Divertikulose: Was hilft und muss beachtet werden?

Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung

Einmal entstandene Divertikel – Ausstülpungen der Dickdarmwand nach außen – bilden sich nicht mehr zurück, allerdings kann die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Beschwerden (Schmerzen, Verstopfung) oder Komplikationen, wie Divertikulitis, durch ballaststoffreiche Nahrung (Gemüse, Früchte, Vollkorn), durch reichliche Flüssigkeitsaufnahme und körperliche Bewegung verringert werden. Die Häufigkeit in der Bevölkerung ist umgekehrt proportional zum Fasergehalt der Ernährung Stuhlregulierende Maßnahmen haben zum Ziel, täglich weichen Stuhl zu erzeugen, der weder schmiert noch hart ist. Ballaststoffe fördern die Stuhlpassage und verhindern damit einen anhaltenden Druck auf die Divertikel und eine Größenzunahme derselben.
Dabei ist es wichtig, dass der Verdauungstrakt langsam an eine ballaststoffreiche Vollwertkost gewöhnt wird. Daneben sollten mindestens 2 Liter kalorienarme Flüssigkeit täglich getrunken werden, und es sollte auf regelmäßige körperliche Bewegung von zumindest 30 bis 60 Minuten geachtet werden.
Kommt es zu einer entzündlichen Veränderung der Ausstülpungen, spricht man von Divertikulitis. Diese ist schmerzhaft und kann mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Krankheitsgefühl sowie erhöhten Entzündungswerten im Blut einhergehen. Eine Divertikulitis entsteht aufgrund einer zeitweisen Verstopfung der Darmwandausstülpungen durch Stuhlknollen. Es bilden sich Kotsteine, welche die Darmwand in den Divertikeln reizen und in Verbindung mit Bakterien zur Entzündung führen. Bei fortschreitender Entzündung kann ein Abszess oder ein Loch in der Darmwand, eine Perforation, auftreten. Am Boden der Divertikel verlaufen Blutgefäße, die durch die Entzündung angegriffen werden. Es kann zu einer Divertikelblutung kommen. Besonders bei PatientInnen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, treten im Rahmen einer Divertikulitis Blutungen auf.

Wie therapieren

Die Beschwerden einer Divertikulitis werden mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Medikamenten erfolgreich behandelt. Darüber hinaus wirken manche Antibiotika auf die ursächliche Infektion im Bereich der Divertikel. So zum Beispiel Rifaximin, das nach der Einnahme fast vollständig im Darm bleibt und nicht in den Körper aufgenommen wird. Damit wirkt es direkt im Bereich des Dickdarmes auf die Bakterien – ohne Nebenwirkungen auf den Gesamtorganismus. Eine Divertikelblutung, Abszesse oder gar eine Darmperforation sind medizinische Notfälle und bedürfen einer unverzüglichen, medizinischen Begutachtung und Behandlung in einem Krankenhaus. In der akuten Entzündungsphase sollte der Dickdarm nicht durch schwer verdauliche Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte bzw. rohes Obst und Gemüse belastet werden, sondern es sollten leicht verdauliche Kost und ausreichend Flüssigkeit (2–3 Liter täglich) eingenommen werden. Bewegung ist in der Phase einer akuten Entzündung auf ein notwendiges Maß zu reduzieren, körperliche Schonung wird empfohlen.

Bei häufiger und starker Symptomatik wird eine Operation notwendig. Dabei wird das divertikeltragende Dickdarmstück entfernt, und die gesunden Darmenden werden miteinander verbunden. Diese Operation kann in den meisten Fällen mittels Laparoskopie durchgeführt werden. Davor ist eine Kolonoskopie oder spezielle Computertomografie (CT) notwendig, um eine andere Ursache der Beschwerden auszuschließen und die Ausdehnung der Divertikel im Dickdarm festzustellen.

Was ist für die Schnittstelle Allgemeinmediziner/In, niedergelassener Facharzt/niedergelassene Fachärztin wichtig?

PatientInnen mit fallweise auftretenden Beschwerden durch Divertikulose, wie Verstopfung und leichte Bauchschmerzen bis hin zur unkomplizierten Divertikulitis, können meist problemlos in der Ordination für Allgemeinmedizin behandelt werden. Neben der Entlastung des Verdauungstraktes und Förderung der Entleerung durch milde Abführmittel ist auch eine dauerhafte Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung zur Vorbeugung weiterer Symptome notwendig. Weiters ist es wichtig, Anzeichen für einen komplizierten Verlauf wie heftige Bauchschmerzen und Allgemeinsymptome mit Fieber und Abgeschlagenheit rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls durch eine Blutlaboranalyse der Entzündungszeichen zu bestätigen. Bei deutlich erhöhten Entzündungszeichen (Blutsenkung, C-reaktives Protein, Leukozyten und Fibrinogen) sollte ein niedergelassener Facharzt/eine niedergelassene Fachärztin in die Behandlung einbezogen werden bzw. der/die PatientIn in die chirurgische oder gastroenterologische Ambulanz eines Krankenhauses zur weiteren Abklärung auf Komplikationen (Abszess, Perforation) mit Kontrastmittel-CT überwiesen werden. Auch rektale Blutabgänge bei bekannter Divertikulose sollten fachärztlich weiter abgeklärt und behandelt werden.

 

Wissenswertes für die Praxis
  • Einmal entstandene Divertikel bilden sich nicht mehr zurück, allerdings kann die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Beschwerden oder Komplikationen, wie Divertikulitis, durch ballaststoffreiche Nahrung, reichliche Flüssigkeitsaufnahme und körperliche Bewegung verringert werden.
  • Die Beschwerden einer Divertikulitis können mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Darüber hinaus wirken manche Antibiotika auf die ursächliche Infektion im Bereich der Divertikel.
  • PatientInnen mit Divertikulose oder unkomplizierter Divertikulitis können in einer allgemeinmedizinischen Ordination problemlos behandelt werden. Bei Divertikelblutung, Abszess oder gar Darmperforation bedarf es einer Behandlung in einem Krankenhaus.
AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl

Facharzt für Chirurgie
Klinische Abteilung für Viszeralchirurgie
MedUni Wien/AKH
© Astrid Bartl


AEK 05|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-03-09