Moderne Therapiekonzepte

Acne vulgaris zählt zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen und betrifft zunehmend auch erwachsene Patient:innen. Parallel dazu hat sich das Verständnis der Pathophysiologie weiterentwickelt: Neben Seborrhö und follikulärer Hyperkeratinisierung rücken das Hautmikrobiom und frühe entzündliche Prozesse stärker in den Fokus.

Individualisierte Therapie

Therapeutisch zeigt sich jedoch kein grundlegend neues Arsenal an Wirkstoffen, vielmehr werden etablierte Substanzen heute gezielter kombiniert und individualisiert eingesetzt. Eine echte Innovation stellen aktuell vor allem topische Antiandrogene dar.
Aktuelle internationale Leitlinien, insbesondere der American Academy of Dermatology (AAD, 2024), empfehlen weiterhin evidenzbasiert den Einsatz von topischem Benzoylperoxid, topischen Retinoiden und – eingeschränkt – topischen Antibiotika als Basistherapie. Für die systemische Behandlung bleibt orales Doxycyclin eine zentrale Option.

Kombinationstherapien als neuer Standard

Ein zentraler Trend ist die konsequente Anwendung von Kombinationstherapien. Die AAD-Leitlinie betont abermals ausdrücklich den Einsatz topischer Kombinationen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Diese adressieren mehrere pathogenetische Faktoren gleichzeitig und zeigen eine höhere Wirksamkeit bei besserer Adhärenz.
In Österreich stehen mehrere etablierte topische Fixkombinationen zur Verfügung (z.B. Adapalen + Benzoylperoxid, Clindamycin + Benzoylperoxid, Tretinoin + Clindamycin). Diese Präparate ermöglichen eine effektive, praxisnahe Umsetzung der Leitlinienempfehlungen. Neu hinzugekommen ist in den USA eine Triple-Fixkombination (Retinoid + Benzoylperoxid + topisches Antibiotikum), die mehrere pathogenetische Faktoren simultan adressiert, dadurch deutlich besser wirkt und die Adhärenz verbessert.

Antibiotic Stewardship in der Aknetherapie

Unter Antibiotic Stewardship (AMS) versteht man ein strukturiertes Programm zur Gewährleistung einer optimalen antiinfektiven Pharmakotherapie. Ziel ist es, Wirksamkeit, Sicherheit und Indikationsstellung von Antibiotika zu optimieren und gleichzeitig Resistenzentwicklungen zu minimieren. Ursprünglich vor allem im Krankenhaus etabliert, gewinnt AMS zunehmend auch in der ambulanten Dermatologie an Bedeutung.
Für die Aknetherapie bedeutet dies konkret: Antibiotika sollten nicht als Monotherapie eingesetzt, sondern stets mit nichtantibiotischen Wirkstoffen wie Benzoylperoxid kombiniert werden. Zudem ist die Behandlungsdauer möglichst kurz zu halten.

Neue Laser- und Lichttherapien: gezielte Wirkung auf Talgdrüsen

Ein bedeutender Fortschritt im Bereich der apparativen Therapie sind neu entwickelte, FDA-zugelassene Lasersysteme zur Aknebehandlung. Besonders hervorzuheben sind Systeme mit einer Wellenlänge von 1.726 nm (z. B. AviClear® und Accure®), die gezielt auf die Talgdrüsen wirken und die Sebumproduktion nachhaltig reduzieren.
Weiterhin spielen auch LED-basierte Lichttherapien eine Rolle: Blaues Licht (~415 nm) und rotes Licht (~633 nm) wirken antibakteriell bzw. antiinflammatorisch und brauchen mehrere Sitzungen, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. Auch die photodynamische Therapie (PDT) ergänzt dieses Spektrum: Durch Aktivierung eines Photosensibilisators (z. B. 5-ALA) kommt es zur selektiven Schädigung von Talgdrüsen und Cutibacterium acnes. Sie eignet sich insbesondere bei therapieresistenter entzündlicher Akne.

Hormonelle Therapie: differenzierte Optionen

Hormonelle Therapien spielen eine zentrale Rolle bei weiblichen Patientinnen, insbesondere bei klinischen Hinweisen auf androgenabhängige Akne jenseits der Pubertät (Acne tarda). Neben dem Einsatz von kombinierten oralen Kontrazeptiva, die Androgenspiegel senken und entzündliche Läsionen verbessern, wird vermehrt Spironolacton bei androgenabhängigen Dermatosen, u. a. bei Akne, eingesetzt. Das durch seinen Einsatz bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Ödemen bekannte Diuretikum wirkt auch als Androgenrezeptor-Antagonist mit sebostatischer und antiinflammatorischer Wirkung. Eine sichere Kontrazeption wird häufig empfohlen, ist jedoch nicht in allen Leitlinien verpflichtend (z. B. britische Empfehlungen). Entscheidend ist eine sorgfältige Aufklärung über potenzielle Risiken in der Schwangerschaft.

Adjuvante Maßnahmen: intraläsionale Kortikosteroide

Intraläsionale Kortikosteroidinjektionen stellen eine effektive Option bei einzelnen, großen entzündlichen Knoten oder Zysten dar. Sie führen häufig zu einer raschen Abflachung der Läsion und können Schmerzen sowie das Risiko einer Narbenbildung reduzieren. Typischerweise wird Triamcinolonacetonid in niedriger Konzentration (z. B. 2,5–5 mg/ml) intraläsional appliziert, meist in kleinen Volumina direkt in die Läsion. Auch die aktuellen AAD-Leitlinien 2024 empfehlen ihren Einsatz als adjuvante Therapie bei größeren entzündlichen Läsionen.

Neue und differenzierte Therapieoptionen

Bei schwerer Akne, Narbenbildung oder erheblicher psychosozialer Belastung bleibt orales Isotretinoin die effektivste Therapieoption. Zunehmend wird es auch früher im Krankheitsverlauf eingesetzt. Neue Wirkstoffe erweitern das Spektrum nur punktuell: Topisches Clascoteron als Antiandrogen stellt hier die wichtigste Innovation dar.

Fazit

Die moderne Aknetherapie basiert weniger auf neuen Wirkstoffen als auf einer optimierten Anwendung etablierter Therapien. Kombinationen, Antibiotic Stewardship und individualisierte Strategien stehen im Vordergrund und ermöglichen eine effektive und nachhaltige Behandlung.