Simulationstraining: Mehr Patientensicherheit, bessere Behandlungsqualität

Organisations- und Kommunikationsmängel, aber auch Probleme in der Teamarbeit gelten als häufigste Fehlerquellen im perioperativen Bereich. Man geht davon aus, dass etwa 70 % aller Entscheidungen, die zu ungewollten Behandlungsfolgen führen, durch diese sogenannten „Human Factors“ verursacht werden. „Schon ein kleines Missverständnis zwischen Anästhesist und Chirurg kann unter Umständen schwerwiegende Konsequenzen für den Patienten nach sich ziehen“, weiß Dr. Michael Hüpfl, FA für Anästhesie und Notfallmedizin an der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie am AKH Wien.

Vermeidbare Fehlerquellen

Genau an diesem Punkt setzt medizinisches Simulationstraining an: Im Fokus steht die Vermittlung von „Non technical skills“ wie Teamfähigkeit, Kommunikation, Führungsverhalten und Entscheidungsfindung. „Dabei ist es wichtig, unter realen Bedingungen zu trainieren“, betont Hüpfl, der selbst diverse SIM-Kurse leitet. Wesentliche Charakteristika derTrainingsszenarios sind daher medizinisch kritischeSituationen, etwa die Entwicklung einer vitalen Gefährdung unter besonders schwierigen Umständen, kurze Entscheidungszeit, häufig auch ungünstige Rahmenbedingungen und äußere Stressfaktoren. Ziel ist es, in der zeitlichen Enge einer „Notfallsituation“ rasch und unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren die richtigen Entscheidungen zu treffen. Von entscheidender Bedeutung ist, dass hier sowohl Teilnehmer wie auch Trainer die Möglichkeit haben, Feedback zu geben, Erlebtes zu reflektieren und offen zu diskutieren sowie gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten für das eigene Handeln zu erarbeiten – das sogenannte „Debriefing“.
Aus der Analyse kritischer Ereignisse oder auch den Beinahe-Fehlern („near miss“) werden typische Risikofaktoren identifiziert, gegen die gezielt Präventivmaßnahmen ergriffen werden können. „Die Frage nach dem Warum statt nach dem Wer ist ein entscheidender Paradigmenwechsel in einer modernen Fehlerkultur“, so Hüpfl.

Team Training

Die Trainingssimulatoren der dritten Generation ermöglichen sehr realitätsnahe Szenarien: Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Sprache können je nach Trainingsszenario anhand der Hightechpuppen ebenso simuliert werden, wie verschiedenste Krankheitsbilder oder typische Verletzungen und deren Folgen. Ein integrierter Computer steuert die Vorgänge, angebrachte Sensoren registrieren die Behandlungsweise und lassen den künstlichen Patienten individuell reagieren. Und zwar außerhalb des Sicht- und Hörbereichs der Teilnehmer. Damit wird eine sehr realistische Trainingsumgebung geschaffen: Die Teilnehmer sind mit der Situation „alleine“ und treffen ihre Entscheidungen völlig unbeeinflusst.
Das Spektrum der Patientensimulatoren reicht vom Neugeborenen- und Babysimulator über das Kleinkindmodell bis hin zur exakten Rekonstruktion eines erwachsenen Menschen. „Aber trotz dieser technischen Errungenschaften ist ein perfekt ausgebildeter Trainer aus Fleisch und Blut unersetzbar“, betont Hüpfl und verweist damit auf die essentielle Bedeutung der flächendeckenden zertifizierten Trainerausbildung in Österreich. Alle Trainer sind nach den Richtlinien der ÖGARI ausgebildet. Neben dem AKH bieten das SMZ Ost in Wien, das SIM-Zentrum in Hochegg und Linz ÖGARI-zertifizierte Kurse an.
Laut dem Experten ist die Ausbildung in Simulationszentren eines der zukunftsweisenden Projekte in der Medizin. „So wie es heute unvorstellbar ist, dass ein Flugkapitän nicht im Simulator war, wird das verpflichtende SIM-Training künftig Standard für jeden Anästhesisten, Intensiv- oder Notfallmediziner sein.“

 

SIM-Trainingszentren in ­Österreich: (ÖGARI-zertifitiert)

  • MedUni Wien
  • SMZ Ost Wien
  • SIM-Zentrum Hochegg
  • SIM-Zentrum Linz
Weitere Zentren:
  • LKH Salzburg, Graz, Klagenfurt, Feldkirch und Innsbruck

MP 04|2012

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2012-09-28