Diplomfortbildung: Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen

Die meisten Gefäßkatheter-assoziierten Infektionen entstehen bei der Anlage des Katheters, wenn die Hautflora oder sonstige transiente Kolonisationsflora durch den Stichkanal in das Gewebe und in die Blutbahn verbracht wird. Zudem können Erreger, die über die Katheter-Eintrittsstelle entlang der Außenseite des Katheters in das Gewebe und Gefäßsystem wandern, die Katheteroberfläche oder vom Katheteransatzstück aus die Katheterinnenfläche besiedeln. In etwa fünf Prozent der Fälle sind Erreger Ursache für Infektionen, die ausgehend von einem entfernten Infektionsort über die Blutbahn zum Gefäßkatheter transportiert werden.

Vorsorge durch Hygiene

Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass durch die Einhaltung von Basishygienemaßnahmen bis zu zwei Drittel Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen verhindert werden könnten. Durch die konsequente Einhaltung evidenzbasierter Maßnahmen für die Indikationsstellung, während des Legens sowie im Rahmen der Pflege des liegenden Gefäßkatheters kann die Inzidenz Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen auch längerfristig und nachhaltig bis zur Hälfte reduziert gehalten werden.
Eine der ersten international weit verbreiteten Leitlinien zur Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen, die alle damals verfügbaren hochwertigen klinischen Studien und Metaanalysen berücksichtigte, wurde 2002 von den CDC veröffentlicht. Die CDC-Leitlinie wurde erst kürzlich aktualisiert, wobei weitgehend alle bis 2011 veröffentlichten wesentlichen Arbeiten zum Thema berücksichtigt wurden. Hier wird zur Vermeidung einer intra- als auch extraluminalen Kolonisation und in der Folge einer Infektion empfohlen, bereits beim Legen sowie während der Manipulation und Pflege des liegenden Katheters evidenzbasierte Maßnahmen zu implementieren.

Regelmäßige Überprüfung

Die Anlage eines zentralen Gefäßzugangs kann im Rahmen lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen zwingend erforderlich sein. Allerdings muss dieser Vorteil gegen das Risiko einer Gefäßkatheter-assoziierten Infektion abgewogen werden. Die Verweildauer eines Gefäßkatheters stellt einen Risikofaktor für eine Infektion dar. Bei konventionellen Gefäßkathetersystemen sollte die Indikation für denVerbleib des Katheters deshalb täglich überprüft werden, um die Liegezeit so kurz wie möglich zu halten. Teilimplantierte Gefäßkatheter sollten zumindest einmal pro Woche auf ihre Notwendigkeit überprüft und gepflegt werden. Für implantierte Portsysteme sind Angaben zu routinemäßigen Pflege- und Inspektionsfrequenzen schwierig. Wenn möglich, sollten diese jedoch wöchentlich oder in längeren Intervallen erfolgen.

Aseptisches Legen und Pflege

Das Legen eines Gefäßkatheters ist unter hygienisch optimalen Bedingungen, wie an einer Intensivstation oder im Operationssaal, mit deutlich niedrigeren Kolonisationsraten verbunden. In einer Reihe randomisiert kontrollierter Studien wurde übereinstimmend nachgewiesen, dass die Anwendung eines Maßnahmenbündels, bestehend aus korrekt durchgeführter Händedesinfektion, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie steriler Handschuhe und Verwendung eines sterilen Abdecktuches, zu einer signifikanten Reduktion der Inzidenz Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen führt.
Auch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen bei der Pflege ­eines Gefäßkatheters führt zu einer Verringerung der Infektionsraten. Dazu gehörten das Spülen des Katheterlumens, das ­Sauberhalten der Konnexionsstelle sowie die Pflege der Katheterinsertionsstelle mit steriler, nicht transparenter Gaze oder mit einem sterilen, transparenten, semipermeablen Folienverband.

Literatur beim Verfasser

 

DFP-Literaturfortbildung

Dieser Bericht beinhaltet einen Teilaspekt aus dem DFP-Beitrag „Prävention assoziierter Infektionen“ von Univ.-Prof. Dr. Ojan ­Assadian (Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und In­fe­ktionskontrolle, Medizinische Universität Wien), erschienen in „die PUNKTE Intensivmedizin“ 1/2014 bzw. auf www.meindfp.at. Sie erhalten 2 DFP-Punkte.
In dieser Ausgabe können Sie auf Basis des Beitrages „Diagnose, Prävention und Behandlung von akzidenteller perioperativer Hypothermie“ weitere 2 DFP-Punkte erwerben. Die DFP-Punkte erhalten Sie ­online durch Beantwortung des dazugehörigen Fragebogens auf www.meindfp.at.

 

 

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und ­Infektionskontrolle Medizinische Universität Wien Tel: +43-1-40 400-19040 ojan.assadian@meduniwien.ac.at

MP 01|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-02-04