SP 01|2017

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Sucht ist nichts für Willensschwache
    Der Satz „Sucht ist nichts für Willensschwache“ kann auf zweierlei Weise verstanden werden: zum Ersten als weitverbreiteter Allgemeinplatz, nämlich dass die Überwindung von Sucht bzw. Suchtkrankheit nur besonders willensstarken Menschen gelingen kann, während Willensschwache daran scheitern müssen. Zum Zweiten kann ...Weiterlesen ...

Focus: Drogen und substanzinduzierte Psychosen

  • Zum schwierigen Verhältnis stationärer und ambulanter Therapie Drogenabhängiger: Entweder – oder? Sowohl als auch!

    Verglichen mit der dynamischen Entwicklung und Ausdifferenzierung der Angebote in der ambulanten Behandlung Drogenabhängiger, die durch Einführung der Substitutionsbehandlung 1987 einen Schub erfuhr, kam es im stationären Bereich erst in den letzten 10 Jahren zu Veränderungen.

    Mit Integration substitutionsbasierter Therapieansätze und Flexibilisierung der Dauer entwickelte sich ein differenziertes stationäres Angebot.

    Eine gute Verknüpfung der Potenziale des stationären und ambulanten Bereiches ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit der Langzeittherapie.

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  • Sucht und Psychose: Komorbidität und/oder Folgeerscheinung?

    Suchterkrankungen und Psychosen haben viele Gemeinsamkeiten. Sie beeinflussen sich in vielen Dimensionen gegenseitig und bestehen oft gleichzeitig.

    Diese enge Vernetzung bildet sich aber nicht im therapeutischen System ab, dort gibt es zwar ausgefeilte Angebote für psychotische Patienten und spezialisierte Suchteinrichtungen, aber kaum Einrichtungen, die sich für beide Erkrankungen zuständig fühlen und darauf spezialisiert sind.

    Da gerade diese Patienten die schlechtesten Prognosen haben, ist das Gesundheits-system gefordert, sich auch für diese Patienten Behandlungsangebote zu überlegen.

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  • Eh nur kiffen. Mythen und Fakten des Cannabiskonsums

    Das Thema Cannabis – als Genussmittel oder als Medizin – wird medial emotionalisiert und politisiert, wodurch eine sachliche Diskussion kaum möglich ist.

    Aufgabe der Medizin ist es, wie bei jeder Substanz Vor- und Nachteile von Cannabisprodukten abzuwägen und entsprechend einzusetzen oder davor zu warnen. Die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze haben sehr unterschiedliche und teils gegensätzliche Wirkungen und können bei bestimmten Symptomen in extrahierter und standardisierter Form als Medikamente eingesetzt werden.

    Aufgrund mangelnden Wissens über viele der Inhaltsstoffe der Hanfblüte, fehlender Möglichkeiten einer genauen Dosierung und potenziell schwerwiegender Neben-wirkungen, ist der Einsatz von Marihuana und Haschisch als Medikament abzulehnen.

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  • Medikamenteninduzierte Psychosen

    Antiparkinsonika und Antiepileptika sind am häufigsten mit psychotischen Nebenwirkungen assoziiert. Ebenso können vor allem bei älteren Patienten Antibiotika (z. B. Metronidazol, Fluorchinolone, Makrolide, Beta-Laktam-Antibiotika) transiente psychotische Symptome auslösen.

    Zu beachten sind individuelle Risikofaktoren wie z. B. Alter, Dauer der Erkrankung oder genetische Varianten der Cytochrom-P450-Isoenzyme sowie Arzneimittelinteraktionen (Metabolismus über Cytochrom P450, gleichzeitige Wirkung auf dopaminerge und/oder serotonerge Netzwerke).

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Kongress

  • Schmerz im Alter: Eine Aufgabe zur Bewältigung oder Hoffnungslosigkeit

    API-KONGRESS 2017, WIEN

    Besonderheiten von Schmerzen im Alter sind u. a. eine hohe Prävalenz und eine verminderte Schmerztoleranz.

    Im Alter müssen verschiedene Entwicklungsaufgaben erledigt werden, die ungelöst zu psychischen und somatischen Schmerzen führen können.

    Multimodale Therapieansätze beinhalten u. a. Schmerzmedikation, Antidepressiva, Psychoedukation, Physiotherapie und psychotherapeutische Interventionen

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  • Die Schmerzen der Frauen und der Männer – Genderaspekte des Schmerzes

    API-KONGRESS 2017, WIEN

    Nach wie vor gelten Schmerzäußerungen von Männern als Zeichen von Schwäche, und die Sozialisation zielt häufig darauf ab, dass Männer lernen, Schmerzen zu unterdrücken bzw. auszuhalten. Es wird auch vermutet, dass Männer die eigene Schmerzhemmung besser aktivieren können.

    Hingegen werden Frauen durch ihre Sozialisation ermutigt, ihre Gefühle und Schmerzen mitzuteilen. Hinsichtlich der Schmerzempfindung können Frauen die eigene Schmerzhemmung zumeist nicht aktivieren und müssen sich somit öfter im Laufe ihres Lebens mit Schmerzen auseinandersetzen.

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Für die Praxis

  • CBASP − Ein Psychotherapiemodell zur Behandlung von Menschen mit chronischer Depression

    Die Grazer Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin setzt einen psychotherapeutischen Schwerpunkt bei chronischer Depression.

    CBASP, entwickelt von J. P. McCullough, ist eine störungsspezifische und schulenübergreifende Methode zur Behandlung chronisch depressiver Menschen.

    CBASP scheint besonders wirksam bei chronisch Depressiven mit früher Traumatisierung.

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  • Diagnostik und Therapie alkoholbezogener Erkrankungen

    Ziel jeder Behandlung alkoholbezogener Störungen muss eine Verbesserung des psychischen und somatischen Gesundheitszustandes sein.

    Der akute Alkoholentzug sollte im Sinne eines qualifizierten Entzuges erfolgen, der zumeist stationär durchgeführt wird.

    Im Rahmen der Rückfallprophylaxe zeigen störungsorientierte verhaltenstherapeutische Ansätze die höchsten Effizienzwerte. Zur Unterstützung der Rückfallprophylaxe stehen Anti-Craving-Substanzen zur Verfügung.

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Panorama