte und 153 unterschiedliche Produkte im Bereich OTC in Österreich.

„Im Bereich Consumer Healthcare wollen wir unter die Top 10 vorrücken, im Bereich Generika unter die Top-5-Player, mit starkem Wachstumskurs. Das heißt, wir streben ein Wachstum im hohen einstel­ligen Bereich an. Zudem wollen wir ein dominanter Player bei den Biosimilars so­wie bei Spezialtherapien zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung werden“, erklärt Stada-Geschäftsführer Dr. Martin Spatz.

Interview mit: Dr. Martin Spatz

Geschäftsführer Stada Österreich


AutorIn: Mag. Nicole Gerfertz-Schiefer

PA 01|2020

Herausgeber: Dr. Wolfgang Tüchler
Publikationsdatum: 2020-03-24