Ein Hauptziel der Empfehlungen ist die Verminderung von Antibiotika-(AB-)Verordnungen, indem etwa AB-Behandlungen so kurz und schmal wie möglich angesetzt sowie unnötige AB-Therapien vermieden bzw. sofort beendet werden. Wann immer möglich und vertretbar, sollten Strategien wie „watchful waiting“ oder „delayed prescription“ zur Anwendung kommen. Im Folgenden sind die wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion aus dem Jahr 2024 zusammengefasst.
Tonsillopharyngitis: Die Dauer der antibiotischen Standardtherapie mit Penicillin V wird auf 5 Tage reduziert. Ergänzend wird empfohlen, die Diagnose „Scharlach“ nur bei Vorliegen eines schweren systemischen Krankheitsbildes zu stellen.
Insbesondere wird erneut festgehalten, dass u.a. bei einem Alter unter (2–)3 Jahren, geringem Krankheitsgefühl und Hinweisen auf eine Virusinfektion keine AB-Therapie indiziert ist; ebenso nicht zur Vermeidung eitriger bzw. immunologischer Folgeerkrankungen.
Otitis externa bzw. Otorrhö bei liegendem Paukenröhrchen: Die Dauer der lokalen Behandlung mit Ciprofloxacin wird auf 7 Tage begrenzt.
Mykoplasmen-Pneumonie: Indikation zur Diagnostik und Therapie besteht nur bei dringendem Verdacht auf Mykoplasmenpneumonie und deutlichem Krankheitsgefühl; die Therapiedauer wurde auf 5 Tage reduziert.
Unkomplizierte Zystitis: Urinmikroskopie und -kultur werden empfohlen (Leukozytennachweis im Stix kann falsch positiv sein). Pivmecillinam wird als Option zur First-Line-Therapie aufgenommen (in Österreich wie in Deutschland ab 6 Jahren zugelassen).
Unkomplizierte Pyelonephritis: Die Altersgrenze für eine ambulante orale AB-Therapie wird auf „ab 3 Lebensmonaten“ herabgesetzt, die Dauer auf 7 Tage reduziert.
Präpubertäre GAS-Vulvovaginitis (Erreger aus der Gruppe A der Streptokokken) wird neu aufgenommen; Erregerdiagnostik und ggf. AB-Therapie sind nur bei klinisch typischem Befund einer A-Streptokokken-Infektion (selten) angezeigt.
Als Standardtherapiedauer bei multiplem Erythema migrans (EM) oder EM mit Allgemeinsymptomen bzw. Lymphozytom sind jetzt 14 Tage anstatt 14–21 Tage empfohlen.
Eitrige Konjunktivitis: Eine topische AB-Therapie ist nur noch „bei Versagen der symptomatischen Therapie im Einzelfall zu erwägen“.
Bissverletzungen: Es wird nur die AB-Prophylaxe (nicht die Therapie manifester Infektionen) nach frischen tiefen Bissverletzungen/in kritischen Körperregionen (u. a. Gelenknähe, Gesicht, Genitalien) empfohlen, jedoch keine AB-Prophylaxe bei geringfügigen Bissverletzungen. Die Dauer einer AB-Prophylaxe mit Amoxicillin-Clavulansäure soll 3 Tage betragen.
Zu beachten ist, dass die Empfehlungen für Deutschland gelten; generell sind immer lokale Resistenzlagen zu berücksichtigen. Die Empfehlungen weisen explizit darauf hin, dass sie nicht die individuelle Beurteilung und Entscheidungsfindung ersetzen; Abweichungen sollten jedoch begründbar sein.