ÖGP-Fälle des Jahres 2018

Platz 1: Z. n. Pneumektomie rechts – Hypoxie unklarer Genese

Eine operative Sanierung bei N. bronchi ist ein Standardeingriff geworden. Je nach Voruntersuchungen ist eine respiratorische Partialinsuffizienz zu erwarten, vor allem bei entsprechenden pulmonalen Vorerkrankungen.

 

 

Ein Foramen ovale persistens (PFO) ist bei einer Prävalenz von ~ 25 % keine Seltenheit, man kennt typische Komplikationen (kryptogener Insult, Dekompressionsunfälle beim Gerätetauchen). Nachstehender Fall soll den pathophysiologischen Konnex in Form eines seltenen Krankheitsbildes erläutern.

Fallbericht: Patient H., 67 Jahre alt, wird mit Dyspnoe NYHA III–IV an der Ambulanz des Landesklinikum Hochegg vorstellig.
Als Vorerkrankungen sind ein N. bronchi mit Z. n. Pneumektomie rechts und eine hochgradige COPD mit respiratorischer Partialinsuffizienz bekannt.
In der arteriellen Blutgasanalyse zeigt sich eine initial therapierefraktäre Hypoxie, eine suffiziente Oxygenierung gelingt schließlich mittels High-Flow-CPAP.
Diagnostisch sind Labor sowie das Cor/Pulmo-Röntgen und eine durchgeführte Thorax-CT-Untersuchung unauffällig. Bei der 100%-O2-Atmung im Sitzen zeigt sich berechnetes Shuntvolumen von 38,25 %. Die transthorakale Echokardiografie ergibt eine gering reduzierte Linksventrikelfunktion, allerdings keinen Shuntnachweis. Dieser gelingt mittels transösophagealer Echokardiografie mit Kontrastmittel, bei der sich ein PFO mit Rechts-links-Shunt (Abb. 1) unter Valsalva-Manöver und in aufrechter Körperposition (Kipptisch) zeigt.

 

 

Diagnose: Somit lautet die Diagnose Platypnoe-Orthodeoxie-Syndrom. Dieses Syndrom umfasst Dyspnoe in aufrechter Körperposition, die im Liegen abnimmt, sowie arterielle Sauerstoffentsättigung im Stehen, die sich beim Hinlegen verbessert.
Ursache war die Pneumektomie, die zu einer Verlagerung des interatrialen Septums mit direktem Einstrom der Vena cava inferior in das PFO und dadurch zu einem wirksamen Shunt beim Aufsetzen bzw. Stehen führte.

Therapie: Therapeutisch erfolgte der perku­tane Verschluss mittels Amplatzer-Occluder (Abb. 2). In den Nachkontrollen war das Ergebnis ausgezeichnet, die Blutgasanalyse im Stehen sowie die 100%-O2-Atmung ergaben einen unauffälligen Befund, die Dyspnoesymptomatik entsprach NYHA II.
Der Fall soll dazu anregen, bei unklarer Dyspnoe an ein Platypnoe-Orthodeoxie-Syndrom zu denken und als ersten diagnostischen Schritt die transkutane Sauerstoffsättigung im Liegen und im Stehen zu messen.

 

 

 

Literatur:
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– Cheng TO, Reversible orthodeoxia. Ann Intern Med 1992; 116:875
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– Roxas-Timonera M et al., Patent foramen ovale presenting as platypnea-orthodeoxia: diagnosis by transesophageal echocardiography. J Am Soc – Echocardiogr 2001; 14 (10):1039–41
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– Varkul M et al., Orthodeoxia and platypnea secondary to a patent foramen ovale despite normal right-sided cardiac pressures. Can Respir J 2001; 8(2):105–7

 

AutorIn: Dr. Clemens Rodler

Abteilung für Innere Medizin,Landesklinikum Mödling


UIM 01|2019

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2019-02-21