Selektive Therapie gegen Hyperpigmentierung: digitale Phototherapie bei Vitiligo

Vitiligo ist eine häufige (auto)immunvermittelte Erkrankung der Haut, die durch Zerstörung der Melanozyten gekennzeichnet ist. Unter einer Vielzahl potenzieller Behandlungsmöglichkeiten stellt die Phototherapie mit UVB-Bestrahlung einen wichtigen Grundpfeiler in der Therapie der Vitiligo dar. Die großflächige Ganzkörperbestrahlung ist jedoch gewöhnlich durch therapieassoziierte Bräunung der gesunden Haut – zumindest vorübergehend – mit einer verstärkten, kosmetisch störenden Kontrastbildung gegenüber der erkrankten Haut verbunden.1–4 Nicht selten kommt es auch mit den ansonsten zur gezielten Photo(chemo)therapie eingesetzten nichtdigitalen Lichtquellen (beispielsweise Excimer Laser) zu kosmetisch störender Hyperpigmentierung des Randbereiches depigmentierter Hautareale.

Digitale Phototherapie

Die innovative Entwicklung der digitalen Phototherapie hat völlig neue Möglichkeiten bezüglich selektiver Bestrahlung erkrankter Hautareale eröffnet. Bei dem von Lüllau Engineering entwickelten Therapiekonzept (Abb. 1) „skintrek“ werden UV-Strahlen einer konventionellen Lichtquelle durch einen Kondensor gebündelt, mithilfe eines Lichtmodulators („digital micro mirror device“) in 800.000 Pixelstrahlen digitalisiert und computergestützt automatisiert auf erkrankte Hautareale projiziert. Der Einbau verstellbarer Filter in den Strahlengang erlaubt die Produktion unterschiedlicher Bandbreiten im UVA- und UVB-Wellenlängenbereich. Auch besteht die Möglichkeit der Verwendung einer Lichtquelle mit Filtern für den blauen und sichtbaren Bereich. Die digitalisierten Pixelstrahlen lassen sich durch die integrierte Kamera und Bilderkennung der Systemsoftware zielgenau und semiautomatisiert auf die Haut projizieren.
Die bedienerfreundliche Software des Systems ermöglicht manuelle Korrekturen sowie eine graduelle Bestrahlung nach Gaußschem Prinzip (über 4 Stufen) in einer ± 6 mm breiten Randzone des Expositionsareals. Somit ist es möglich, die UV-Intensität und verabreichte Dosis an den Rändern einer Läsion graduell schwächer werden zu lassen, um einer randbetonten Hyperpigmentierung vorzubeugen. Im Falle depigmentierter Läsionen ist durch die in den Belichtungskopf integrierte Kamera mit Wood- Licht eine automatisierte präzise Erkennung betroffener Areale möglich. Mittels Kamera und Software werden kleine Bewegungen des Patienten während der Belichtung erkannt, mitverfolgt und das Belichtungsfeld automatisch adjustiert. Bei der Belichtungseinheit des „skintrek“ PT5 (Abb. 2), von dem wir einen Prototypen im Rahmen eines Forschungsprojektes testen konnten, ist dabei die Belichtungseinheit über einen Schwingarm in 4 Achsen beweglich. Sie kann durch Schrittmotorentechnik so eingestellt werden, dass möglichst wenige Umlagerungen bzw. Umpositionierungen des Patienten erforderlich sind, um Krankheitsareale an entfernt voneinander gelegenen Körperstellen exponieren zu können. Der „proof of concept“ für die digitale Phototherapie wurde bei Patienten mit Psoriasis und Mycosis fungoides erbracht, bei denen Krankheitsherde selektiv und effektiv bestrahlt wurden. Dabei wurde die gesunde Haut ausgespart und dadurch geschont.5, 6

 

 

Rezente Machbarkeitsstudie

Wir führten jüngst eine Machbarkeitsstudie der digitalen Phototherapie mit dem Kompaktsystem „skintrek“ PT3 bei Vitiligo durch, erbrachten den „proof of principle“ und beobachteten selektive Repigmentierung depigmentierter Flecken bei Patienten mit fazialer Vitiligo.7 Ein Vergleich fotografischer Aufnahmen, die jeweils vor und nach Phototherapie angefertigt wurden, zeigte: Eine Verbesserung der Pigmentierung um über 50 % wurde bei zwei von insgesamt vier Patienten festgestellt. Ein weiterer Patient zeigte eine Verbesserung um über 20 %. Insgesamt erhielten die Patienten eine konstante Anzahl von 24 Bestrahlungen innerhalb von 13–16 Wochen (Abb. 3). Periläsionale Hyperpigmentierungen und/ oder Nebenwirkungen anderer Art blieben mit Ausnahme von sporadischen Sonnenbrandreaktionen im Bereich der exponierten depigmentierten Areale aus. Die Patienten, die gut auf die Therapie ansprachen, waren mit dem Ergebnis der Therapie überaus zufrieden.

 

 

Fazit

Die digitale Phototherapie ist besonders im Hinblick auf Effektivität, Kosmetik und Langzeitsicherheit (durch Vermeidung unnötiger Exposition gesunder Haut) ein vielversprechender Ansatz in der Therapie der Vitiligo.

 

1Bae JM et al., JAMA dermatology 2017; 153 (7):666–74
2Ibbotson SH, Front Med 2018; 5:1–8
3Whitton ME et al., Cochrane Database Syst Rev 2015; Feb 24; (2)
4Hofer A et al., J Eur Acad Dermatology Venereol 2006; 20 (5):558–64
5Werfel T et al., Br J Dermatol. 2015; 172 (3):746–53
6Reidel U et al., Photodermatol Photoimmunol Photomed 2015; 31 (6):333–40
7Graier T, Hofer A, Wolf P, Br J Dermatol 2019; https://doi.org/10.1111/bjd.18697

 

AutorIn: Dr. Thomas Graier

Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Graz


AutorIn: Ao. Univ.-Prof. Dr. Angelika Hofer

Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Graz

Foto: Werner Stieber


AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Peter Wolf

Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Graz

Foto: MedOnline


SD 01|2020

Herausgeber: Ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Constanze Jonak, Ao. Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld, Universitätsklinikfür Dermatologie, Wien; Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Wien
Publikationsdatum: 2020-04-03