SP 01|2013

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Bruno Callieri – Vorreiter einer human-basierten Psychiatrie
    Bruno Callieri ist uns dorthin vorausgegangen, wohin wir alle einst zu gehen haben. Mit seinem physischen Tod verlor die internationale Psychiatriegemeinschaft zwar einen der wesentlichsten Vorreiter einer humanbasierten Psychiatrie, gleichzeitig wird er uns aber weiterhin in der Erinnerung seiner Reden ...Weiterlesen ...

Focus: Forensische Psychiatrie

  • Psychisch Kranke als Opfer und Täter

    Zwischen schweren psychischen Störungen und Gewalttätigkeit besteht eine moderate, aber zuverlässige Assoziation. Zusätzlicher Substanzenmissbrauch und komorbide Persönlichkeitsstörungen erhöhen das Risiko, das aber durch psychiatrische Behandlung und psychosoziale Betreuung erheblich reduziert werden kann.

    Generell stellen psychisch Kranke innerhalb der Gesamtgruppe der Gewalttäter eine sehr kleine Gruppe dar, und werden überdurchschnittlich häufig Opfer von Straftaten.

    Weiterlesen ...
  • Versuch einer Typologie von Tötungsdelikten schizophrener Patienten

    In verschiedenen Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Schizophrenie und schwerer Gewaltdelinquenz, insbesondere Tötungsdelikten gefunden.

    Während psychopathologische Phänomene wie systematischer Verfolgungswahn primär Einfluss auf den Schweregrad des Delikts haben, dürfte ursächlich eine Rolle spielen, dass im Rahmen des schizophrenen Krankheitsprozesses gewaltprotektive Faktoren wie z. B. Empathie, „theory of mind“ oder moralische Kognitionen abgebaut werden.

    Die vom Autor entwickelte Typologie der psychotisch motivierten Tötungsdelikte identifiziert drei Typen, die „wahnhafte Notwehr“, der „katatone Overkill“ und der „eskalierende Konflikt“.

    Weiterlesen ...
  • Polypharmazie in der Behandlung der Schizophrenie

    Polypharmazie ist in der Schizophreniebehandlung trotz geringer empirischer Evidenz hinsichtlich möglicher Wirksamkeitsvorteile und unerwünschter Wirkungen gängige klinische Praxis und kommt in der allgemeinen und forensischen Psychiatrie bei etwa der Hälfte der stationär behandlungsbedürftigen Patienten zur Anwendung.

    Wie eine rezente Wiener Studie zeigt, sind in der allgemeinen Psychiatrie Kombinationen mit zwei atypischen Antipsychotika am häufigsten, während in der forensischen Psychiatrie am häufigsten typische Antipsychotika in Depotform mit oral verabreichten atypischen Antipsychotika kombiniert wurden.

    Weiterlesen ...
  • Therapie von psychisch kranken Straftätern – was kann die Psychiatrie leisten?

    In den letzten 25 Jahren wurde die Behandlungsqualität im Maßnahmenvollzug durch eine Systematisierung der Therapiekonzepte deutlich verbessert.

    Im Vergleich zur Allgemeinpsychiatrie hängt die Therapie im Maßregelvollzug wesentlich mehr von externen Vorgaben ab. Die Patienten unterscheiden sich durch höhere Komorbidität, größere Sozialisationsdefizite, stärkere Behandlungsresistenz und bedeutend längere Unterbringungs­dauer. Die Ziele im Maßnahmenvollzug sind gesetzlich vorgegeben und lauten Risikomanagement und Rehabilitation.

    Weiterlesen ...
  • Das Unterbringungsgesetz (UbG) und seine Anwendung

    Der Wegfall des zweiten fachärztlichen Zeugnisses mit der Novellierung des Unterbringungsgesetzes 2010 wird allgemein positiv gesehen.

    Bei der Unterbringung ohne Verlangen wurde 2011 eine leichte Erhöhung beobachtet, gleichzeitig nahm die Unterbringung auf Verlangen nur unwesentlich zu.

    Wenig Auswirkungen zeigt bisher der neu eingeführte § 32a, dessen Ziel die Vermeidung von neuerlichen Unterbringungen nach kurzer Zeit ist.

