Diagnostik des Myokardinfarkts: schnell und sicher

Blickdiagnose und EKG-Interpretation sind nach wie vor die entscheidenden Kriterien, um die Definition Myokardinfarkt zu erfüllen. Daneben sind in den letzten Jahren unterschiedliche La­bortests zur Bestimmung der Konzentration von molekularen Markern zu einem unverzichtbaren Bestandteil in der Infarktdiagnostik geworden.

Biomarker: Jede Stunde zählt

So bietet eine neue Generation von hochsensitiven Troponin-Assays durch die verbesserte Genauigkeit an der unteren Detektionsgrenze zunehmende diagnostische Informationsmöglichkeiten: neben der eigentlichen Diagnose des Myokardinfarkts auch die Erkennung kleinerer Herzmuskelschädigungen sowie die bessere Abschätzung des Behandlungserfolges. „Der Vorteil der neuen Troponin-Tests liegt in der frühzeitigen Erfassung von sehr geringen Mengen Troponin“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Leiter der Kardiologie im Wilhelminenspital Wien. „So kann die Dauer bis zu den ersten Messergebnissen von vormals vier bis sechs auf drei Stunden reduziert werden.“
Um die Gefahr der dadurch bedingt möglichen falsch-positiven Ergebnisse auszuschließen, rät Huber, diesen Test nur in hochspezialisierten Herzzentren einzusetzen. Noch nicht überall routinemäßig eingesetzt wird der neue Biomarker Copeptin, ein Marker der neurohormonellen Aktivierung, der zusammen mit Arginin-Vasopressin von der Neurohypophyse gebildet wird. „Bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt ist die Copeptin-Plasmakonzentration schon sehr früh deutlich erhöht“, so Huber. Besonders aussagekräftige Ergebnisse verspricht sich der Experte durch die kombinierte Anwendung etablierter und neuer Tests, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass erhöhte Marker auch Indikatoren für andere Herzerkrankungen sein können. „Daher ist eine Ausschlussdiagnose nur durch das EKG beziehungsweise eine Koronarangiografie gesichert.“

Lebensrettend: High-End-Katheterlabors

Zur Weiterbehandlung eines Herzinfarkts mittels Ballondilatation und Stents hat sich schon seit mehreren Jahren die Akut-PCI (Perkutane Koronarintervention, Herzkatheter) als deutlich überlegene Behandlungsstrategie des akuten Myokardinfarktes etabliert. Im Katheterlabor lässt sich die Gefäßverengung angiografisch darstellen, gleichzeitig kann prognostiziert werden, ob ein Risiko für weitere Infarkte besteht. Huber: „Durch die Akut-PCI gelingt es, neun von zehn thrombotisch verschlossenen Koronargefäßen wieder zu öffnen. Entscheidend ist dabei neben einem rund um die Uhr einsetzbaren, gut eingespielten Team aus Kardiologen und Pflegefachleuten eine optimale Infrastruktur.“
Eine Schlüsselrolle spielt das prähospitale Management durch das Notfall- und Rettungsteam: Hier geht es darum, möglichst rasch die richtige Diagnose zu stellen und den unverzüglichen Transport des Patienten ins Herzkatheterlabor zu gewährleisten. Kann eine Akut-PCI nicht im Zeitfenster von 90 Minuten erfolgen, wird an Ort und Stelle medikamentös mit der Thrombolyse begonnen. Eine rasche, klare Kommunikation zwischen Patient, Notfallarzt und Zentrumsspital sowie die Verwendung modernster Hilfsmittel, wie transportable EKG- Geräte oder die elektronische drahtlose Datenübermittlung, sind entscheidend, um den Ablauf zu optimieren.
In Österreich sind mittlerweile flächendeckend etwa 30 spezialisierte Herzkatheterlabors in optimaler Weise in die Versorgung von akuten Infarkt-Patienten eingebunden, die je nach Bedarf große oder kleine medizinische Interventionen anbieten.

 

Quelle: European Society of Cardiology – ESC Congress 2012, München, August 2012

MP 04|2012

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2012-09-28