Erfahrungen aus dem ESMO Young Oncologist Committee (YOC)

Die European Society for Medical Oncology (ESMO) hat im Jahr 2001 das Young Oncologist Committee gegründet, um spezifische Themen von jungen Onkologen zu adressieren. In den letzten Jahren sind zahlreiche Projekte und Initiativen zur Vernetzung, Karriereförderung und Edukation von jungen Onkologen, auch in enger Zusammenarbeit mit länderspezifischen onkologischen Gesellschaften, geschaffen worden. Im folgenden Artikel wollen wir einen kurzen Überblick über die Schwerpunkte der YOC geben. Auf unserer Homepage der ESMO YOC werden kontinuierlich neue Informationen und Updates bekanntgegeben und ein Besuch lohnt sich.

Das ESMO YOC Komitee stellt sich vor

Das ESMO YOC Komitee setzt sich aus jungen Onkologen (< 40 Jahre) aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen, um die Diversität unserer Gesellschaft widerzuspiegeln. In regelmäßigen Treffen versucht das YOC Komitee kontinuierlich, neue Projekte, Initiativen und Ideen für junge Onkologen umzusetzen. Zudem gibt es eine sehr aktive Facebook-Gruppe, der junge Onkologen beitreten können. Hier werden neueste Informationen, wie z. B. neue Studienergebnisse, ausgetauscht, aber auch Fragen zu Stipendien, Austauschprogrammen etc. gestellt. Heute zählt diese Facebook-Gruppe über 5.000 aktive Mitglieder, die diese Austauschmöglichkeit nützen.

Projekte des ESMO YOC Komitee

Das YOC hat sich zum Ziel gesetzt, Projekte für die Karriereförderung und Edukation junger Onkologen zu verbessern. Ein wesentlicher Bestandteil des YOC ist die Zusammenstellung des jährlichen YOC-Tracks am ESMO-Kongress. Hier werden in verschiedenen Sessions sowohl spannende Forschungsinhalte als auch edukative Inhalte angeboten, die speziell auf Fragen junger Onkologen abzielen. Zudem gibt es eine Mentoring Session, in der mit erfahrenen Experten in Kleingruppen über Karrierewege und Entwicklungen diskutiert werden kann. Eine weitere YOC-Session, die in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, ist die „Clinical Case Discussion“, in der ebenfalls in Kleingruppen klinische Patientenfälle mit internationalen Experten diskutiert und aufgearbeitet werden.Ein weiterer Fokus des YOC ist die Durchführung von Umfragen, um Probleme und Herausforderungen von jungen Onkologen zu erkennen und zu adressieren. Im „Burn-Out-Survey“ wurde untersucht, wie viele junge Onkologen von Burn-Out betroffen oder gefährdet sind. In einem Nachfolgeprojekt wird nun in Antwort auf diese Umfrage an spezifischen Projekten gearbeitet, um eine Burn-Out-Prävention bei jungen Onkologen anzustreben. Ein weiteres Ziel der ESMO YOC ist die Edukation junger Onkologen.
Die Plattform OncologyPRO bietet umfassende E-Learning-Möglichkeiten wie z. B. verfügbare ESMO-Guidelines zu unterschiedlichen Tumorentitäten sowie Handbooks und Factsheets zum Download, Zusammenfassungen neuester Studienergebnisse und Medikamentenzulassungen sowie Webinars zu spannenden Hot Topics.Ein weiteres edukatives Angebot der ESMO sind die ESMO-Kurse, die für onkologisch interessierte Medizinstudenten im Rahmen von Sommerunis angeboten werden. Dabei findet zweimal im Jahr im Sommer ein fünftägiger interaktiver Intensivkurs mit Fall-basiertem Lernen und Workshops für interessierte Medizinstudenten aus aller Welt statt. Viele YOC-Mitglieder gestalten als Vortragende die Vorlesungen mit und stehen für Fragen der Medizinstudenten sowie als erste Kontaktperson mit der ESMO zur Verfügung.

Die Karriere von jungen Onkologen unterstützen

Karriereförderung ist ein essentieller Bestandteil des ESMO-Programms für junge Onkologen. Vor allem in den Bereichen Lehre und Vernetzung hat die ESMO in den letzten Jahren zahlreiche erfolgreiche Programme gegründet. Die sogenannten „Preceptorships“ sind kurze, mehrtägige Kongresse. Voraussetzung für die Bewerbung sind ein aussagekräftiges Motivationsschreiben sowie ein klinischer Fall. Bei den ESMO-Preceptorships werden Themenschwerpunkte von internationalen Experten vorgestellt und klinische Fälle mit allen Teilnehmern diskutiert.Ein weiteres Programm zur Unterstützung der Karriereentwicklung ist das „Leaders Generation Program“. In diesem Programm werden v. a. Kurse zur professionellen Weiterentwicklung angeboten, um die „nächste Generation“ der ESMO-Leader zu finden. Ein weiteres karriereunterstützendes Angebot des ESMO YOC ist das „Virtual mentorship“-Programm. Dabei werden junge Onkologen von einem erfahreneren Mentor über einen Zeitraum von 12 Monaten betreut und beratend unterstützt. Der Fokus kann dabei beliebig gesetzt werden, wie z. B. auf Karriereplanung, wissenschaftliches Arbeiten, aber auch persönliche Entwicklung und Finden eine Work-Life-Balance im stressigen Klinikalltag. Wie schon im Namen stehend und in Zeiten der Covid-19-Pandemie bewährt, findet das Mentoring virtuell statt und kann somit Onkologen aus aller Welt vernetzen.

 

Das YOC arbeitet ständig an neuen Projektideen, um im Auftrag der ESMO die Vision umzusetzen, junge Onkologen in ihrer persönlichen Karriereentwicklung bestmöglich zu unterstützen und gleichzeitig einen globalen Austausch unter Onkologen zu verwirklichen.

AutorIn: Dr. Angelika Starzer

Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien


AutorIn: Assoc. Prof. PD Dr. Anna Sophie Berghoff

Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien


SO 04|2020

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2020-07-29