#bleibzuhause ... Aber nicht bei Herzinfarkt

COVID-19 und das Herz-Kreislauf-System

Herzbeteiligung bei COVID-19: Eine Herzbeteiligung im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion, definiert durch erhöhte Serumspiegel von Troponin- oder natriuretischen Peptiden, wird bei 22 % aller Patienten beobachtet, die wegen COVID-19 in ein Krankenhaus aufgenommen werden mussten.1

Das Spektrum der Syndrome: Die Herzbeteiligung kann sich vielfältig manifestieren und dem Auftreten von pulmonalen Problemen vorangehen (Tab.).2 Was den Mechanismus der Myokardschädigung („myocardial injury“) durch SARS-CoV-2 betrifft, ist vieles noch unklar. Als Pathomechanismen werden eine Affektion der Myokardiozyten oder der Endothelzellen durch das Virus diskutiert, weiters eine systemische zytokinvermittelte oder stressassoziierte Kardiomyopathie oder mikrovaskuläre Thromben.3, 4

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Prädisposition für die Infektion: Unter COVID-19-Erkrankten befinden sich viele Patienten mit kardiovaskulären Krankheiten. Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, wenn sie an COVID-19 erkranken, eine schlechtere Prognose haben als Patienten ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen.1, 2 Derzeit ist unklar, welche Faktoren Patienten für eine SARS-CoV-2-Infektion empfänglich machen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Einnahme bestimmter Medikamente die Empfänglichkeit für bzw. den Verlauf von COVID-19 beeinflusst.

Weniger Herzinfarkte während der Pandemie? Derzeit ist unklar, inwieweit sich die Inzidenz von Herzinfarkten während der Pandemie verändert hat – es werden regional sehr unterschiedliche Zahlen berichtet. Es ist noch zu früh, um darüber eine endgültige Aussage zu treffen und erst recht nicht über Faktoren, die das beeinflusst haben könnten.
Ergänzend zu den von Metzler et al. diskutierten Möglichkeiten5 möchte ich zwei weitere Faktoren erwähnen: Erstens hat sich die Lebensweise der Menschen in der Pandemie verändert. Es werden weit weniger Reisen und Aktivitäten unternommen. Könnte nicht der verminderte Sympathikotonus einen Beitrag zur kardiovaskulären Gesundheit leisten – in ähnlicher Weise wie es vor mehr als 60 Jahren in Roseto, einer Gemeinde in den USA, beobachtet wurde?6 Zweitens haben wir seit 1. November 2019 endlich ein Rauchverbot in der Gastronomie! Zahlen aus Italien zeigen, dass es durch diese Maßnahmen zu 4 % weniger infarktbedingten Krankenhausaufnahmen kam.7 Der Rückgang war in der Gruppe der < 75-Jährigen ausgeprägter als unter den Älteren.

 

1 Li X et al., J Allergy Clin Immunol 2020; DOI: 10.1016/j.jaci.2020.04.006
2 Hendren NS et al., Circulation2020; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.047349
3 Varga Z et al., Lancet 2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30937-5
4 Tavazzi G et al., Eur J Heart Fail 2020; DOI: 10.1002/ejhf.1828
5 Metzler B et al., Eur Heart J 2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa314
6 Bruhn JG et al., South Med J 1982; 75(5):575–80
7 Barone-Adesi F et al., PLoS One 2011; 6(3):e17419

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Claudia Stöllberger

2. Medizinische Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intensivmedizin, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien


UIM COVID-19

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2020-05-12