ÖGHO-Frühjahrstagung 2013: Update zum metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC)

Der Patient mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom ist kein uniformer Patient, konstatiert Frau Doz. Dr. Maria De Santis, Kaiser-Franz-Josef-Spital Wien, im Rahmen ihrer Ausführungen eines Therapieupdates. In den letzten Jahren habe sich allerdings, führt De Santis weiter aus, das Therapiespektrum der Erkrankung wesentlich erweitert.

Docetaxel bleibt Standardtherapie: Als Therapiestandard der Erstlinien für diese Patientenpopulation gilt auch weiterhin Docetaxel; es stehen nun allerdings nach Docetaxel auch einige Substanzen zur Verfügung, welche das Gesamtüberleben der Patienten verbessern. Vortherapierte Patienten konnten durch die Behandlung mit Cabazitaxel in der Phase-III-TROPIC-Studie eine 28%ige Risikoreduktion zu versterben aufweisen, die Substanz ist nach einer vorangegangenen Therapie mit Docetaxel zugelassen.

Neue Hormontherapien verlängern das Gesamtüberleben: Der reine Androgenrezeptor-Antagonist MDV 3100 (Enzalutamid) konnte im Rahmen der AFFIRM-Studie eine 37%ige Risikoreduktion zu versterben im primären Studienendpunkt Gesamtüberleben eindrucksvoll demonstrieren, bei dieser Phase-III-Studie war eine additive Gabe von Kortison möglich, aber nicht unbedingt notwendig. Dennoch erhielten, führt De Santis weiter aus, 44 % der Patienten im Laufe der Studie Glukokortikoide.
Abirateronazetat ist ein oral verfügbarer Biosynthese-Inhibitor, welcher die Testosteronproduktion in Hoden, Nebenniere sowie der Tumorzelle selbst hemmt und somit der erste steroidale Androgensynthese-Inhibitor, der gezielt die Androgenproduktion aller drei Quellen im Organismus hemmt. Die Phase-III-Zulassungsstudie (COU-AA-301; de Bono, NEJM 2011) führte 2011 zur Zulassung der Substanz in Kombination mit Prednisolon nach vorheriger Therapie mit Docetaxel. In der finalen Studienanalyse zeigte sich im Abirateron-Studienarm ein Gesamtüberlebensvorteil bei Post-Chemotherapie-Patienten. Das mediane Überleben betrug in dieser Analyse 15,8 Monate. Dies bedeutet eine Verbesserung um 4,6 Monate verglichen mit der Placebo-Studiengruppe.

Einsatz von Abirateron vor Chemotherapie: Die kürzlich publizierte Studie COU-AA 302 (Ryan et al., NEJM 2013) untersuchte Abirateron + Prednisolon bei chemotherapienaiven, asymptomatischen bzw. nur mild symptomatischen Patienten mit mCRPC verglichen mit dem Kontrollstudienarm Placebo + Prednisolon. Als primärer Studienendpunkt wurde das Gesamtüberleben sowie das von einem zentralen Review bestätigte radiologisch nachgewiesene progressionsfreie Überleben (rPFS) definiert. Um die Krankheit ausreichend zu monitieren, wurden Knochenscans verwendet, führt De Santis weiter aus. Unter der Therapie mit Abirateron konnte die Zeit bis zur radiologischen Progression verdoppelt werden (16,5 Monate versus 8,3 Monate im Placeboarm; Abb.). Ein PSA-Abfall von zumindest 50 % wurde bei 69 % der Patienten im Abirateron-Studienarm vs. 29 % im Vergleichsstudienarm dokumentiert (Mulders et al., 2013, Abstr. 97). Die Behandlung mit Abirateron führte in allen klinischen Endpunkten zu einer Verbesserung.
Zusammenfassend führen neue Subs­tanzen zu einem veränderten Therapie­paradigma des metastasierten kastrations­resistenten Prostatakarzinoms, schließt De Santis ihre Ausführungen.