UIM 02|2013

UIM 02|2013 Themenheft Onkologie

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs

Personalisierte Medizin in der Onkologie

Editorial

  • Editorial zum Themenheft Onkologie
    Gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Errungenschaften finden oft nur sehr zögernd zueinander, manchmal gar nicht. Selten jedoch ergänzen einander gesundheitspolitische Vorstellungen und medizinischer Fortschritt so fließend wie im Streben nach „Personalisierter Medizin“.
    Bevor wir auf die Gründe dafür eingehen, ein paar ...Weiterlesen ...

Focus: Personalisierte Medizin – Erwartungen, Erfolge, Herausforderungen

  • Crossing Entity Borders – personalisierte Medizin
    Die richtige Therapie beim richtigen Patienten verbessert das klinische Ergebnis
    Man kann immer wieder nur festhalten, dass die Theorie der Klinik oft weit voraus ist, dennoch haben Kliniker einen wesentlichen Vorteil, indem das „proof of concept“ grundlagenforschender Erkenntnisse nur in ...Weiterlesen ...
  • Experimentelle und diagnostische Voraussetzungen, grundlegende Konzepte

    Die Zeit ist reif für neue Konzepte der personalisierten Medizin:

    • Die letzten Jahrzehnte waren von unglaublichen Erneuerungen in der systemischen onkologischen Therapie geprägt.
    • Die Entwicklung antitumoraler Wirkstoffe hat sich durch die zielgerichteten Ansätze komplett gewandelt.
    • Die genetisch orientierte Diagnostik rückt molekulare Merkmale der Krankheit in den Vordergrund – eine funktionelle Diagnostik ist der logische nächste Schritt.

    Personalisierte Medizin entfernt sich von den anatomischen Grenzen der Erkrankung:

    • Die neuen Möglichkeiten erfordern neue Studienkonzepte mit Biomarkerbasiertem Design.
    • International ist der Zug abgefahren: Österreich darf den Paradigmenwechsel nicht versäumen.
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  • Verschmelzung von personalisierter Medizin und Data Science – Therapien aus der Black Box?

    Neue Studienkonzepte der personalisierten Medizin erfordern einen grundlegend anderen statistischen Zugang.

    Individuelle Veränderungen in der genetischen Ausstattung eines Tumors im Krankheitsverlauf machen die Situation einmalig.

    Die Bayesianische Statistik nutzt die zur Verfügung stehende Information zu einer Vorhersage für den individuellen Patienten.

    Eine neue Generation von Computeralgorithmen, die Bayesianische Maschine, kann mit relevanten Informationen (z. B. Mutationsdaten) gespeist werden, lernt mit jedem Therapieverlauf dazu und generiert immer bessere Therapievorschläge.

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  • Systembiologie zur Vorhersage von Synergien zielgerichteter Therapien

    Ziel der Systembiologie ist es, die komplexen Interaktionen in Zellen, Geweben und Organismen zu messen und modellieren, um überprüfbare Hypothesen z. B. zum Ansprechen auf Medikamente zu generieren.

    Die Zukunft der Onkologie liegt in der Kombinationstherapie mit mehreren zielgerichteten Substanzen, aber die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten macht systematisches Testen am Patienten im klassischen klinischen Studienmodell unmöglich.

    In der personalisierten Medizin muss über die Messung systembiologischer Parameter aus Biopsiematerial die optimale Kombination für den jeweiligen Patienten vorhergesagt werden können.

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  • Personalisierte Kombinationstherapien – was die Krebsforschung von Erfolgen in der HIV-Behandlung lernen kann

    Die personalisierte Kombinationstherapie bei HIV stellt die Speerspitze der personali­sierten Medizin dar.

    Interessante Parallelen zwischen HIV-Infektionen und Krebserkrankungen – z. B. die Resistenzentwicklung auf Basis von Mutationen – eröffnen die Möglichkeit, aus den Erfolgen der personalisierten HIV-Therapie auch neue Ansätze für die Krebstherapie abzuleiten.

    In der HIV-Behandlung ist die patientenspezifische Charakterisierung von Resistenzen gegen HIV-Medikamente als Wegweiser für effektive Kombinationstherapien bereits klinische Routine. In ähnlicher Weise könnten individualisierte Kombinationstherapien auch in der Onkologie Einzug halten.

    Eine Grundlage hierfür sind Fortschritte bei der genetischen Charakterisierung von Tumoren und beim Auffinden von Biomarkern, die rechtzeitig einen Wechsel auf geeignete neue Kombinationspartner anzeigen können.

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  • Klinische Protokolle zur Überprüfung der Validität einer individualisierten Krebstherapie

    Zwei Pionierarbeiten zeigen: Personalisierte Medizin steigert den Therapieerfolg.

    Es gibt keine schlechten Substanzen, sondern nur ein schlechtes Studiendesign zur Evaluierung einer Substanz (Daniel D. Von Hoff): Eine neues „selbstlernendes‟ biomarkerbasiertes Randomisierungskonzept zeigt Erfolge mit Substanzen, die in konventionellen „All comer‟-Phase-III-Studien nicht erfolgreich waren.

    „Crossing entity borders‟: Eine zielgerichtete Therapie kommt nicht an einer anatomischen Tumorgrenze optimal zur Anwendung, sondern im entsprechenden molekularbiologischen Kontext einer Tumorzelle.

    Das volle Potenzial zielgerichteter Therapien kann nur im Rahmen neuer Konzepte der personalisierten Medizin ausgeschöpft werden.

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  • Das Mammakarzinom als Beispiel individualisierter Krebstherapie

    Auf Basis des Hormonrezeptor- und des HER2-Status können heute Subtypen des Mammakarzinoms definiert werden, die für die individuelle Therapiewahl maßgeblich sind.

    Genexpressionsprofile liefern im Einzelfall wichtige Zusatzinformationen für die Therapieplanung.

    Hormonsensible Mammakarzinome können durch den Proliferationsmarker Ki67 in Gruppen unterteilt werden, bei denen eine endokrine Therapie zumeist ausreicht oder die bei relativer Hormoninsensitivität zusätzlich eine Chemotherapie benötigen.

    Beim aromatasehemmerresistenten Mammakarzinom konnte Exemestan in Kombination mit Everolimus eine weitere Verbesserung des progressionsfreien Überlebens bewirken.

    HER2 ist eines der wichtigsten zellulären Zielmoleküle und Angriffspunkt für Trastuzumab, Lapatinib, Pertuzumab und das Trastuzumab-Chemotherapie-Konjugat Trastuzumab-Emtansin, mit denen die ursprünglich schlechte Prognose HER2-positiver Mammakarzinome dramatisch verbessert wurde.

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  • Individualisierte Therapie beim nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom

    Zunehmende Individualisierung der Therapie des NSCLC durch Etablierung zielgerichteter Therapien

    • Hemmung des EGF-Rezeptors (Gefitinib, Erlotinib, Afatinib, Cetuximab)
    • Hemmung der Tumorangiogenese (Bevacizumab)
    • ALK-Rearrangement als Target (Crizotinib)

    Der EGFR-Mutationsstatus und das ALK-Rearrangement werden derzeit bei allen Adenokarzinomen ermittelt.

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