fit2work bei onkologischen Erkrankungen

Trotz onkologischer Erkrankung können viele Menschen nach ihrer Erkrankung wieder arbeiten – vorausgesetzt, sie können Rehabilitation nützen und erhalten am Arbeitsplatz ein individuelles Eingliederungsmanagement. fit2work informiert und begleitet betroffene Personen und Unternehmen dabei.

Jedes Jahr werden in Europa rund 3,2 Millionen neue Krebsfälle diagnostiziert, die Hälfte davon bei Menschen im arbeitsfähigen Alter1. Die häufigsten Krebsformen sind Brust-, Darm-, Prostata- und Lungenkrebs. Da die Überlebensraten mit Krebs angestiegen sind, kehren vermehrt Krebserkrankte in die Arbeit zurück. Andauernde Schmerzen, Müdigkeit, Depression und physische Einschränkungen beeinträchtigen jedoch noch oft die Arbeitsfähigkeit.

Return to Work

Programme zur Wiedereingliederung können Stakeholder in Unternehmen (Arbeitgeber und erkrankte Arbeitnehmer, Arbeitsmediziner und Betriebsräte) dabei unterstützen, die Beschäftigungsfähigkeit onkologisch Erkrankter wiederherzustellen. Die European Agency for Safety and Health at Work hat im Rahmen eines Projekts zum Thema „Rehabilitation und Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Krebserkrankung – Instrumente und Vorgehensweisen“ Best-practice-Beispiele zu gelungener Wiedereingliederung onkologisch Erkrankter in verschiedenen EU-Ländern zusammengefasst2. In der Praxis haben sich demnach multidisziplinäre Ansätze bewährt. Sie inkludieren sowohl individuelle Behandlung und Begleitung der onkologisch Erkrankten als auch Adaptionen am Arbeitsplatz, Informationen für das Umfeld (Kollegen) sowie Unterstützung im privaten Bereich.

Return to Work wird vor diesem Hintergrund als übergreifender Prozess definiert, der mit der Erkrankung eines Arbeitnehmers beginnt und mit der nachhaltigen Reintegration am ursprünglichen oder einem neuen Arbeitsplatz endet. Das Zusammenspiel von Rehabilitationsmaßnahmen und Adaptionen am Arbeitsplatz nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Die Arbeitsmedizin überprüft, ob der Krebs mit der Arbeitssituation in Verbindung steht (z. B. durch Arbeitsstoffe ausgelöst wurde) und berät zur Sanierung bzw. zum Ersatz von krebserregenden Arbeitsstoffen und/oder strengen Schutzmaßnahmen.

Adaptionen am Arbeitsplatz für Krebsrückkehrer kommen oft in Form von Flexibilität bei Pausen, vorübergehender verkürzter Arbeitszeit und Reduktion von anderen Belastungen vor. Ein Beispiel: Ein 40-jähriger Mann erkrankt an Darmkrebs, der Tumor wird operativ entfernt, es folgen Nachbestrahlung und Chemotherapie. Nebenbeschwerden sind Anfälle von Diarrhö, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Der Arbeitgeber unterstützt den Mitarbeiter durch Flexibilität bei der Arbeitszeit, angepasste Pausengestaltung, temporär fehlenden Kundenkontakt sowie die Verlegung in einen Arbeitsraum nahe der Toilette. Die Arbeitsfähigkeit wird erfolgreich wiederhergestellt.

