Wenn die Speiseröhre brennt …

Die häufigsten Ursachen für unangenehmes Sodbrennen sind eine gesteigerte Produktion der Magensäure sowie eine Tonusstörung des unteren Ösophagussphinkters, wodurch die Magensäure ungehindert in den Ösophagus gelangen kann. Nicht immer sind die Symptome eindeutig einem Reflux zuzuordnen (siehe Tabelle).

 

 

Übermäßiger Druck auf den Ösophagussphinkter, wie etwa bei bestehendem Übergewicht oder durch eine sehr reichliche Mahlzeit, kann ebenso zu einem Reflux führen. In der Schwangerschaft ist der Sphinktertonus auf Grund der hormonellen Situation vermindert, außerdem steigt der Druck mit der zunehmenden Größe des Kindes. Auch zahlreiche Medikamente können die Funktion des unteren Ösophagussphinkters beeinflussen und somit ­einen Reflux begünstigen. Dazu zählen beispielsweise Calciumkanalblocker, Theophyllin, aber auch Alkohol.

Rezeptfreie Hilfe

Bei leichten Beschwerden, die nur ­gelegentlich auftreten, ist eine Selbstbehandlung durchaus möglich. In der Schwangerschaft oder bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen ist jedoch der Arztbesuch ratsam. Als schnelle Hilfe eignen sich Antazida zur Neutralisation der überschüssigen Magensäure. Hier kommen alkalische Verbindungen wie CaCO3, MgCO3 oder Speisesoda (NaHCO3) zum Einsatz, welche jedoch den Nachteil der CO2-Bildung aufweisen (Blähungen!). Einen wirksamen Schutzfilm bildet ein aus Braunalgen gewonnenes Alginat, wobei nach Kontakt mit der Magensäure der Film an die Oberfläche des Mageninhaltes transportiert wird. Somit liegt eine physikalische Barriere gegen den Reflux vor.

Kieselsäuregele wirken ebenfalls säurebindend und bilden außerdem einen viskösen Schutzfilm über die empfindliche Magenschleimhaut. Sehr effektiv sind die so genannten Schichtgitterantazida Magaldrat und Hydrotalcit, welche ihre Wirkung in Entsprechung des Säuregehaltes im Magen entfalten und nur überschüssige Säure neutralisieren. H2-Blocker wie beispielsweise Ranitidin reduzieren die Magensäureproduktion durch kompetitive Verdrängung des Histamins von den Belegzellen. Aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer, welche die H+-K+-ATPase hemmen, sind Omeprazol und Pantoprazol rezeptfrei erhältlich. Von einer längerfristigen Einnahme ist jedoch auf Grund des Nebenwirkungspotenzials im Rahmen der Selbstmedikation abzuraten (Veränderungen der Darmflora, des Knochenstoffwechsels, Mangel an Vitamin B12).

Beliebte Arzneipflanzen bei übermäßiger Magensaftproduktion sind Kamillenblüten, Käsepappel- und Melissenblätter. Sie wirken entzündungshemmend und beruhigen die gereizte Magenschleimhaut. Die Melisse wirkt außerdem spasmolytisch. Eibischblätter und -wurzeln sind auf Grund ihrer Schleimstoffe ebenfalls sehr wirksam. Auch die Süßholzwurzel darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Ihr Hauptinhaltsstoff Glycyrrhizin bewirkt unter anderem eine verminderte Magensaftproduktion sowie eine reduzierte Pepsinaktivität. Diskutiert werden auch hemmende Effekte der Glycyrrhetinsäure auf Helicobacter pylori.

Weitere Maßnahmen

Bei der Beratung an der Tara dürfen keinesfalls Ernährungsempfehlungen fehlen. Besonders wichtig ist das Meiden von Alkohol, Kaffee sowie scharfer, saurer und fetter Speisen. Auch Kohlensäure und sehr süße Speisen werden meist schlecht vertragen. Empfehlenswert sind mehrere kleine Mahlzeiten, welche über den Tag verteilt in Ruhe und in aufrechter Position eingenommen werden. Die letzte Mahlzeit sollte mindestens 2 Stunden vor dem Schlafengehen erfolgen. Das Führen eins Ernährungstagebuches ist hilfreich, um individuelle Unverträglichkeiten erkennen zu können. Bei bestehender Adipositas ist Gewichtsreduktion unverzichtbar für eine langfristige Besserung. Raten Sie unbedingt auch zum Rauchverzicht und wenn möglich zu Stressreduktion. Bei nächtlichen Beschwerden ist es hilfreich, das Kopfende des Bettes höher zu stellen.

 

AutorIn: Mag. pharm. Kornelia Baumgartner

Apo-K 19|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-09