SP 01|2015

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Sind wir alle gleich?
    Sind wir alle gleich? Beim ersten Hinsehen ist das eine unheimlich banale Frage – oder richtiger: Die Antwort liegt so sehr auf der Hand, dass es sich eigentlich gar nicht lohnt, diese Frage zu stellen. Natürlich sind wir nicht alle ...Weiterlesen ...

Focus: Psychiatrie / Psychotherapie und Film

  • Eros, Liebe, Sexualität – erotische Ressourcen in der Cinematherapie

    Im Anton-Proksch-Institut gibt es seit 2009 ein eigens für Suchtkranke entwickeltes Kinotherapieprogramm, in dem Filme als „Mood Stabilizer“ und zur Hoffnungsinduktion eingesetzt werden. Weil Liebesbeziehungen neben den Eltern-Kind-Beziehungen, der Freundesliebe, der Geschwisterbeziehung und der agapeischen Liebe wahrscheinlich die intensivsten, wenn nicht die intensivsten Beziehungen überhaupt sind und es viele Spielarten der Liebe und manchmal leider auch Pathologien der Liebe gibt, und nicht zuletzt im Hintergrund von psychischen Störungen Liebe immer irgendwie mit Thema ist, spielen Liebesfilme in unserer Cinematherapie eine wichtige Rolle.

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  • Psychose im Film

    Das Thema Psychose wurde von Filmemachern vor allem seit den 1990er-Jahren verstärkt aufgegriffen. Aus filmwissenschaftlicher Perspektive ist das Interesse relativ klar nachvollziehbar: es ist das Fremdartige, Ungewisse, Unberechenbare, das Unverbrauchte, Neuartige, der Zugang zu einer fremden, faszinierenden, manchmal bedrohlichen, manchmal poetischen Welt.

    Im Film werden 6 Stereotype thematisiert, die meist in unterschiedlichen Kombinationen abgehandelt werden: der Schizophrene als Täter, Opfer oder Leidender, Psychose als Weltflucht, das wahnsinnige Genie oder Schizophrenie im Mindgame Movie.

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  • Sucht im Film: Zwischen Realitätsverzerrung und Gefahr

    Drogenkonsum zwischen „bewusstseinserweiternden“ Aspekten und (gesundheitlichem) Risiko: In vielen Filmen findet sich das Dilemma der moralischen Bewertung des Drogenkonsums. Viele filmische Darstellungen der Schicksale der Protagonisten dienen der moralisierenden-aufklärerischen Botschaft der Gefahr des Drogenkonsums, andere zeigen den Drogenrausch in seiner realitätsverzerrenden Seite und weitgehend ohne vordergründig moralisierende Aspekte.

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  • Demenz im Spielfilm

    Spielfilme mit dem Thema Demenz sind ein Phänomen der letzten 30 Jahre und zählen mehrheitlich zum Genre des melodramatischen Rührstücks. Obwohl die typischen Symptome oft angemessen dargestellt werden, fehlt meist die Schilderung fortgeschrittener Stadien und der alltagspraktischen Probleme der Betroffenen. Ein spezielles dramaturgisches Problem ist die „Auflösung des Subjekts“, die Desintegration des Protagonisten.

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  • Suizid im Film – Zwischen Einsamkeit und Krebsdiagnosen

    Die Fähigkeit des Menschen, die Beendigung des eigenen Lebens planen, reflektieren und umsetzen zu können, dient im filmisch-narrativen Kontext oft als dramaturgisches Mittel, um davon zu erzählen, wofür es sich zu leben lohnt. Ein gängiges Motiv dieser Erzählstrategie ist die Botschaft von der Macht der Liebe, die Lebenszweifel überwinden und neuen Lebenswillen anzufachen vermag. „Veronika beschließt zu sterben“, „Wilbur wants to kill himself“ und „I hired a contract killer“ zeigen das in eindrücklicher Weise.

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  • Der Psychotherapeut im Film

    Schon seit über 100 Jahren praktizieren die Therapeuten auf der Leinwand – und prägen so auch die Vorstellungen unserer realen Patienten von erfolgreicher Psychotherapie. In ihrem Standardwerk zählen Glen und Kris Gabbard bereits 1999 über 1.000 Filme mit Psychotherapeuten in Hauptrollen oder zumindest Nebenrollen.

    Erfolgreiche Therapie im Film ist fast immer kurz – und kathartisch. In einer Stunde gelingt dem Therapeuten der „Durchbruch“, und dem Patienten wird sein in der Kindheit erlittenes Trauma bewusst.

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Kongress

  • Orpheusprogramm – erste Evaluationsergebnisse

    Evaluationsstudien des Orpheusprogramms zeigen, dass der Wunsch nach Autonomie im Fokus der Genesebemühungen suchterkrankter Patienten steht. Von zentraler prognostischer Validität für den Therapieerfolg hat sich dabei der Faktor der Selbstwirksamkeit erwiesen. Die Förderung der Zuversicht des Betroffenen in die eigenen Fähigkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, selbstgesteckte Zielsetzungen auch tatsächlich zu erreichen.

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  • Psychomotorische Unruhe – Definition und Behandlung

    Das Begriffsfeld psychomotorische Unruhe kann mit dem aktuellen Begriff in den Research Domain Criteria „Arousal“ gut zusammengebracht werden. Eine Vereinheitlichung der Definitionen wäre wünschenswert, um die Begriffe zu schärfen.

    Die gängigen pathophysiologischen Überlegungen zu Agitation v. a. beim Delir umfassen die monoaminerge Imbalance bzw. die GABA-Glutamat-Imbalance; neue Überlegungen gibt es zum Melatoninsystem.

    Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nichtmedikamentöse „Input-Verfahren“ (externer Input: z. B. Umgebungsgestaltung, beruhigendes Gespräch etc.) eine wichtige Rolle im Management der Agitation.

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Für die Praxis

  • Psychotrauma im Alter – eine Analyse des psychosozialen Modells ESRA

    Die psychosoziale Traumaarbeit mit älteren NS-Überlebenden muss individuell, ganzheitlich und multiprofessionell sein. Ist der Betroffene in einer entsprechenden Einrichtung „angekommen“, ist die (rasche) Verfügbarkeit psychosozialer Unterstützung wesentlich für die Aufrechterhaltung des weiteren Betreuungsverlaufs. Ebenso wichtig ist die Kontinuität im Betreuungsgeschehen.

    Ältere Personen aus der untersuchten ESRA-Stichprobe nahmen Psychotherapie nur begrenzt in Anspruch, bei den Child Survivors war dies vermehrt der Fall.

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