Das österreichische Medizintechnikunternehmen MED-EL präsentierte im Rahmen einer Online-Pressekonferenz das weltweit erste unsichtbare Cochlea-Implantat. TICI UNICO benötigt keine externen Komponenten, was Betroffenen mehr Freiheiten ermöglicht.
Eine zentrale technische Neuerung ist das integrierte Mikrofon, das Schall durch die Haut aufnimmt. Die akustischen Signale werden verarbeitet und in elektrische Impulse umgewandelt, die über eine Elektrode in der Cochlea den Hörnerv stimulieren. Das Gehirn nimmt diese Signale als Klänge wahr. Klinische Studiendaten und bisherige Erfahrungen zeigen eine mit klassischen Cochlea-Implantat-Systemen vergleichbare Hörleistung. Durch den Verzicht auf externe Komponenten ist das Hören rund um die Uhr ohne Unterbrechung möglich – auch beim Schlafen, beim Sport und im Wasser.
Das Gründerehepaar Dr.in Ingeborg Hochmair-Desoyer und Prof. Dr. Erwin Hochmair beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Hörimplantaten. Auf ihre Forschungsarbeit an der TU Wien und der Universität Innsbruck geht das mikroelektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat zurück, das 1977 erstmals bei einem Patienten in Wien eingesetzt wurde. Mit der Gründung von MED-EL im Jahr 1990 führten sie die Entwicklung weiter. Die Vision eines vollständig implantierten, von außen unsichtbaren Systems begleitete Hochmair-Desoyer bereits nahezu 50 Jahre. Rund 15 Jahre Entwicklungsarbeit waren nötig, um alle Komponenten unter die Haut zu bringen; mit TICI UNICO ist dieser Durchbruch nun gelungen.
TICI UNICO kommt für Menschen mit hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit infrage, die grundsätzlich für eine Cochlea-Implantation geeignet sind; eine Altersobergrenze besteht nicht. Das Implantat wird derzeit in mehreren europäischen Ländern eingeführt. In Österreich trugen zum Zeitpunkt der Präsentation bereits 5 Personen ein TICI-UNICO-Implantat, weitere Eingriffe wurden am selben Tag an den Universitätskliniken AKH Wien und St. Pölten vorgenommen. „Der 29. September ist für uns ein besonderer Tag, weil eine Technologie, die wir bisher im Rahmen einer Studie begleitet haben, nun in die reguläre klinische Anwendung übergeht. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technik an sich, sondern die Frage, was sie unseren Patient:innen ermöglicht: hören zu können, ohne dass ein sichtbares Gerät Teil ihres Alltages sein muss“, bringt es Klinikleiter Univ.-Prof. Dr. Christoph Arnoldner (MedUni Wien) auf den Punkt.