Glukosesensoren und Insulinpumpen – Tipps und Tricks für den Alltag

Insulinpumpentherapie

Mithilfe einer Insulinpumpe ist eine bedarfsgerechte Insulinabgabe (sowohl der Basalrate als auch der Bolusabgabe), die der körpereigenen Insulinsekretion am nächsten kommt, gut möglich. Entwicklungen der letzten 20 Jahre brachten eine Miniaturisierung der Pumpen, mehrere verfügbare Basalratenprofile, eine feinstufigere Einstellung der Basalratenschritte (bis 0,01 I. E./Stunde), neue Arten der Bolusabgabe (geteilter Bolus, Stufenbolus et cetera) und integrierte Bolusrechner mit sich. Ferner können einzelne Insulinpumpen mit kontinuierlichen Glukosemessgeräten kommunizieren.
Es sind zwei Typen von Insulinpumpen zu unterscheiden: Einerseits sind dies konventionelle Insulinpumpen mit Infusionsschlauch, die mit Teflon- oder Stahlkanülen ausgestattet werden können, andererseits so genannte „Patch-Pumpen“, die direkt am Patientenkörper befestigt werden. Bei Patch-Pumpen erfolgt die Insulinabgabe direkt über eine in die Pumpe integrierte Teflonkanüle. Aktuell müssen Teflonkatheter alle 72 Stunden gewechselt werden, Stahlkanülen alle 48 Stunden. Durch Weiterentwicklung der Infusionskatheter wird versucht, eine stabile Insulinabgabe über eine längere Kathetertragedauer von bis zu 7 Tagen zu ermöglichen.
Aktuelle Entwicklungen zielen darauf ab, dass Insulinpumpen auch mit Systemen anderer Hersteller (zum Beispiel Glukosemonitoringsysteme, Blutzuckermessgeräte, Tagebuch-Apps) kommunizieren können. Derartige Pumpen nennt man iPumps (interoperable Pumps). Somit ermöglichen Hersteller, Personen mit Diabetes die für sie am besten geeignete Kombination an Systemen zu nutzen. Mehrere Firmen beschäftigen sich auch mit der Entwicklung von leicht zu bedienenden und kostengünstigen Insulinpumpen für Personen mit Typ-2-Diabetes.

Welche Modelle sind in Österreich gerade auf dem Markt?

Die Anzahl der in Österreich verfügbaren und direkt über die Österreichische Gesundheitskasse finanzierten Modelle ist recht überschaubar. An konventionellen Pumpen gibt es die ACCU-CHEK® Insight der Firma Roche Diabetes Care, die zusätzlich zur Eingabe über die Pumpe direkt auch über eine Fernbedienung, welche gleichzeitig als Blutzuckermessgerät dient, gesteuert werden kann. Diese Pumpe kann nur in Kombination mit NovoRapid® (Novonordisk) verwendet werden, da die entsprechenden Reservoirs vorgefüllt geliefert werden.
Die MiniMed® 640G der Firma Medtronic kann alleine oder in Kombination mit einem Sensor verwendet werden. Wenn die Pumpe sensorunterstützt verwendet wird, kann man eine automatische Basalratenabschaltung zur Vermeidung des Auftretens von Unterzuckerungen aktivieren.
Die YpsoPump® der Firma mylife ist im Gegensatz zu den anderen konventionellen Insulinpumpen deutlich kleiner und leichter, statt einer Menüführung mittels Text ist diese symbolbasiert und ermöglicht eine intuitive Bedienung.
An Patch-Pumpen ist der OmniPod® (Insulet), sicher auch bedingt dadurch, dass er jahrelang das einzige System seiner Art war, am weitesten verbreitet. Der Pod selbst klebt am Körper, muss alle drei Tage gewechselt werden und wird durch eine Fernbedienung gesteuert. Da der Pod wasserfest ist, muss dieser beispielsweise beim Schwimmen und Tauchen nicht entfernt werden. Noch recht frisch auf dem Markt befindet sich die ACCU-CHEK® Solo (Roche Diabetes Care). Sie ist die bisher erst zweite im Handel erhältliche Patch-Pumpe. Im Unterschied zum OmniPod® hat die ACCU-CHEK® Solo einen modularen Aufbau, das bedeutet, sie wird direkt über die Halterung auf der Haut fixiert. Dadurch kann die Pumpe einfach entfernt und wiederangebracht werden, ohne das gesamte Verbrauchsmaterial wechseln zu müssen. Auch sie wird über eine Fernbedienung gesteuert, doch können Insulinboli über Knöpfe direkt auf der Pumpe auch ohne die Fernbedienung abgegeben werden.

Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM-Systeme)

Durch kontinuierliche Weiterentwicklung, deutliche Verbesserung der Messgenauigkeit und einfache Handhabung haben CGM-Systeme breiten Einzug in die Diabetesbehandlung gefunden. CGM-Systeme messen den Glukosegehalt in der interstitiellen Flüssigkeit des Unterhautfettgewebes mittels eines elektrochemischen Sensors, der je nach Hersteller für 7 bis 14 Tage im Unterhautfettgewebe liegen bleiben kann. Innovationen der letzten Jahre waren insbesondere die Ausdehnung der Tragedauer sowie die Reduktion der notwendigen täglichen Kalibrationen beziehungsweise in den letzten Jahren zunehmend die absolute Kalibrationsfreiheit.
Von der Art der Signalübertragung unterscheidet man Systeme, bei denen aktiv gescannt werden muss, um einen Glukosewert zu erhalten (FreeStyle Libre, Abbott Diabetes Care), von jenen, die kontinuierlich Glukosewerte übermitteln und bei Hypo- oder Hyperglykämien warnen (Dexcom G5/G6®, Dexcom; Eversense® XL, Roche Diabetes Care; Guardian™ Connect, Medtronic). Ab dem Frühjahr 2020 wird das Abbott-FreeStyle-Libre-2-System mit Echtzeitalarmen als weiteres CGM-System in Österreich verfügbar sein.
Bis auf das Eversense®-XL-System können alle Systeme durch die Anwender selbst gesetzt werden.
Das Eversense®-XL-System wird vom Arzt unter sterilen Bedingungen in einem kleinen Eingriff unter Lokalanästhesie ins Unterhautfettgewebe implantiert und kann dort bis zu 180 Tage liegen bleiben. Einen Vorteil bringt dieses System insbesondere für Personen mit Pflasterallergien, da hier der Transmitter durch ein hypoallergenes Silikonpflaster an der Haut befestigt wird, dieses ist täglich zu wechseln.
Alle aktuell am Markt erhältlichen Systeme verfügen über die Möglichkeit, das Sensorsignal an ein Smartphone oder eine Smartwatch zu übertragen. Zudem können die Anwender ihnen nahestehenden Personen erlauben, ebenfalls Einsicht in ihre Glukosewerte zu nehmen beziehungsweise im Falle einer Hypoglykämie alarmiert zu werden. Vor allem Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes nutzen diese Funktion gerne. Forschungsprojekte untersuchen noch weiterhin die Möglichkeit, Gewebsglukose nichtinvasiv, transdermal zu messen, jedoch hält sich dabei die Sensorperformance bisher in Grenzen. Weiterentwicklungen sind sicherlich in Hinblick auf kostengünstige Sensoren zu erwarten.

Diabetesdatenmanagement-Plattformen

Auch die Dateninterpretation und Datensicherung sind zentrale Aspekte in der Betreuung von Personen, die Insulinpumpen und CGM-Geräte zur Diabetesbehandlung nutzen. Nur durch eine wohlüberlegte Dateninterpretation von standardisiert ausgelesenen Daten ist eine valide Abschätzung der Diabeteseinstellung möglich. Zum Auslesen der Daten, inklusive Datenreports, stehen sowohl für CGM-Systeme als auch für Insulinpumpen auf der einen Seite gerätespezifische Softwarelösungen zur Verfügung. Diese wurden in den meisten Fällen von den jeweiligen Anbietern speziell für ihre Produkte entwickelt und bieten oft separate Lösungen für medizinisches Personal sowie auch für den Gebrauch durch die Anwender (zum Beispiel CareLink®/CareLink® pro, Medtronic, Dexcom® CLARITY Home User/Healthcare Professional). Auf der anderen Seite wurden auch vergleichbare Systeme von unabhängigen Vertreibern entwickelt. Diese Systeme sollen die Integration von CGM-Systemen, Blutzuckermessgeräten, Insulinpens und Insulinpumpen unterschiedlicher Hersteller ermöglichen. Beispiele dafür sind diasend® by glooko oder Diabass® (Mediaspects GmbH). Leider werden die Hersteller von Insulinpumpen und Sensoren zunehmend restriktiver, was den Zugriff auf ihre Systeme betrifft, und somit ist der Traum von einer Softwarelösung für alle Systeme wieder etwas in die Ferne gerückt.
Den Systemen gemeinsam ist, dass diese zumeist cloudbasiert sind, das heißt, man kann auf die Diabetes-Datenmanagement-Plattformen mit den entsprechenden Daten über ein internetfähiges Endgerät zugreifen, da diese dezentral über Netzwerkstrukturen bezogen werden. Die Daten können mit den behandelnden Diabetesteams geteilt werden, sodass Therapieanpassungen auch telemedizinisch erfolgen können. Datensicherheitsaspekte müssen hier im Vordergrund stehen und werden teilweise kontroversiell diskutiert.

