Intensivmedizin rückt Frühmobilisation in den Fokus

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Zum Internationalen Tag der Intensivmedizin betonten Expert:innen, wie rasche Mobilisation Langzeitfolgen vermeidet und Lebensqualität erhält.  

Frühmobilisation gilt heute als eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale moderner Intensivmedizin, betont die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) anlässlich des Tags der Intensivmedizin und macht auf einen grundlegenden Wandel in der Versorgung kritisch kranker Menschen aufmerksam. Moderne Intensivmedizin ziele heute nicht nur auf das Überleben, sondern zunehmend auf die Vermeidung von Langzeitfolgen ab.  

Ein Intensivaufenthalt könne auch lange nach der Entlassung Spuren hinterlassen. Das sogenannte Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) beschreibt körperliche, kognitive und psychische Einschränkungen, die bei Betroffenen noch Monate oder Jahre später bestehen können. Dazu zählen Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Angstzustände oder Depressionen.  

Internationale Behandlungskonzepte empfehlen, Patient:innen bereits innerhalb der ersten 72 Stunden nach Intensivaufnahme gezielt zu aktivieren, um langfristige Funktionseinschränkungen möglichst zu verhindern. Grundlage dafür ist das international etablierteABCDEF-Bundle (ICU Liberation Bundle): Das evidenzbasierte Behandlungskonzept sieht Schmerzmanagement, eine zielgerichtete Sedierung, spontane Aufwach- und Atemversuche, Delirprävention, Frühmobilisation sowie die aktive Einbindung von An- und Zugehörigen vor. Studien belegen, dass eine konsequente Umsetzung mit besseren Behandlungsergebnissen und einer höheren Lebensqualität nach dem Intensivaufenthalt verbunden ist.  

„Unser Ziel ist heute nicht allein die Stabilisierung lebensbedrohlicher Zustände, sondern die bestmögliche Rückkehr der Patientinnen und Patienten in ein selbstständiges Leben“, betont Stefan Schaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie an der MedUni Wien und dem AKH Wien sowie Vorstandsmitglied der ÖGARI. Selbst beatmete Patient:innen können und sollen, unter strenger Überwachung und abhängig von ihrem Gesundheitszustand, schrittweise mobilisiert werden. 

„Nicht einzelne Maßnahmen retten Patientinnen und Patienten, sondern die Fähigkeit, den gesamten Behandlungsprozess zu steuern und medizinisch zu verantworten. (…) Genau dafür sind Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesiologie und Intensivmedizin ausgebildet“, betont ÖGARI-Präsident Michael Zink. Auch die intensivmedizinische Pflege trage wesentlich zum Behandlungserfolg bei. (APA/tab)