Diabetes und Schwangerschaft

Univ.-Prof Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien

Glykiertes Plasma-CD59 als Prädiktor für frühen Gestationsdiabetes (GDM) und neonatale Komplikationen
Jose Halperin, 186-OR

Der Nachweis von pgCD59 innerhalb der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ist ein hochsensitiver und -spezifischer Prädiktor für GDM. Die DALI-Studie, die adipöse Schwangere untersuchte, evaluierte pgCD59 zudem auf die prädiktive Aussagekraft hinsichtlich des frühen GDM in einem Risikokollektiv. Die Studie inkludierte 205 Patientinnen mit frühem GDM (< 20 SSW) sowie eine Kontrollgruppe mit normaler Glukosetoleranz. In der GDM-Kohorte wurde eine Korrelation zwischen LGA-Risiko (> 90. Perzentile) und pgCD59 dokumentiert; das Risiko stieg dabei mit höheren pgCD59-Spiegeln an. Des Weiteren waren erhöhte pgCD59-Werte mit einem größeren Risiko für kongenitale Fehlbildungen und neonatale Hypoglykämien assoziiert. Diesen Ergebnissen zufolge kann pgCD59 als Biomarker für die frühe Diagnose eines GDM sowie zur Risikoeinschätzung für potenzielle neonatale Komplikationen herangezogen werden.

Bedeutung für die Praxis: Nach wie vor gibt es wenig Evidenz für gute Prädiktoren für die Entwicklung eines GDM in der frühen Schwangerschaft und damit verbundenen Komplikationen. Die Definition und Validierung neuer Biomarker kann hier einen wichtigen Beitrag für eine einfachere Früherkennung und somit optimierte Versorgung in der Zukunft leisten.

 


Analysen der CONCEPTT-Studie: CGM bei schwangeren T1D-Patientinnen
Helen R. Murphy, 1402-P; 1403-P
Claire L. Meek, 1407-P

In der CONCEPTT-Studie war der Einsatz von rtCGM bei schwangeren bzw. eine Schwangerschaft planenden Frauen mit Typ-1-Diabetes mit verbessertem neonatalem Outcome verbunden, die mittleren Blutglukosewerte waren im Vergleich zur Kapillarmessung nicht unterschiedlich. Subanalysen der Studie zeigten folgende Ergebnisse:

  • Zusammenfassende Statistikmethoden erlauben keinen Rückschluss auf dynamische Tagesblutzuckerprofile; mittels funktioneller Datenanalysemethode wurde gezeigt, dass der Einsatz von CGM über 33 % des Tages mit niedrigeren Plasmaglukosespiegel assoziiert ist.
  • Patientinnen, die einen LGA-Säugling geboren hatten, wiesen während der Schwangerschaft über 16,5 h des Tages signifikant höhere Plasmaglukosespiegel auf.
  • CGM- (Time in Range, mittlere Glukosespiegel, Variabilitätskoeffizient) und Laborparameter (HbA1c, 1,5AG, gCD59) sind geeignete Prädiktoren für das neonatale Outcome (LGA, neonatale Hypoglykämie, Aufnahme in eine Neugeborenen-Intensivstation).

Fazit: Diabetes in der Schwangerschaft gilt nach wie vor als Hochrisikoschwangerschaft mit weitreichenden Folgen für Mutter und Kind. Eine normoglykämische Einstellung ohne wesentliche Hypoglykämien ist das oft schwer zu erreichende Ziel. Neue Möglichkeiten der glykämischen Kontrolle mittels CGM einschließlich neuer funktioneller Auswertungen sind gerade bei schwangeren Frauen mit Typ-1-Diabetes ein großer Fortschritt zur besseren Überwachung und Therapieanpassung. Die CONCEPTT Studie hat zumindest die Gleichwertigkeit von funktioneller Insulintherapie mit Pumpentherapie bestätigt und außerdem erstmals und eindrucksvoll die besseren neonatalen Ergebnisse mit CGM gezeigt.