Young Academic Urologists (YAU): Vorstellung der Prostatakarzinom-Arbeitsgruppe

Nachwuchsförderung im Sinne einer Zukunftssicherung wird in den vergangenen Jahren auch im medizinischen Bereich großgeschrieben. Viele Fachgesellschaften vergeben Forschungsförderungen, Auslandsstipendien oder Preise an junge Kolleginnen und Kollegen, um einerseits deren Leistungen zu honorieren, andererseits aber auch, um Wissen und Kompetenzen für den weiteren akademischen Weg zu steigern.
Im folgenden Beitrag wird die europäische Arbeitsgruppe der jungen akademisch tätigen Urologen vorgestellt und aktuelle Projekte und Ziele der Prostatagruppe beleuchtet.

Young Academic Urologists

Die Young Academic Urologists (YAU) sind eine Gruppe bereits renommierter europäischer junger Urologen, welche jünger als 40 Jahre sind. Die YAU wurden von der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) eingerichtet und haben strategische Partnerschaften mit anderen Einrichtungen der EAU wie dem Guidelines Office, dem Sections Office oder der Prüfungskommission des Europäischen Facharztes (EBU).
Derzeit gibt es 10 verschiedene Gruppen innerhalb der YAU, welche sich mit urologischen Thematiken wie Harnsteine, Roboterchirurgie, funktionelle Urologie, Kinderurologie oder uro-onkologischen Fragestellungen beschäftigen. Die einzelnen Gruppen bestehen aus 4–13 Teilnehmern, welche maximal vier Jahre in der Gruppe verbleiben können und vor Aufnahme in die Gruppe ein kompetitives Aufnahmeverfahren durchlaufen.
Zweimal pro Jahr trifft sich das gesamte YAU-Team, um sich gegenseitig die Fortschritte der einzelnen Gruppen zu präsentieren, zudem werden bei jedem Treffen Impulsvorträge von renommierten Urologen gehalten. Außerdem werden innerhalb der einzelnen Arbeitsgruppen neue Projektideen ausgearbeitet und kritisch diskutiert.

Prostatakarzinom-Arbeitsgruppe der YAU

Aktuell besteht die Prostatakarzinom-Arbeitsgruppe aus 14 Mitgliedern (3 weiblich, 11 männlich) aus Deutschland, Italien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Wichtig zu erwähnen ist, dass neben Urologen auch eine Onkologin und ein Nuklearmediziner Teil der Gruppe sind. Seit 6 Monaten wird die Gruppe vom renommierten Urologen Giorgio Gandaglia (San Raffaele, Mailand) geleitet, welcher die Aufgabe von Guillaume Ploussard (CHU Saint-Louis, Assistance Publique – Hôpitaux de Paris) übernahm.

 

 

Ziel der Arbeitsgruppe ist es einerseits, State-of-the-Art-Übersichtsartikel zu relevanten Themen zu verfassen. So haben wir vor kurzem Arbeiten über die genetische Testung beim hereditären Prostatakarzinom, über die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, über Behandlungsoptionen von Patienten mit aggressiven Prostatatumoren oder eine Übersichtsarbeit über den Stellenwert der Salvage-Lymphadenektomie verfasst.1–4

Eine Stärke der Gruppe ist sicherlich die Möglichkeit der Generierung von multizentrischen Daten, was v. a. bei seltenen Fragestellungen, wie beispielsweise dem Stellenwert der palliativen Cystoprostatektomie oder Beckenexenteration bei Patienten mit symptomatischen fortgeschrittenen Tumoren (Sucrel et al., submitted), äußerst wichtig ist. Hervorzuheben ist eine kürzlich erschienene Arbeit, welche die Wirksamkeit einer nachfolgenden Therapie bei Patienten untersucht hat, welche im metastasierten hormonnaiven Prostatakarzinomstadium Docetaxel erhalten haben. Diese Studie konnte demonstrieren, dass im Falle der Progression nach Docetaxel eine sekundäre Hormontherapie mit einem signifikant verbesserten progressionsfreien Überleben (PFS) assoziiert ist.5
Des Weiteren konnten wir multizentrisch mit Hilfe des Briganti Nomogramms diejenigen Patienten identifizieren, welche im Rahmen der radikalen Prostatektomie eine extendierte Lymphadenektomie erhalten sollten.6

Ein weiterer Schwerpunkt der Gruppe ist die Untersuchung der Bildgebung (v. a. MRT) zu verschiedenen Fragestellungen wie Active Surveillance oder die Identifizierung von Kandidaten für eine unilaterale Nerv-Erhaltung im Rahmen der radikalen Prostatektomie.

 

 

 

Resümee

Die YAU bilden eine Vereinigung junger akademisch tätiger Ärzte, welche sich mit speziellen urologischen Themen auseinandersetzen. Nicht zu vergessen ist jedoch neben dem wissenschaftlichen Aspekt auch die Möglichkeit, interessante und wichtige Netzwerke zu knüpfen und Informationen auszutauschen, aber auch einfach nur nette Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen, mit denen man auch einmal einen gemütlichen Abend verbringen kann.

 

  1. Heidegger I et al., Cancer Treat Rev 2019; 81:101927
  2. Kretschmer A et al., Eur Urol Focus 2020; DOI: 10.1016/j.euf.2020.01.017
  3. Tsaur I et al., Cancer Treat Rev 2019; 75:20–6
  4. Ploussard G et al., Eur Urol 2019; 76 (4):493–504
  5. Tsaur I et al., Eur Urol Focus 2020; 8:S2405-4569(20)30184–X
  6. Gandaglia G et al., Eur Urol 2020; S0302-2838(20)30198–6

SO 04|2020

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2020-07-29