Fairer Wettbewerb für Klein- und Mittelbetriebe

Im Interview beschreibt KR Mst. Reinhard Di Lena, Managing Director eines Kleinbetriebes der Medizinprodukte-Branche und AUSTROMED-Vorstandsmitglied, die möglichen Auswirkungen einer zentralen Beschaffung, wie sie in der Reformpartnerschaft aktuell angedacht ist.

Welche Auswirkungen erwarten Sie durch eine zentrale Beschaffung für KMU?
Einerseits könnte der Zugang zu mehr Gesundheitseinrichtungen und größeren Aufträgen ermöglicht werden. Dem gegenüber steht die Abhängigkeit von wenigen Vergaben. Ein KMU, das zum Beispiel auf eine Produktgruppe spezialisiert ist und den Zuschlag nicht bekommt, hat für eine bestimmte Zeit keine Chance mehr, im öffentlichen Bereich einen Auftrag zu generieren. Das kann das „Aus“ für viele kleine, spezialisierte Unternehmen bedeuten.

Wie sehen die Wettbewerbsbedingungen zwischen KMU und größeren Anbietern aus?
Große Unternehmen haben meistens eine große Produktvielfalt und somit auch ein gestreutes Risiko. Sie können große Ausschreibungen leichter bewältigen, da sie meist über mehr Ressourcen verfügen, wie etwa eine eigene Rechtsabteilung. KMUs hingegen punkten mit Anpassungsfähigkeit, Spezialisierungen und flexibleren Reaktionszeiten.

Was verändert sich an Kundenbeziehungen?
Zentrale Vertragsentscheidungen könnten den direkten Austausch mit den Gesundheitseinrichtungen reduzieren. Damit kann auf besondere Bedürfnisse der einzelnen Einrichtungen bei der Angebotslegung nicht mehr eingegangen werden.

Welche organisatorischen oder administrativen Herausforderungen würden durch zentrale Ausschreibungs- und Beschaffungsprozesse für Ihr Unternehmen entstehen?
Wir müssten eine eigene Abteilung, die auf große öffentliche Vergaben spezialisiert ist, etablieren. Wenn Vergaben nur mehr zentral erfolgen, müsste man die gesamte Unternehmensstruktur überdenken. Die Hauptaufgaben von Vertriebsmitarbeitenden, wie Kundenakquise vor Ort, wo Bedürfnisse geklärt werden, wo neue Innovationen präsentiert werden, würden wegfallen.

Inwiefern könnten Anforderungen an Liefermengen, Lieferfähigkeit oder Logistik für ein KMU zu einer Herausforderung werden?
Um die Anforderungen für Großprojekte dieser Art erfüllen zu können, wären größere Lagerbestände erforderlich, die Kapital massiv binden. Öffentliche Rahmenverträge ohne Abnahmegarantien, stellen eine finanzielle Hürde für KMUs dar. Auch die logistischen Strukturen müssten angepasst werden, da KMU häufig nicht über ausreichende personelle Kapazitäten verfügen, um österreichweite Großprojekte abzuwickeln.

Welche Rahmenbedingungen müsste eine zentrale Beschaffung erfüllen, damit KMU weiterhin erfolgreich teilnehmen können?
Eine wichtige Rolle spielen Eignungskriterien, die so gestaltet werden müssen, dass KMU nicht automatisch ausgeschlossen werden, wie etwa Umsatzhöhe oder Referenzen. Ein KMU kann sich niemals mit einem großen Anbieter messen. Ein weiterer Faktor ist das finanzielle Risiko, das über Abnahmegarantien, planbare Lieferfristen oder keine langen Preisbindungen reguliert werden müsste. KMU sind meist Handelsunternehmen, die abhängig von ihren Lieferanten sind, und können deren Preispolitik nicht beeinflussen.