Risiko für Gebärmutterhalskrebs minimieren

Die Anzahl an Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs liegt in Österreich bei 375 Fällen pro Jahr, 2009 starben in Österreich laut Statistik Austria 141 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Bis zu 50 Prozent aller Krebsvorstufen bleiben durch die herkömmlichen Diagnosemethoden unerkannt. Die vor Kurzem veröffentlichten Zwischenergebnisse einer umfassenden klinischen Studie mit mehr als 47.000 Teilnehmerinnen machen nun aber Hoffnung, dass ein neu entwickelter Genotypisierungstest eine wesentliche Verbesserung in der Erkennung von Zervixkarzinomen und Karzinomvorstufen bringt. Durch die innovative Screeningmethode könnten zukünftig mehr als 90 Prozent davon entdeckt werden.

Die ATHENA-Studie, durchgeführt von der McGill Universität in Montreal im Auftrag von Roche Diagnostics, belegt eindeutig, dass nur eine Kombination aus dem bekannten Papanicolaou- Test, dem „PAP-Abstrich“, und einer HPV-Genotypisierung ausreichend Sicherheit in der Krebsvorsorge bietet. Denn der HPVGenotypisierungstest ist in der Lage, Frauen mit hohem Risiko für Gebärmutterhalskrebs auch dann zu identifizieren, wenn der PAP-Abstrich unauffällig ist. So zeigte eine von zehn Patientinnen im Alter von 30 Jahren oder älter, bei der der HPV-Genotypisierungstest für die HPV-Risikotypen 16 oder 18 trotz unauffälligen PAP-Abstriches positiv ausfiel, eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs.

„Die Studie belegt klar“, fasst Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an der medizinischen Universität Wien, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, „dass nur eine Kombination von HPV-Genotypisierungstest und PAPAbstrich ausreichende Sicherheit bietet. Wendet man beide Untersuchungen an, erkennt man 90 Prozent aller Krebsvorstufen. Das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, sinkt dann auf ein Minimum.“

Rasch, einfach und schmerzfrei

Der Genotypisierungstest ist für die Patientinnen schmerzfrei und einfach durchzuführen. Nach dem Abstrich wird die Zellprobe in einem molekulardiagnostischen Labor vollautomatisch untersucht. 14 HPV-Hochrisikotypen können auf diese Weise ermittelt werden – die Prüfung der Typen HPV 16 und 18, die rund 70 Prozent aller Zervixkarzinome verursachen, erfolgt durch Genotypisierung.

„Der Nutzen von Labordiagnostik und Genotypisierung liegt auf der Hand: Eine rasche DNA-Diagnostik von HPV-Infektionen kann Gebärmutterhalskrebs verhindern. Das bringt Sicherheit, Ruhe und mehr Lebensqualität für die Patientinnen. Und nicht zuletzt wird die Prävention anstelle von reaktiver Behandlung gestärkt“, plädiert auch Prof. Dr. Thomas Szekeres, Facharzt für Labormedizin und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, für die Kombination von Genotypisierung und PAP im Rahmen der HPV-Labordiagnostik.

Kostenersparnis

Neben diesen unbestrittenen präventivmedizinischen Vorteilen zeigt eine Kosten-Nutzen-Rechnung auch die finanzielle Effektivität solcher Vorsorgeuntersuchungen, ist Gesundheitsökonom Prof. Dr. Thomas Schröck überzeugt: „Die Behandlung von HPV-assoziierten Krebsarten macht in Österreich rund 25 Mio. Euro pro Jahr aus. Die Kosten des dreijährigen Screenings belaufen sich jedoch nur auf rund 15 Mio. Euro pro Jahr, sie verhindern allerdings 90 Prozent der Sterbefälle und rund 345 Krebsfälle pro Jahr. Das zeigt deutlich die Kosteneffektivität der Präventivbehandlung, die PAP und Genotypisierung gemeinsam bringen.“

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter

Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische
Onkologie an der medizinischen Universität Wien


AutorIn: Prof. Dr. Thomas Szekeres

Facharzt für Labormedizin und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer


AutorIn: Prof. Dr. Thomas Schröck

MP 01|2011

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2011-02-18