Bremst Uni-Budget medizinische Versorgung?

© AKHWien/Christian Houdek

Rektor:innen und Ärztekammer warnten am Dienstag vor Stellenabbau und protestieren mit der ÖH. Sie sorgen sich auch um die Gesundheitsversorgung in Wien.

Bis Ende Oktober muss laut Gesetz feststehen, wie viel Geld die öffentlichen Unis für ihr nächstes Dreijahresbudget ab 2028 erhalten. Am Wochenende will die Regierung die Summe fixieren. Die Universitätenkonferenz (uniko) befürchtet wegen der Einsparungen im aktuellen Doppelbudget Einschnitte von rund einer Milliarde Euro bis 2030 und warnt vor massivem Stellenabbau. Die Folgen eines Personalabbaus wären laut uniko „desaströs“: schlechtere Betreuung der Studierenden, geringere Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung und damit auch weniger Chancen auf Fördergelder und Forschungsnachwuchs, weniger Fachkräfte für die Wirtschaft. Bei den Medizin-Unis mit ihren Universitätskliniken kämen auch noch Abstriche bei der Patientenversorgung und längere Wartezeiten dazu.

Vor allem in Wien wären die Auswirkungen weitreichend, wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz vom Rektor der MedUni Wien, Markus Müller, und Vertretern der Ärztekammer gewarnt. Das AKH erledigt ein Drittel der Patientenversorgung in der Metropolregion Wien, manche hoch spezialisierte Eingriffe werden in Österreich nur hier durchgeführt. Weil im AKH ausschließlich Ärzt:innen der MedUni Wien arbeiten, würden die Kürzungen hier voll durchschlagen, für 200 Ärzteposten gäbe es dann kein Geld mehr. Dazu kämen noch 500 Posten, die im vorklinischen Bereich und in der Verwaltung nicht mehr finanzierbar wären, sagte Müller.

Die Folge wäre nicht nur weniger Angebot für Patient:innen und eine Verdrängung in andere Spitäler, warnte Wiens Ärztekammerpräsident Johannes Steinhart. Auch Ausbildungsplätze würden wegfallen, dabei kämpfe man schon jetzt mit Abwanderung von Jungmediziner:innen. Eine nominelle Kürzung des Budgets würde laut Müller auch drastische Einschnitte in der Forschungsleistung bedeuten, dabei habe Österreich erst in den vergangenen Jahren erfolgreich aufgeschlossen. Biomedizin mache in Österreich derzeit ein Drittel der Forschung aus und sei eine der führenden Wissenschaftsdisziplinen, das sei nun in Gefahr. „Diese Budgetkürzung würde Österreich auch als Innovationsstandort wieder zurückwerfen.“

Wiens Ärztekammerpräsident Steinhart forderte am Dienstag vor Journalist:innen zusätzlich ein Treffen der Spitzen von Wissenschaftsministerium, MedUni Wien, Stadt Wien und Ärztevertretung, um „eine pragmatische und hoffentlich konstruktive Lösung“ zu finden. Rektor Müller zeigte sich allerdings nicht besonders optimistisch, dass es doch noch mehr Geld für die Unis geben könnte. „Alle Gespräche, die wir vor und hinter der Bühne informell geführt haben, deuten derzeit nicht darauf hin, dass es hier zu einer relevanten Verbesserung kommen wird.“ (red/APA)