Auf dem Weg zu organisierten Programmen

In Österreich wurde mit der Einführung des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms (BKFP) im Jahr 2014 ein erster Schritt zu einem organisierten, qualitätsgesicherten Screening gemacht. Andere Programme erfolgen bisher größtenteils opportunistisch und ohne zentrale Steuerung. Um die Entwicklung von Screeningprogrammen künftig systematisch und evidenzbasiert zu gestalten, wurde im Jahr 2022 das Nationale Screening-Komitee (NSK) eingerichtet. Dieses interdisziplinäre Expertengremium hat die Aufgabe, Empfehlungen für bevölkerungsbezogene Früherkennungsmaßnahmen zu erarbeiten, die auf internationalen Standards basieren. Ziel des NSK ist es, Screeningangebote in Österreich medizinisch sinnvoll, wissenschaftlich fundiert und strukturell einheitlich zu gestalten – mit klar definierten Zielgruppen, Intervallen, Qualitätsstandards und Evaluationskriterien.

Zervixkarzinom: bewährte Vorsorge, neue Perspektiven

Gebärmutterhalskrebs ist eine der wenigen Krebserkrankungen, die durch gezielte Vorsorge nahezu vollständig verhindert werden können. In Österreich ist der jährliche PAP-Abstrich für Frauen ab dem 20. Lebensjahr etabliert. Die jährliche Wiederholung resultiert aus einer eingeschränkten Sensitivität (50–80 %), die durch serielle Testungen und durch die lange Latenzzeit des Zervixkarzinoms (2–10 Jahre) ausgeglichen werden kann. Laut Statistik Austria konnte damit die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle seit den 1980er-Jahren jeweils mehr als halbiert werden. Mit dem Wissen um die zentrale Rolle des humanen Papillomvirus (HPV) bei der Entstehung des Zervixkarzinoms hat sich nicht nur das Verständnis der Krankheitsursache grundlegend erweitert, sondern auch die Screeningstrategie einen Wandel erfahren. Der HPV-Test ermöglicht mit einer Sensitivität von über 95 % eine noch genauere Risikoeinschätzung und bildet gemeinsam mit dem PAP-Abstrich die Basis eines evidenzbasierten Vorsorgekonzeptes.

Das österreichische BKFP: Brustkrebs „früh erkennen“

Das BKFP ist das einzige organisierte flächendeckende Früherkennungsprogramm in Österreich (Einladungen, Erinnerungen) und bietet im internationalen Vergleich eine sehr hohe Untersuchungsqualität. Am BKFP können in Österreich Frauen im Alter zwischen 40 und 74 Jahren teilnehmen (im Alter zwischen 40 und 44 Jahren ist eine aktive Anmeldung erforderlich). Die Einladung enthält Informationen zur Teilnahme, darunter eine Auflistung zertifizierter Radiolog:innen. Seit 2023 ist die ärztliche Gesprächsleistung „Beratung und Risikoaufklärung“ für Allgemeinmediziner:innen eingeführt, die Frauen dabei unterstützen soll, eine informierte Entscheidung zur Teilnahme am BKFP zu treffen, und zugleich dazu beitragen soll, die Teilnahmerate (derzeit etwa 40 %) zu erhöhen. Zielvorstellung wäre eine Anhebung der Teilnahmerate auf 80 %.

Darmkrebs ist vermeidbar

Darmkrebs ist durch frühe Entfernung von Vorstufen (Adenomen) vermeidbar. In Österreich gibt es seit 2010 das „Qualitätszertifikat Vorsorgekoloskopie“, in das bis heute mehr als 400.000 Befunde eingepflegt wurden. Das ist viel, aber mit geschätzten 30–40 % immer noch deutlich unter der Forderung der EU-Kommission, dass 90 % der EU-Bürger:innen ein Darmkrebsscreening erhalten sollen. Das NSK empfiehlt seit mehreren Jahren die Einführung eines organisierten Darmkrebsscreenings. Im Gegensatz zum bisherigen opportunistischen Vorgehen werden bei populationsbezogenen Programmen alle anspruchsberechtigten Personen aktiv zur Teilnahme eingeladen. Mit Pilotprojekten in Wien und der Steiermark werden nun entsprechende Modelle für Österreich erprobt. Darüber hinaus wurden neue Darmkrebsfrüherkennungsrichtlinien erarbeitet: Diese gelten nunmehr bereits ab dem 45. Lebensjahr und beinhalten entweder eine Koloskopie (wenn unauffällig, Wiederholung alle 10 Jahre) oder einen FIT-Test (alle 2 Jahre – mit Koloskopie nach positivem Ergebnis).

Fazit

Neben den etablierten Programmen werden Früherkennungsstrategien für weitere Krebserkrankungen auf nationaler und europäischer Ebene kontinuierlich evaluiert. Ob und in welcher Form daraus künftig organisierte Screeningprogramme entstehen, bleibt Gegenstand laufender wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Diskussionen. Prinzipiell erfordert die Bewertung von Früherkennungsmaßnahmen eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung von Alter, Gesundheitszustand, Lebenserwartung und persönlichen Präferenzen. Bei begrenzter Lebenserwartung kann der potenzielle Schaden durch Überdiagnosen und Folgeinterventionen den Nutzen von Screeninguntersuchungen übersteigen, weshalb jede Entscheidung im klinischen Kontext individuell getroffen werden muss.