Arbeitsfähigkeit ist die Balance zwischen dem, was Mitarbeiter dauerhaft leisten können und wollen, und dem, was ein Unternehmen an Arbeits- bzw. Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt. Mitarbeiter bringen neben ihrer gesundheitlichen Leistungsfähigkeit auch verschiedenste fachliche und soziale Kompetenzen ein, darüber hinaus ihre eigene Motivation zur Arbeit und ihre Identifikation mit ihrem Unternehmen. Onkologisch kranke Mitarbeiter brauchen oft nur leichte Anpassungen in ihrer Arbeitssituation, um wieder arbeiten zu können. Dabei geht es z. B. um flexiblere Arbeitszeiten, Anpassungen bei Arbeitsinhalten und Tätigkeiten (z. B. vorübergehendes Aussetzen von Außendienstarbeiten) und/oder um die Möglichkeit, die geförderte Wieder-eingliederungsteilzeit in Anspruch zu nehmen3 (das Unternehmen zahlt nur die reduzierten, geleisteten Stunden, die Österreichischen Gesundheitskassen zahlen erhöhtes Krankengeld für nicht geleistete Stunden).

Arbeitsfähigkeit unterstützt das Wohlbefinden von Arbeitenden. Gleichzeitig ist Arbeitsfähigkeit die Grundlage für nachhaltige Produktivität in Unternehmen. Arbeitsfähigkeit muss als kontinuierlicher Verbesserungsprozess verstanden werden, der die Arbeit selbst und jedenfalls auch die Mitarbeiter mit ihren individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten einbezieht. Arbeitsfähigkeit kann gemessen werden. Dazu gibt es ein validiertes Befragungsinstrument4, das in Österreich bereits in über 550 Unternehmen aller Branchen mehrfach eingesetzt wurde5. Onkologisch kranke Menschen haben bei passender Begleitung zum Teil gleich hohe, oft sogar höhere Arbeitsfähigkeitswerte als Mitarbeiter ohne langfristige Erkrankungen.

fit2work-Beratung

Die fit2work Personen- und Betriebsberatung wurde bereits 2012 als Regierungsinitiative allen Personen mit längeren Krankenständen und allen privaten und öffentlichen Unternehmen Österreichs zugänglich gemacht.6 Personen und Unternehmen wurden von Anfang an mit hoher Qualität7 und kostenfrei beraten, Unternehmen aller Größen und Branchen wurden und werden von fit2work-Beratern dabei begleitet, ein eigenes, nachhaltiges betriebliches Eingliederungsmanagement8 zu entwickeln.

Die fit2work-Beratung fußt auf dem Arbeits- und Gesundheitsgesetz, sie ist ein niederschwelliges und freiwilliges Angebot9. Sie bezieht sowohl einzelne Personen als auch jedes Unternehmen ein und hat zum Ziel, kranke Menschen langfristig arbeits- bzw. beschäftigungsfähig zu erhalten.

Mit 1. 1. 2020 startete eine neue Umsetzungsperiode der fit2work-Personen- und fit2work-Betriebsberatung, die weitere fünf Jahre qualitativ hohe und kostenfreie Unterstützung für Personen und Unternehmen ermöglicht.10

 

 

 

Die fit2work-Personenberatung richtet sich an kranke, auch an onkologisch kranke Personen. Wenn ein fit2work-Casemanagement gewünscht wird (Beratung über einen längeren Zeitraum), erhalten Sie einen arbeitsmedizinischen Check. Im Fall von psychischen Belastungen (bei onkologischen Erkrankungen oft gebraucht und gewünscht) erhalten Sie zusätzlich einen psychologischen Check. Je nach Ergebnis wird (ausschließlich) über kostenfreie Unterstützungsangebote informiert. Dazu gehören u. a. Informationen zu onkologisch ausgerichteten Rehabilitationseinrichtungen (ambulant oder stationär), zu psychologischer oder psychotherapeutischer Beratung, zu Selbsthilfegruppen, zur Arbeitsassistenz (anonymes Coaching für onkologisch kranke und psychisch belastete Mitarbeiter, Informationen für Führungskräfte zum Umgang mit kranken Mitarbeitern) mit dem Ziel, sich erfolgreich und gesundheitsförderlich wieder in den Arbeitsprozess eingliedern zu können.

