Studie: Österreich hinkt hinter Schweiz und Deutschland nach

Da Vergleiche verschiedener europäischer Gesundheitssysteme nicht unbedingt immer ganz zuverlässig sind, wurden nun Deutschland, die Schweiz und Österreich analysiert. Ergebnis: Österreich hat Handlungsbedarf.

Die Wirtschaftsuniversität Wien hat in Kooperation mit dem IGES Institut Berlin die OECD-Daten für Österreich, Deutschland und die Schweiz bereinigt, um vor allem diese drei Länder besser vergleichbar zu machen. Die nun vorgestellte Vergleichsstudie der Gesundheitsausgaben ortet unnötig hohe Kosten im stationären Bereich und einen Mangel an Nachwuchs. In Österreich entfallen 10,3 Prozent des BIP auf Gesundheitsausgaben, sagte Martin Albrecht, Geschäftsführer und Bereichsleiter Gesundheitspolitik bei IGES. In Deutschland sind es 11,2, in der Schweiz 12,2 Prozent. Alle drei Länder liegen im OECD-Vergleich in den Top-Ten, sowohl im Anteil an der Wirtschaftsleistung, als auch in den Pro-Kopf Ausgaben. Im Dreiländervergleich gibt Österreich am wenigsten aus, zudem steigen die Kosten vergleichsweise langsamer.

Potenzial sieht Albrecht vor allem in der besseren Koordinierung der Leistungen. Durch einen Ausbau der ambulanten Versorgung, könnte der kostenintensive stationäre Bereich entlastet werden. Österreich und Deutschland waren 2017 mit jeweils mehr als 23.000 Krankenhausaufenthalten pro 100.000 Einwohner OECD-Spitzenreiter. Die Schweiz verzeichnete im Vergleich nur etwa 15.000 Aufenthalte. Der stationäre Bereich bindet somit in Österreich 44 Prozent der Mittel, in Deutschland sind es 39, in der Schweiz nur 36 Prozent.

Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und der Wiener Ärztekammer, fühlt sich von der Studie in seiner Ansicht darin bestätigt, dass „Potenzial nach oben in der Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems“ ist. Seine größte Sorge gilt dem Mangel an professionellem Nachwuchs. In die OECD-Berechnung von 5,17 Ärzten je 1.000 Einwohner seien die Ärzte in Ausbildung einberechnet. Auch sei zu beachten, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf seit 2012 um etwa neun Prozent abgenommen habe, wodurch sich die Zahl auf 3,56 Vollzeitäquivalente pro 1.000 Einwohner reduziere.

Einem jährlichen Bedarf von etwa 1.450 Ärzten stünden 1.400 Absolventen für Humanmedizin gegenüber, von denen aber 40 Prozent nicht in Österreich arbeiten würden. Das mache sich insbesondere im niedergelassenen Bereich und außerhalb der Städte bereits bemerkbar. „Es wird noch ärger werden, als es jetzt ist“, sagte Steinhart. Um junge Mediziner im Land und im Beruf zu halten, müssten sich vor allem die Rahmenbedingungen bessern. Das betrifft nicht nur die Entlohnung, sondern auch die Möglichkeiten der Ausbildung und Spezialisierung, sowie flexible Arbeitszeitmodelle. (iba/red/ag)