Neue ADA/EASD-Empfehlungen zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes

KOMMENTAR: ADA/EASD-Empfehlungen zur Diabetestherapie 2012 – Anmerkungen aus österreichischer Sicht

Einen großen Schritt nach vorn für die Diabetologie stellt sicherlich die Tatsache dar, dass die neuen ADA/EASD-Empfehlungen auch bei dem Thema der Insulintherapie der Tatsache Rechnung tragen, dass für viele weiterführende Fragen zu wenig Evidenz vorliegt, um eindeutige und konklusive Aussagen zu tätigen.
Als eine wichtige Kernaussage kann genommen werden, dass der niederschwellige Eintritt in die Insulintherapie (1 Injektion pro Tag) einerseits als wichtiger erster Schritt empfohlen wird. Andererseits wird der Treat-to-Target-Ansatz – das prospektive, auf Selbstmessung und Dosisselbstanpassung basierende, langsame Erarbeiten der individuell passenden Insulindosis durch den Patienten selbst – als ein für die meisten Patienten erlernbarer Behandlungsweg angesprochen. In erster Linie wird das in diesen Empfehlungen als Übergang von einer Behandlung mit oralen Antidiabetika über eine basalinsulin unterstützte orale Therapie (BOT) zur Basis-Bolus-Insulintherapie (BBIT) beschrieben. Mischinsulin wird als benutzerfreundlichere, aber weniger flexible Strategie etwas in den Hintergrund gerückt.
In Österreich wird nun, anders als etwa in Deutschland oder den USA, in der Therapie des Typ-2-Diabetes wesentlich mehr Mischinsulin verwendet. Auf Basis der wissenschaftlichen Evidenz ist das meiner Meinung nach auch durchaus zu rechtfertigen, da die Studienlage klar zeigt, dass mit einem Szenario einer einmal täglichen Misch insulingabe am Abend (vergleichbar einer BOT) und einer weiteren Intensivierung mit zwei- oder dreimal täglicher Applikation Resultate erzielt werden können, die dem Weg über eine BOT zur BBIT absolut vergleichbar sind.
Damit bleibt zu festzuhalten, dass für die Insulintherapie offenbar gilt, dass viele oder sogar „alle Wege nach Rom führen“ und es möglich ist, für den individuellen Patienten die individuell passendste Therapieform auszuwählen.

Kommentar von: Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher

1. Medizinische Abteilung, Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse


DF 02|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, ÖDG
Publikationsdatum: 2012-05-03