Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die in Österreich 17 % der Erwachsenen betrifft, mit steigender Tendenz. Laut World Obesity Atlas wird 2035 mehr als ein Drittel der Erwachsenen in Österreich eine Adipositas aufweisen. Darüber hinaus leben 34 % der Buben und 26 % der Mädchen mit Übergewicht oder Adipositas.Die assoziierten Folgeerkrankungen sind bekannt: Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie, Hypertonie, MASLD, Schlafapnoe, Gonarthrose, Karzinome, dazu Stigmatisierung und Depression.
Therapeutisch standen lange nur Lebensstilintervention und bariatrische Chirurgie zur Verfügung. Mit der Zulassung der GLP-1-Analoga lässt sich nun auch das Auftreten von Folgeerkrankungen reduzieren: In SELECT senkte Semaglutid 2,4 mg schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 20 %, unter Tirzepatid sank in SURMOUNT-1 die Progression von Prädiabetes zu Typ-2-Diabetes um 94 %. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren zeigte STEP TEENS eine BMI-Reduktion um 16,1 %. Entscheidend bleibt die Kombination mit Ernährungs- und Bewegungstherapie.
Allgemeinmediziner:innen sind häufig die erste Anlaufstelle – für Erwachsene wie für Kinder. Als Vertrauenspersonen mit Kenntnis von Familie und Alltag können sie das Thema Gewichtsreduktion oft erfolgreicher ansprechen. Das erfordert neben Zeit eine entsprechende Qualifikation. Die Wiener Ärztekammer setzt mit dem Empfehlungstarif für Adipositas-Erstgespräche einen ersten Schritt, die Adipositasakademie der Österreichischen Adipositas Gesellschaft adressiert die Wissenslücken. Beide greifen jedoch nur, wenn Adipositas in der Primärversorgung als chronische, multifaktorielle Erkrankung anerkannt und entsprechend therapiert und in den Leistungskatalog inbegriffen wird.