Digital Health auf der CES 2024: Die Matratze denkt mit

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Offiziell eine der größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik trägt die CES ihren eigentlichen Wesenskern bereits im Namen. Wie schon der alljährliche Austragungsort Las Vegas vermuten lässt, ist sie im Grunde eine einzige viertägige Show, bei der die Elektronikindustrie sich selbst und ihre Innovationskraft abfeiert, und arm an innovativen Produkten war die CES 2024 wahrlich nicht. Neben den „schnellsten Schuhen der Welt“, transparenten Bildschirmen und fliegenden Autos (noch nicht ganz ausgereift) wurden auch Tools präsentiert, mit denen sich die eigenen vier Wände in ein digitales Self-Care-Paradies verwandeln lassen. Hier ein kleiner Disclaimer: Der Autor hat die folgenden Produkte nicht selbst ausprobiert und wurde auch nicht von den Herstellerfirmen für diesen Bericht bezahlt.

Vom Wearable zum Bearable

Beginnen wir mit dem Naheliegendsten: intelligenten Matratzen. Schlaf ist ja für die digitale Lifestyleindustrie das neue Fitness. Fast jede:r von uns schläft irgendwann einmal gar nicht gut, und viele Menschen leiden tatsächlich unter Schlafstörungen, Schlafapnoe und Co. Wie gut, dass wir selbst im Bett liegend laufend jede Menge Daten produzieren, zum Beispiel über unsere nächtlichen Bewegungsmuster. Neben den Herstellern von Wearables, wie Apple und Oura, tummeln sich Firmen wie Amira Health, Ansill und DeRUCCI in diesem boomenden Markt. Letztere präsentierten auf der CES „smarte“ Matratzen, die mit Bewegungssensoren ausgestattet und mit künstlicher Intelligenz (KI) verbunden sind. Sie verständigen ihre:n Nutzer:in, wenn die Muster auf potenzielle Gesundheitsrisiken hinweisen, können aber auch IoT-(Internet-of-Things-)mäßig eigenständig die Raumwärme und Beleuchtung anpassen.

Gelungene Beziehungen tragen ja nachweislich zur Lebensqualität und -länge bei, und so möchte ich noch den Anti-Schnarch-Polster von DeRUCCI hervorheben, der auch das Risiko für Schlafapnoe reduzieren soll. Wie das Gerät genau funktioniert, lasse ich hier unbeschrieben, nur so viel sei gesagt: Selbst die Polster machen jetzt auf klug.

Ein Ring, sie zu tracken

Zwar hat Samsung seinen „Galaxy Ring“ erst am Mobile World Congress 2024 in Barcelona vorgestellt, aber an intelligenten Ringen herrschte auch bei der CES kein Mangel. So hat die Firma Amazfit ihren Helio Ring präsentiert, der vor allem eine „optimale athletische Performance“ ermöglichen soll. Auf der Basis von Schlafmustern und Daten zum Erschöpfungs- und Erholungszustand nach der letzten Trainingseinheit ermittelt der Ring beziehungsweise die über eine App angebundene KI einen „Bereitschafts-Score“ mit daraus abgeleiteten Trainingsempfehlungen. Derzeit tut er das für Laufen im Freien und am Laufband, Radfahren und schnelles Gehen.

Ein vor allem für weibliche Kundschaft designter Smart Ring ist der Evie von der Firma Movano. Er ist zarter als die meisten anderen klugen Ringe, hat einen offenen Spalt, der das zyklusbedingte Anschwellen der Finger ausgleichen soll, und verfügt noch über ein besonderes Feature, das den meisten auf der CES präsentierten Produkten fehlt: Er ist tatsächlich im Handel erhältlich.

Raumschiff Enterprise lässt grüßen: der BeamO von Withings

Eher mit Vorsicht zu genießen ist das Versprechen der chinesischen Firma Umeox, dass ihr Xring nicht nur Puls, Sauerstoffsättigung und Schlafmuster ermitteln kann, sondern auch in der Lage ist, mittels Photoplethysmografie und künstlicher Intelligenz den Blutzucker zu bestimmen. Die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) hat derzeit eineWarnung vor den Risiken einer nichtinvasiven Blutzuckermessung mittels Smartwatch oder Smart Ring auf ihrer Website. Diese Geräte seien bisher nicht als Medizinprodukt zugelassen und hinsichtlich ihrer Messgenauigkeit nicht durch die Behörde geprüft.

Spieglein, Spieglein…

Wenn kommende Generationen dereinst auf unsere Zeit zurückblicken, werden Sie erstaunt darüber sein, dass wir Klodeckel ohne die Intelligenz eines Hochschulabsolventen in Verwendung hatten. Was einen anderen relativ banalen Alltagsgegenstand, den Spiegel, betrifft, so ist dieser bereits seit einigen Jahren „smart“, kann also einerseits relevante (Gesundheits-)Informationen darstellen und andererseits über optische Bilderkennung Stimmungen erfassen. Liegt natürlich nahe, das mit generativer KI zu verknüpfen und dem/der Nutzer:in jeweils abgestimmte Tipps für seine/ihre mentale Gesundheit zu geben, wie es die Firma Baracoda mit ihrem BMind Smart Mirror macht. Das Gerät ist laut seinem Hersteller zudem in der Lage, Gefühle von Einsamkeit durch ein „immersives Erlebnis aus Licht, Klängen und visuellen Effekten“ zu reduzieren. Naja.

Self-Care für die Hosentasche

Kommen wir schließlich zu einem Produkt, das eine Vision der Medizin der Zukunft mit einem nostalgischen Blick zurück verbindet. Der BeamO der Firma Withings ist ein 4-in-1-Gesundheitscheck für die Hosentasche. Das Gerät, das ein bisschen an eine Fernbedienung erinnert und in seiner Funktionalität an das piepsende Diagnosegerät in der TV-Serie „Star Trek“ denken lässt, hat es tatsächlich in sich. Es misst vier wichtige Gesundheitsparameter: Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2), Herzfrequenz sowie Herz- und Lungengeräusche. Neben Thermosensoren, Minioxymeter und 1-Kanal-EKG ist im BeamO also auch ein digitales Stethoskop zur Auskultation von Herz und Lunge verbaut. Alle Teilfunktionen stellen für sich genommen keinen technologischen Durchbruch dar, aber in seiner Kompaktheit und Vielseitigkeit ist das Gerät bemerkenswert. Es entspricht mit seiner Einsetzbarkeit einerseits dem Self-Care-Gedanken, unterstützt aber andererseits mit einer Telemedizin-Funktion auch die Realisierung von Remote-Sprechstunden, bei denen das Tool als verlängerter diagnostischer Arm der angebundenen Ärzt:innen dienen kann. Wohl auch deshalb wurde der BeamO mit dem diesjährigen CES Innovation Award ausgezeichnet.