Die künstliche Bauchspeicheldrüse

Die künstliche Bauchspeicheldrüse ist auch unter den Namen Artificial Pancreas, AP-System oder Hybrid Closed-Loop System bekannt. Unter einer künstlichen Bauchspeicheldrüse versteht man die automatisierte Steuerung einer Insulinpumpe anhand von CGM-Daten durch einen Kontrollalgorithmus. Seit 2019 gibt es nach langjähriger Forschung nun auch in Österreich ein erstes kommerzielles System (MiniMed 670G®, Medtronic) auf dem Markt. Nach einer Einlaufzeit (Empfehlung 2–14 Tage) kann vom Betrieb mit sensorunterstützter Pumpentherapie auf den Betrieb mit automatisierter Steuerung („auto mode“) umgestiegen werden. Dabei werden bedarfsgerecht kleinste Insulinboli abgegeben, die den Basalinsulinbedarf abdecken. Mahlzeiten müssen weiterhin mittels Mahlzeitenboli, die durch den Anwender veranlasst werden, abgedeckt werden. Im Jahr 2020 wird ein weiteres System (Tandem Insulinpumpe mit Control-IQ-Algorithmus) auf dem österreichischen Markt erwartet.

Tipps und Tricks für die Anwendung

Duschen und schwimmen? Zwischen den einzelnen Systemen gibt es Unterschiede hinsichtlich Wasserfestigkeit. Spritzwasser halten alle in Österreich verfügbaren CGM-Systeme und Insulinpumpen problemlos aus. Man kann auch mit allen Sensoren duschen, schwimmen und tauchen. Es empfiehlt sich jedoch eine zusätzliche Fixierung, da die Sensoren ansonsten manchmal verloren gehen (insbesondere bei Kindern/Jugendlichen, wenn sie im Wasser herumtollen, Wasserrutschen nutzen oder ins Wasser springen). Da beim Schwimmen meist keine Basalinsulinabgabe notwendig ist, sollte man konventionelle Pumpen nach Möglichkeit abkoppeln. Der OmniPod® kann am Körper belassen werden, die ACCU-CHEK® Solo ist aktuell nicht wasserfest und muss abgehängt werden.

Röntgen? Laut eigenen Erfahrungen und Erfahrungen US-amerikanischer Kollegen gibt es keine Probleme, wenn man Insulinpumpen und Glukosesensoren Röntgenstrahlung (konventionelles Röntgen, Angiografie, Computertomografie) aussetzt, auch wenn dies von den Herstellern nicht explizit beschrieben wird.

MRT? Allerdings dürfen weder Glukosesensoren noch Insulinpumpen bei einer MRT-Untersuchung am Körper bleiben. Sollte bei Eversense-Trägern ein MRT notwendig sein, empfiehlt sich, dieses rund um einen Sensorwechsel zu planen und den neuen Sensor erst nach erfolgtem MR einzusetzen.

Sauna und Sonne? Da Insulin wärmeempfindlich ist, sollte eine Insulinpumpe nicht in der Sauna getragen werden und auch nicht direkter Sonnenstrahlung (zum Beispiel beim Sonnenbaden) ausgesetzt werden. Wenn dies nicht zu verhindern war, sollte im Verlauf bei atypischer Insulinwirkung die Insulinkartusche gewechselt werden.

Reisen? Bei Reisen sollte auf die Mitnahme ausreichender Verbrauchsmaterialien wie Ersatzbatterien, Reservoirs, Infusionssets et cetera geachtet werden, da die Utensilien nicht überall auf der Welt leicht erhältlich sind. Auch sollten Strategien überlegt werden, wie im Falle von Systemausfällen das Diabetesmanagement dennoch weiterhin gut durchzuführen ist (Mitführen von Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Insulinpens und Nadeln, Basalinsulin bei Insulinpumpenträgern). Nach Möglichkeit sollten diese Utensilien bei Flugreisen direkt mitgeführt werden und nicht als Gepäck aufgegeben werden (kalte Temperaturen im Frachtraum, verloren gegangenes Gepäck).

 

Literatur bei den Verfassern

AutorIn: Univ.-Ass. Dr. Daniel A. Hochfellner

Universitätsklinik für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Universität Graz


AutorIn: Assoz. Prof. PD Dr. Julia K. Mader

Universitätsklinik für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Medizinische Universität Graz


AEK 09|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-05-01