Alpbacher Gesundheitsgespräche – Organe auf Bestellung

Chronisches Organversagen hat sich durch die steigende Lebenserwartung zu einer Epidemie entwickelt. Einen Ausweg sollen Organregeneration bzw. nachgezüchtete Organe darstellen, sagte der aus Tirol stammende US-Forscher Harald Ott bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen.
Der Thoraxchirurg stellte Entwicklung und Stand der Technik im Rahmen eines von der Wiener Ärztekammer unterstützten Vortrags zum Thema „Organe auf Bestellung“ dar. „2020 werden auf der Welt mehr über 65-Jährige als Kinder unter fünf Jahren leben. Jeder Dritte von uns wird einmal ein Transplantationskandidat wegen Endversagens eines Organs. 2020 werden 3,8 Millionen Menschen Dialyse benötigen. Das kostet im Jahr 80.000 US-Dollar und weist eine Jahresmortalität von 25 Prozent auf. 2015 starben 3,2 Millionen Menschen weltweit an COPD. Es gab aber nur rund 5.000 Lungentransplantationen“, sagte Ott. Der Bedarf an „Ersatzorganen“ sei enorm und werde rasch weiter steigen.
Die Stammzelltechnik und die Möglichkeiten zur Ausreifung von Stammzellen in Richtung adulter Zellen jeweils spezifischer Gewebetypen hat diesem Forschungsgebiet enormen Auftrieb gegeben. Ott und sein Labor haben sich darauf spezialisiert, Organe von Tieren (Lunge, Herz etc.) durch einen Waschvorgang von Zellen so zu befreien, dass nur noch die Stützmatrix übrig bleibt. Dann werden sie neu mit menschlichen Zellen besiedelt, sodass möglichst ein wieder funktionierendes Organ entsteht. „2017 haben wir erstmals eine Schweinelunge mit neuen humanen Zellen besiedelt und transplantiert. Das Organ funktionierte für Stunden“, erklärte der Wissenschafter. „Ich nehme an, dass es 2021 zu ersten klinischen Studien mit solchem Tissue Engineering mit Bauchspeicheldrüsengewebe kommen wird“, sagte Ott.
Die zweite große Forschungsrichtung sei die Verwendung des gezielten Gen-Editierens mit der CRISPR/Cas9-Methode zur „Behandlung“ von Stammzellen, mit denen man eine Regeneration herbeiführen könnte. Das Verfahren ermögliche es zum Beispiel auch, Schweineorgane „menschlicher“ zu machen, um sie eventuell zu transplantieren. Auch hier sei mit ersten klinischen Versuchen um das Jahr 2021 zu rechnen. (APA)