Neue ADA/EASD-Empfehlungen zur antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes

KOMMENTAR: Neue ADA/EASD-Empfehlungen werden der Komplexität des Typ-2-Diabetes viel besser gerecht

Im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin werden weltweit immer mehr Leitlinien erstellt, die für bestimmte Krankheiten ganz bestimmte Therapiewege empfehlen. Die von einer kleinen Gruppe von Diabetologen (5 aus Nordamerika, 2 aus der Europäischen Union) wiederholt unter dem Namen „ADA/EASD Consensus“ herausgegebenen Empfehlungen (2006–2008) haben zu Recht weltweite Kritik ausgelöst. Zum einen sind die Therapieempfehlungen in vielen Punkten durch Studienevidenz nicht abgedeckt und erscheinen dadurch willkürlich. Zum anderen wird ein normierter Therapiealgorithmus vorgeschlagen, der die individuelle Befundkonstellation weitgehend unberücksichtigt lässt.
Als Reaktion darauf haben ich und 15 weitere klinisch erfahrene Diabetologen aus Europa und den USA einen Review publiziert, in dem wir die einzelnen Therapieempfehlungen kritisch analysiert haben. Dabei ging es uns nicht darum, dem „Konsensus-Algorithmus“ (Nathan et al.) eigene Empfehlungen gegenüberzustellen. Vielmehr war es unsere Absicht, auf die Mängel und Inkonsistenzen des ADA/ EASD-Papiers hinzuweisen und eine Reevaluation einzufordern. In diesem Sinn fühlen wir uns durch das aktuell publizierte Positionspapier bestätigt. Im Gegensatz zum Konsensus-Statement aus dem Jahr 2008 sind die neuen Empfehlungen patientenzentriert und in vielen wesentlichen Punkten auf einer Linie mit der Kritik, die wir 2010 in Diabetologia formuliert haben. Die Gesamtstruktur ist klar und das Therapiekonzept auch für Leser, die mit der neuesten Literatur nicht vertraut sind, einfach nachvollziehbar.

Kommentar von: Prim. Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner

1. Medizinische Abteilung, Rudolfstiftung Wien


DF 02|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Guntram Schernthaner, ÖDG
Publikationsdatum: 2012-05-03