Interventionelle Schlaganfallbehandlung

Die Überlegenheit der Thrombektomie gegenüber der medikamentösen Standardtherapie wurde derart überzeugend belegt, dass die Studien vorzeitig gestoppt werden konnten“, berichtet Assoz.-Prof. PD Dr. Christian Enzinger, Univ.-Klinik für Neurologie, Med Uni Graz und Tagungspräsident der 12. Jahrestagung der ÖGN, die kürzlich in Graz stattgefunden hat. „Entscheidend ist, dass beide Studien moderne Bildgebung zur Darstellung der Gefäßsituation und Durchblutungsstörung des Gehirns zur Auswahl geeigneter Patienten eingesetzt haben“, erklärt Enzinger. Die Studien EXTEND-IA und ESCAPE wurden im März im New England Journal of Medicine publiziert.

Therapie mittels Katheter

Bei einer Thrombektomie wird mittels Katheter ein winziges Instrument über die Leistenarterie bis in die Gehirnarterie geschoben, das sich wie ein Korkenzieher in den Thrombus drehen lässt, der dann anschließend aus dem Blutgefäß herausgezogen wird. „Allerdings ist im Gehirn alles noch etwas komplizierter und gefährlicher als vergleichsweise in den Herzkranzgefäßen. Nicht jeder Patient ist dafür geeignet“, beschreibt Enzinger den Eingriff. Aus diesem Grund wird die interventionelle Behandlung beim Schlaganfall erst seit relativ kurzer Zeit durchgeführt.

Rolle der bildgebenden Diagnostik

Vor allem kann mittels moderner bildgebender Diagnostik festgestellt werden, wie groß der Infarkt ist und wie viel Gehirngewebe bereits geschädigt wurde. Diese Daten erlauben die Auswahl von Patienten, die von einer interventionellen Wiedereröffnung des betroffenen Gefäßes profitieren. Günstig auf die Ergebnisse wirkt sich beispielsweise ein jüngeres Patientenalter aus. „Gute Kandidaten sind jüngere Patienten mit großen Thromben in den proximalen Gefäßen des Gehirns. Diese lösen sich aufgrund ihrer Größe unter medikamentöser Therapie nicht oder nur zum Teil auf, sind aber mit dem Katheter gut zugänglich“, so der Experte.

Neue Devices zur Thrombenentfernung

Mit der steigenden Lebenserwartung nimmt auch die Zahl der Schlaganfälle zu. In Österreich sind es derzeit rund 25.000 pro Jahr, bis 2030 dürfte sich diese Zahl auf 50.000 verdoppeln. „Damit steigt auch die Zahl von Personen, die einen Schlaganfall überleben, und es ist von enormer Wichtigkeit, dass sie das mit möglichst wenig Beeinträchtigung tun. Die technologische Entwicklung trägt dem Rechnung“, berichtet Enzinger. Aktuell werden in kurzem Abstand neue Medizinprodukte vorgestellt, die eine endovaskuläre Entfernung von Thromben aus den Gehirnarterien verbessern und erleichtern. Welche davon sich langfristig durchsetzen, wird die klinische Erfahrung zeigen. Zudem laufen derzeit größere multizentrische Studien, die den Nutzen der Therapie anhand spezieller Devices zur Thrombektomie gegenüber der Standardtherapie wissenschaftlich prüfen.

Wissenschaft: Assoz.-Prof. PD Dr. Christian Enzinger

Klinische Abteilung für Neuroradiologie, Univ.-Klinik für Neurologie, Medizinische Universität Graz

© FURGLER


MP 03|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-07-16