Die Dermatoonkologie hat in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Anlässlich des Kongresses der European Academy of Dermatology and Venereology, der vom 30. September bis 3. Oktober 2026 in Wien stattfand, informierte die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) in einer Pressekonferenz über aktuelle Entwicklungen. „Einerseits verbesserte sich die Diagnostik durch Teledermatologie und den Einsatz künstlicher Intelligenz massiv, andererseits gab es in der Therapie enorme Entwicklungen, sodass wir den Hautkrebs zwar noch nicht besiegt haben, aber ein großes Stück in der effizienten Behandlung unserer Patient:innen weitergekommen sind“, betonte Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger, Präsident der ÖGDV.

V. l. n. r.: Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger, Univ.-Prof.in Dr.in Iris Zalaudek, Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller, Apl. Prof. Dr. Peter Kölbinger; © Selina Palla
Total Body Photography, digitale Dermatoskopie und KI-gestützte Systeme können Dermatolog:innen dabei unterstützen, neu entstandene oder veränderte Hautläsionen frühzeitig zu erkennen und Hautveränderungen im Verlauf zu dokumentieren. Besonders bei Personen mit erhöhtem Melanomrisiko können diese Verfahren die Überwachung erleichtern. Die Grenzen der KI bleiben jedoch relevant: Die Aussagekraft hängt unter anderem von den Trainingsdaten ab, individuelle Krankengeschichten werden nicht berücksichtigt, und Fehlklassifikationen sind möglich. Diagnose und Therapieentscheidung bleiben daher ärztliche Aufgaben. Auch die Teledermatologie gewinnt an Bedeutung. Ein steirisches Projekt zeigte, dass mehr als 80 % der Anfragen wohnortnah durch Hausärzt:innen betreut werden konnten, ohne dass eine dermatologische Ambulanz aufgesucht werden musste.
Deutliche Fortschritte gibt es bei der Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms. Langzeitdaten zur kombinierten Immuntherapie zeigen, dass nach 10 Jahren mehr als die Hälfte der Patient:innen noch lebt; in der Chemotherapieära lag dieser Wert bei unter 5 %. Mittlerweile auch in früheren Erkrankungsstadien eingesetzt, kann eine adjuvante Immuntherapie bei hohem Rezidivrisiko die Zahl neuer Metastasen deutlich reduzieren. Bei Patient:innen, die mit einer neoadjuvanten Immuntherapie behandelt wurden, ist in rund der Hälfte der Fälle im Operationspräparat kein vitaler Tumor mehr nachweisbar, berichtete Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller von der MedUni Wien. Zu den neuen Ansätzen zählen individualisierte, neoantigenspezifische Immuntherapien („Krebsimpfung“) sowie bispezifische Moleküle, zellbasierte Therapien und onkolytische Viren.
Auch beim hellen Hautkrebs erweitern Immuntherapien die Optionen: Mit Cemiplimab steht beim kutanen Plattenepithelkarzinom eine Therapie bei lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung zur Verfügung, wenn Operation oder Bestrahlung nicht möglich sind. Neue Studien prüfen zudem den Einsatz einer neoadjuvanten Immuntherapie.