Ibuprofen: Nichtselektiver COX-1- und COX-2-Hemmer

Charakterisierung und Anwendung
Ibuprofen ist ein Racemat aus dem wirksamen (S)-(+)-Ibuprofen (Dexibuprofen) und dem unwirksamen (R)-(–)-Ibuprofen. Es wurde in den 1950er-Jahren im Rahmen einer Studie entdeckt, die zum Ziel hatte, nebenwirkungsärmere und stärker wirksame Substanzen zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen zu finden. Seitdem gehört Ibuprofen zu einem der am häufigsten angewendeten NSAR. Es wirkt analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch, daher wird Ibuprofen für viele Indikationen angewendet und ist auch in einigen Leitlinien genannt.1

Laut der S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten“ kann die Behandlung von Patientinnen mit einer akuten unkomplizierten Zystitis mit Ibuprofen statt einer antibiotischen Therapie erfolgen. Dabei wird die Einnahme von 3-mal 400 mg über 3 Tage empfohlen.2

Ibuprofen wird für Schmerzen aller Art eingesetzt, vor allem für Kopf- und Zahnschmerzen. Weiters findet sich der Wirkstoff in zahlreichen Präparaten gegen Erkältung und grippale Infekte.

Ibuprofen ist für Babys ab 3 Monaten und Kinder bis 12 Jahre in einer maximalen Tagesdosis von 20–30 mg/kg KG zugelassen. Diese Dosis kann auf 3–4 Einzeldosen aufgeteilt werden. In Form von Suppositorien kann Ibuprofen bei Babys ab 3 Monaten und einem Gewicht von mehr als 6 kg angewendet werden. Dabei gilt die gleiche Tagesmaximaldosis von 20–30 mg/kg KG, jedoch sollte eine wiederholte Gabe eines Zäpfchens erst nach 6 Stunden erfolgen.
Für Kinder über 12 Jahre und Erwachsene gilt eine maximale Tagesdosis von ­1.200 mg, am besten verteilt auf 3–4 Einzeldosen.
Ibuprofen ist in Österreich in Form von Dragees, Suspension, Kapseln, Filmtabletten, Weichkapseln, Infusionslösung, topischem Gel, Sirup, Zäpfchen, Brausegranulat und Schmelztabletten zugelassen.1, 3

Wirkmechanismus
Ibuprofen hemmt nichtselektiv die Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 und damit auch die Synthese entzündungsvermittelnder Prostaglandine.3

Pharmakokinetik
Ibuprofen wird nach oraler Einnahme teils im Magen, teils im Dünndarm resorbiert und in der Leber metabolisiert. Die Elimination erfolgt hauptsächlich über den Harn.

Bei Patienten mit leichten bis mittleren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen muss keine Dosisanpassung erfolgen, jedoch ist eine sorgfältige Überwachung der Organfunktionen erforderlich. Für Patienten mit einer GFR < 30 ml/min ist Ibuprofen kontraindiziert.3, 4

Interaktionen
Die gleichzeitige Einnahme von Ibuprofen mit anderen NSAR, mit SSRI, Glukokortikoiden oder Thrombozytenaggregationshemmern sollte wegen des erhöhten Risikos einer gastrointestinalen Blutung oder Ulzera vermieden werden. Durch Ibuprofen können die Serumspiegel von Arzneistoffen wie Digoxin, Phenytoin oder Lithium erhöht werden, was aufgrund ihrer geringen therapeutischen Breite unerwünschte Folgen haben kann.3
Die Kombination eines Diuretikums mit einem NSAR und einem ACE-Hemmer oder Sartan wird auch „Triple Whammy“ genannt und kann zu akutem Nierenversagen führen, da es gleichzeitig zu einer Abnahme des glomerulären Filtrationsdrucks (ACE-Hemmer + NSAR) und einer Hypovolämie (Diuretika) kommt.5

Während des 1. und 2. Trimenons der Schwangerschaft ist Ibuprofen aufgrund erhöhter kardiopulmonaler Toxizität für den Fetus nur nach strenger Indikationsstellung möglich. Im 3. Trimenon ist Ibuprofen kontraindiziert. Während der Stillzeit gehört Ibuprofen neben Paracetamol zu den Analgetika der Wahl.6

Weitere Hinweise

  • Acetylsalicylsäure sollte eine halbe Stunde vor oder 8 Stunden nach Ibuprofen-Einnahme eingenommen werden.
  • Ibuprofen wird bevorzugt zum Essen eingenommen.

Literatur:

  1. Karow T, Lang-Roth R, Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 26. Auflage. Thomas Karow Verlag, 2018
  2. Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3-Leitlinie, Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1–2, 2017, AWMF-Registernummer: 043/044, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043- 044l_S3_Harnwegsinfektionen.pdf [12. 10. 2021]
  3. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Ibuprofen [12. 10. 2021]
  4. Ibuprofen. https://www.dosing.de/popup_niere.php?monoid=349 [12. 10. 2021]
  5. Prieto-García L, Pericacho M, Sancho-Martínez SM et al., Mechanisms of triple whammy acute kidney injury. Pharmacol Ther. 2016 Nov; 167:132–145. DOI: 10.1016/j.pharmthera.2016.07.011
  6. Ibuprofen. https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ibuprofen/ [12. 10. 2021]
AutorIn: Mag. pharm. Sonja Maier

Apothekerin in Graz


Apo-K 21|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-11-12