    Weiterlesen ...
  • Pathologisches Spielen

    Seit einigen Jahren gibt es an österreichischen Gerichten eine zunehmende Zahl von zivilrechtlichen Verfahren gegen gewerbliche Spieleanbieter, bei denen die Diagnose des pathologischen Spielens eine zentrale Rolle spielt.

    Die im Rahmen solcher Zivilverfahren an psychiatrische Gutachter gestellten Fragen umfassen alle Aspekte der Beeinträchtigung der Geschäftsfähigkeit durch pathologisches Spielen, die im vorliegenden Beitrag dargestellt werden.

    Weiterlesen ...

Kongress

  • DGPPN-Kongress 2012: Das Böse – ein Unfall der Biologie?
    Das Böse, ist das ein Unfall der Biologie? Woher stammt das Böse?“ Wie Prof. Dr. Thomas Fuchs, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg, im Rahmen des DGPPN-Kongresses ausführte, werde diese Frage heute – nach einer Phase überwiegend soziologischer Erklärungen – vor allem biologisch ...Weiterlesen ...
  • API-Kongress 2013: Neue Wege in der Suchtdiagnostik

    Abhängigkeitserkrankungen können in Zukunft gemäß dem neuen DSM-V nicht erst im Spätstadium, sondern bereits früher – in einem Stadium, das derzeit als problematischer Konsum gilt – diagnostiziert werden.

    Angesichts der hohen Komorbiditätsraten von Suchterkrankungen und psychischen Störungen stellt sich laut Prim. Univ.-Prof Dr. Michael Musalek die Frage, ob es sich bei Sucht um eine primäre Erkrankung oder um eine Komorbidität handelt.

    Weiterlesen ...
  • API-Kongress 2013: Rausch und Ekstase – ein Weg in die/aus der Sucht

    Rausch und Ekstase sind universelle Phänomene, die zu allen Zeiten und in allen Kulturen gesucht, ersehnt und/oder gefürchtet sind und ob ihrer Faszination einen Weg darstellen, warum sich eine Sucht entwickeln kann. Was fasziniert, das möchte wiederholt werden. Bei chronischer Wiederholung und drohendem Kontrollverlust sind Rausch und Ekstase überdosiert, und der Weg in die Sucht wird beschritten.

    Wenn jedoch stimmt, was der griechische Philosoph Heraklit, Vater des dialektischen Denkens, sagte, „Der Weg hinauf und hinab (oder: hin und her) ist ein und derselbe“1, dann sind Rausch und Ekstase nicht nur ein Weg in die Sucht, sondern auch Möglichkeiten, wie man aus der Sucht aussteigen kann.

    Weiterlesen ...
  • API-Kongress 2013: Unachtsamkeit und Sucht

    Unachtsamkeit ist eine „Nebenwirkung/Komorbidität“ unserer kognitiven Fähigkeiten (und nicht nur der Suchterkrankung).

    Unachtsamkeit macht uns unglücklich. Suchtkranke versuchen, noch unachtsamer zu werden im verzweifelten Versuch, glücklicher zu werden.

    Achtsamkeit kann mit spezifischen, wissenschaftlich fundierten therapeutischen Interventionen (nicht nur bei Suchtkranken) gefördert werden und hat einen positiven Einfluss auf wesentliche psychologische Parameter, die sich als prognostisch günstig erwiesen haben.

    Weiterlesen ...

Für die Praxis

  • Demenzprävention – Entwicklungsstand und Zukunftsperspektiven

    Der höchste Evidenzgrad für eine Demenzprävention wird durch eine konsequente Reduktion der vaskulären Risikofaktoren, durch mediterrane Diät sowie ausreichende körperliche und geistige Aktivität erreicht.

    Bei einer machbaren Reduktion der Demenz-„Beschleuniger“ um nur 10 % gäbe es weltweit 1 Million Alzheimer-Patienten weniger.

    Weiterlesen ...
  • Drogenersatztherapie: Akzeptanz statt Stigmatisierung

    Zwei Umfragen – in der Bevölkerung und unter Ärzten – bestätigen klar, dass die Substitutionstherapie in beiden Kollektiven als sinnvoll und wichtig erachtet wird und weiter ausgebaut werden soll.

    Weiterlesen ...

Panorama