Die fit2work-Betriebsberatung unterstützt Unternehmen dabei, ein nachhaltiges betriebliches Eingliederungsmanagement aufzubauen. Es wird mit geschulten Beratern darüber reflektiert, wie onkologisch kranke Mitarbeiter mit leichten Anpassungen der jeweiligen Arbeitssituation produktiv wieder eingegliedert werden können (Informationen und Hilfe für individuelle Maßnahmenpläne). Produktiv bedeutet hierbei, dass die Arbeitsfähigkeit betroffener Personen wiederhergestellt und ihr Commitment mit dem Unternehmen dadurch verstärkt wird. Ermöglicht wird dies mit geförderten Unterstützungsleistungen. Dazu zählen die Angebote von AMS, PVA, AUVA, den Gesundheitskassen und dem Sozialministeriumservice. Mit ihnen kann Mitarbeitern optimal geholfen werden.

Unterstützungsleistungen: seitens des AMS Weiterbildungsförderung und finanzielle Unterstützung für neu angestellte ältere Mitarbeiter, seitens der PVA u. a. dadurch, dass Aus- und Weiterbildung für nachhaltige Eingliederung Kranker fachlich begleitet und finanziell unterstützt wird, seitens der AUVA durch die Möglichkeit für kleine Unternehmen, arbeitsmedizinische Beratung auch zu einer gelungenen Eingliederung kostenfrei in Anspruch zu nehmen, seitens der Gesundheitskassen Förderungen, um im Unternehmen proaktiv betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen zu können, seitens des Sozialministeriumservice und der PVA Förderungen, die onkologisch kranke Menschen mit (auch vorübergehender) Behinderung in Anspruch nehmen können. Ein besonderes Angebot ist die Wiedereingliederungsteilzeit11 – die fit2work-Personen- und Betriebsberatung informieren dazu im Detail.

Resümee

Onkologische Erkrankungen bedeuten nicht das „Aus“ für erfolgreiches Arbeiten vieler betroffener Menschen. Im Gegenteil – mit passender Rehabilitation, der Unterstützung von fit2work für Personen und Unternehmen können erkrankte Mitarbeiter mit Sorgfalt für sich selbst und hohem Engagement für das Unternehmen langfristig im Arbeitsprozess bleiben.

Die fit2work-Beratung ist für Personen und Unternehmen über die Hotline 0800 500 118 in allen Bundesländern mit insgesamt 44 Standorten erreichbar und kommuniziert per Telefon, Skype und mit Hilfe von Online-Dolmetschern.


AutorIn: Mag.a Renate Czeskleba

Expertin für Arbeitsfähigkeits- und Eingliederungsmanagement in Unternehmen.


AutorIn: Dr.in Irene Kloimüller

Expertin für Arbeitsfähigkeits- und Eingliederungsmanagement in Unternehmen.


1 Braspenning I et al. Rehabilitation and return to work after cancer – instruments and practices, EU OSHA, 2016
2 Rehabilitation und Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Krebserkrankung – Instrumente und Vorgehensweisen, Europäische Beobachtungsstelle für Risiken, Zusammenfassung
3 abgerufen am 20. 5. 2020
4 Kloimüller I, Czeskleba R, Fit für die Zukunft – Arbeitsfähigkeit erhalten – Das Bautagebuch für das Haus der Arbeitsfähigkeit, 2013
5 abgerufen am 20. 5. 2020
6 Czeskleba R et al., Sammelband 2008–2018. 10 Jahre Netzwerk Arbeit und Alter in Kärnten – eine Zwischenbilanz, 2018: 89-105
7 Czeskleba R, Sichere Arbeit, 2016; 5: 19-26
8 Czeskleba R, Betriebliches Eingliederungsmanagement 4.0, 2018: 64-79
9 abgerufen am 20. 5. 2020
10 abgerufen am 20. 5. 2020
11 abgerufen am 20. 5. 2020

SO 05|2020

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2020-09-24