Wunsch & Wirklichkeit in der Autoimmundiagnostik

Autoimmunerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis (RA) sind vor allem für die Nichtrheumatologen klinisch nur schwierig von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Was würden Sie als geeignete Basisdiagnostik vorschlagen, um – vor allem auch für den niedergelassenen Bereich – eine Autoimmunerkrankung grob auszuschließen bzw. welche Parameter könnten sich für einen Screeningtest eignen?

Unterschiedliche Autoantikörper sind bei RA-Patienten bisher gefunden worden, lediglich Rheumafaktoren (RF) und Antikörper gegen citrullinierte Peptide, zum Beispiel Anti-CCP, werden gegenwärtig in der Routinediagnostik eingesetzt. Für die Dia­gnose einer rheumatoiden Arthritis wird üblicherweise der Rheumafaktor vom Typ IgM bestimmt, dieser hat eine Sensitivität von 80 % und eine Spezifität von 85 %. Bis zu 20 % der RA-Patienten bleiben während ihres gesamten Krankheitsverlaufes Rheumafaktor-negativ (seronegative RA). Die Sensitivität von Anti-CCP ist vergleichbar mit dem Rheumafaktor, die Spezifität ist allerdings höher (ca. 95 %). Anti-CCP kann auch bei Rheumafaktor-negativen Patienten nachgewiesen werden. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP) sind gewöhnlich in der aktiven Krankheitsphase erhöht.

Werden von Ihrem Labor auch Anforderungen aus dem niedergelassenen Bereich angenommen? Welche Parameter werden für den niedergelassenen Bereich bestimmt?

Aus dem niedergelassenen Bereich werden über Spezialambulanzen Anforderungen, die das klassische Spektrum umfassen, angenommen.

Welche Entwicklungen hat es auf dem Gebiet der Autoimmundiagnostik in den letzten Jahren gegeben? Gibt es verlässliche Point-of-Care-Tests?

Die Entwicklung in der Autoimmundiagnostik ist eine kontinuierliche. Es werden laufend neue Tests zur Bestimmung ­diverser Antikörper angeboten. In unserem Labor wurde in den letzten zwei Jahren eine Reihe neuer Untersuchungen in der Autoimmunologie etabliert, beispielsweise der Leberblot zur Differenzierung autoimmunologischer Lebererkrankungen wie die Autoimmunhepatitis und primär biliäre Zirrhose. Zur Differentialdiagnose von M. Crohn und Colitis Ulcerosa stehen Anti-Saccharomyces-cerevisiae-Antikörper (ASCA) zur Verfügung, auf dem Gebiet der Dermatologie für Pemphigus/Pemphigoid-Erkrankungen Desmoglein-1, Desmoglein-3, ­Envoplakin und die bullösen Pemphigoid-Antigene BP180 und BP230. Zur weiteren Abklärung von einem Diabetes stehen Nachweise für Glutaminsäure Decarboxylase Antikörper (GAD), Tyrosin-Phosphatase-Antikörper (IA2) und Insulin-Antikörper zur Verfügung. In der Neurologie gibt es zum Nachweis von Myositiden einen Myositis-Blot, für paraneoplastische neurologische Symptome einen neuronalen Antigen-Blot, für periphere Neuropathien einen Gangliosid-Blot, zur Diagnose einer Enzephalitis können Anti-Glutamat-­Rezeptor (Typ NMDA)-Antikörper bestimmt werden.
Point-of-Care-Tests sind derzeit in der Autoimmunologie noch nicht etabliert.

AutorIn: Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander Haushofer

Leiter des Instituts für Medizinische und Chemische Labordiagnostik mit Blutbank am Klinikum Wels-Grieskirchen, gibt Einblick in die tägliche Praxis und neue Entwicklungen in der Autoimmundiagnostik.


MP 01|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-02-04