Transition – Der Schritt aus der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin

Vorwort. Tansitions-und Adoleszenz-Onkologie muten auf den ersten Blick erst einmal als Randthemen der pädiatrischen Onkologie an. Sind doch im allgemeinen Bewusstsein heute die oft hohen Heilungsraten als Erfolgsgeschichte der Medizin der letzten 50 Jahre präsent. Viele pädiatrisch-onkologische Erkrankungen haben den Schrecken der Unheilbarkeit verloren, Heilungsraten über alle Diagnosen und Patientengruppen von an die 80 % sind moderner medizinischer Standard, bei manchen Erkrankungen können über 95 % der Betroffenen geheilt werden. Dies ist einem konsequent kooperativen Vorgehen mittels multimodaler Therapieansätze und einer qualitätssichernden Studienlandschaft mit in Europa über 60 internationalen akademischen Studienprotokollen und Therapieregistern zu verdanken, welche jedem Patienten modernste wissenschaftlich gesicherte Therapien einschließlich stratifizierender Diagnostik anbieten. Rezidive können auftreten, die Mehrzahl der Betroffenen ist aber dauerhaft geheilt.

Wichtiger Teil der Therapieprotokolle sind auch strukturierte Nachsorgepläne und Handlungsempfehlungen für Neben-und Nachwirkungen von Malignomen und Therapien. Typische Nachbeobachtungszeiträume sind dabei 5 bis 10 Jahre. Langzeitüberleben führt dazu, dass heute jeder 600. bis 800. Erwachsene Überlebender einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. Entlassen aus der umfassend fürsorglich organisierten Akuttherapie und der Akutnachsorge stellt sich für sie auch die Frage einer eigenverantwortlichen zukünftigen Sorge um ihre Gesundheit und medizinische Versorgung, Nachsorge und Prävention künftiger Erkrankungen sowie sach- und fachkundige psychosoziale Unterstützung. Dieser Schritt aus der Pädiatrie hinüber in die Erwachsenenmedizin, Transition genannt, stellt sich in vielen pädiatrischen Spezialgebieten. Am Beispiel der Onkologie werden in den folgenden Beiträgen diese Phase, typische Problematiken und Lösungsansätze dargestellt. Das Bewusstsein für Transition als eigene Thematik hat sich nicht zuletzt auch deswegen entwickelt, weil auch hier die Betroffenen, die „Survivors“ selbst, mit großem Einsatz Defizite aufgezeigt, Probleme formuliert, aber auch Lösungsansätze zu implementieren begonnen haben und damit unverzichtbare Experten für sich entwickelnde systematische Betreuungsmodelle geworden sind. Ihnen sei hier dafür ein besonderer Dank ausgesprochen.

Themenverwandt werden darüber hinaus in den folgenden Beiträgen typische Aspekte von „kindlichen“ Krebserkrankungen besprochen, wenn sie Adoleszente und/oder junge Erwachsene betreffen. Expertisen sowohl der pädiatrischen Onkologie wie auch der Onkologie des Erwachsenenalters sollen sich hier bündeln, um für die Betroffenen „Best of care“- Ansätze und altersgemäße Versorgung und Umfeld zu bieten.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre der Beiträge!

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Holter

Ärztliche Leitung, St. Anna Kinderspital, Wien


SO 07|2019

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2019-12-06